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Stellungnahme der Hochschwarzwald Tourismus GmbH an den Planungsverband Windenergie im Hochschwarzwald

Hinterzarten, 22.7.2013:

Die verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Windkraft, die damit verbundenen Diskussionsrunden, aber vor allem die Visualisierungen haben aus unserer Sicht die zu erwartenden negativen Auswirkungen des Aufstellens von Windkraftanlagen in unseren sensiblen Gebieten (z.B. Aha, Hochfirst, Windeck) sehr deutlich gezeigt.

Durch die gesetzlichen Vorgaben (Ausschlussgebiete durch Natur- und Landschaftsschutz, Mindestvorgaben an die Windhöfigkeit, ect.) ist zu befürchten, dass sich die theoretisch geeigneten Gebiete auf diese höchst sensiblen landschaftsprägenden Gebiete reduzieren. Dies hat aus unserer Sicht große Auswirkungen auf das bisher unberührte und weltweit bekannte und geschätzte Landschaftsbild des Hochschwarzwaldes und damit auch wirtschaftliche Folgen auf die vom Tourismus lebenden Wirtschaftszweige in der Region. Eine Studie „Akzeptanz von Windenergieanlagen in deutschen Mittelgebirgen“ von CenTouris *(Centrum für marktorientierte Tourismusforschung der Universität Passau) hat erhoben, dass 26% der befragten Urlauber in Mittelgebirgen zukünftig nicht in einer Region Urlaub machen würden, in der sich „Windenergieanlagen an Aussichtspunkten oder entlang von Rad und Wanderwegen befinden“. Die wichtigen Detailaussagen dieser Befragung mit einer repräsentativen Stichprobe von knapp 1000 Befragten nach Alter/Geschlecht/Bundesland vom Herbst 2012 sind als Anhang beigefügt. Die fatalen Folgen für die Tourismusbetriebe (Übernachtungsbetriebe, Gastgewerbe, Ausflugs- und Freizeitbetriebe) können Sie anhand der untenstehenden Zahlen/Fakten leicht ausrechnen.

Der Hochschwarzwald zählt neben 721.000 Gästeankünften mit rd. 3 Mio. Nächtigungen p.a. und ca. 4 Mio. Tagesbesuchern (inkl. Badeparadies) p.a. Tagesgäste geben im Schnitt 40-50 € aus, sodass wir einen Umsatz im HSW von rd. 160-200 Mio. € erreichen.

Übernachtungsgäste gaben in Baden-Württemberg 2011/12 aus dem Inland 86€ pro Tag aus, ausländische Gäste 115 €. Multipliziert man unsere rd. 735.000 ausländischen Gästeübernachtungen mit 115 €, erhält man 84,5 Mio. €, bei den inländischen 2,2, Mio. Übernachtungen x 86 € gesamt 189,2 Mio. €.

Somit lukrieren wir im HSW aus Tagesgästen und Übernachtungsgästen einen Umsatz von rund 433 – 473 Mio. Euro pro Jahr, also knapp einer halben Milliarde €. Berechnungen der STG gehen sogar von einer noch höheren Tagesgästezahl und Tagesausgaben aus, sodass dieser Wert in deren Berechnung deutlich über einer halben Milliarde liegt. Der Anteil des Hochschwarzwalds bei den Übernachtungen beträgt im Landkreis Breisgau–Hochschwarzwald  rd. 50%, im gesamten Schwarzwald rd. 12% und zeigt die touristische Bedeutung im gesamten Wirtschaftskreislauf unserer Gesamtregion.

Neben der Gefahr von Einbußen eines Umsatzes im Tourismus von rd. 0,5 Mrd. Euro im Hochschwarzwald aus der „visuellen Beeinträchtigung“, ist auch der gesundheitliche Effekt nicht zu vernachlässigen. Während die WHO (World Health Organisation) von Mindestabständen der Windkraftanlagen von 2-3 km zu Wohngebieten/Unterkünften spricht, sollen bei uns Abstände von unter 1000 Meter möglich sein. Nicht hörbarer Schall, Lichteffekte und vieles mehr werden mittel- und langfristig auch dazu beitragen, dass mit Übernachtungsrückgängen zu rechnen sein wird, die mit dem mangelnden „Wohlfühlfaktor“ und dem Erholungswert korrelieren werden. Gerade jetzt beginnt die HTG auf Basis der bestehenden Prädikatisierung der Mitgliedorte als Höhenluftkurorte (7 Orte) bzw. heilklimatischer Kurorte (6 Orte) im Kerngebiet – in Zusammenarbeit mit dem Heilbäderverband denersten Höhenklimapark in Baden–Württemberg zu projektieren und zeitnah zu realisieren. Es erscheint wenig glaubwürdig, das mit der Verspargelung des einmaligen Landschaftsbildes durch Windkraftanlagen sich der gewünschte Gesamterholungseffekt durch diese visuellen Schmerzen erzielen lassen würde.

Aus unserer Sicht gibt es in Baden-Württemberg und in Deutschland genügend andere Flächen die für den Windkraftanlagenausbau genützt werden können und die in touristisch weniger sensiblen Gebieten liegen und daher vorrangig forciert werden sollten. Das einzigartige Landschaftsbild des Hochschwarzwaldes, das qualitativ hochwertige Angebot unserer Leistungsträger – welches u.a. durch hohe Investitionen und Engagement in der Mitarbeiteraus- und Weiterbildung erreicht worden ist – sowie die gesundheitsfördernden Rahmenbedingungen, sind die Garanten für eine bisher positive wirtschaftliche Entwicklung unserer Region. Dies darf nicht durch das sture Umsetzen von schwammigen Gesetzestexten aufs Spiel gesetzt werden.

Aus unserer Sicht ist die Landschaft des Hochschwarzwaldes sogar dazu geeignet und hatte bei uns zu ersten Überlegungen geführt, sich bei der UNESCO als Weltnaturerbe zu bewerben. Mit Windenergieanlagen ist eine solche Überlegung jedoch im Keim erstickt bzw. würde uns ein ähnliches Schicksaal wie seinerzeit dem Elbtal drohen, welchem durch den Bau der Waldschlösschenbrücke der Titel des Weltkulturerbes aberkannt wurde. Der Spiegel bezeichnete im September 2009 diese Entwicklung damals als „Blamage für Deutschland“ bzw. als „schwarzen Tag für die Kulturnation Deutschland“. Wollen wir ähnlich mit unserem Landschaftserbe verfahren, welches weltweit einen so hohen Stellenwert hat und unsere Gäste aus Industrieballungszentren fliehen, um genau diese unberührte Landschaft vorzufinden?

Daher ist aus Sicht der Hochschwarzwald Tourismus GmbH, die sich sehr viel mit nachhaltigen Urlaubsangeboten und Konzepten beschäftigt und diese realisiert hat bzw. deren Realisierung plant, eine Umsetzung der Windenergie in sensiblen Höhenlagen des Hochschwarzwaldes nicht denkbar. Wir sind nicht generell gegen den Ausbau der Windenergie, aber die unverbaute Landschaft unserer Region ist ein wichtiger „Verkaufsfaktor“ des Urlaubserlebnisses im In-und Ausland. Urlauber, die zu uns in den Hochschwarzwald kommen, verlassen ihre von Industrialisierung, Kommerzialisierung und Technologisierung  geprägten bzw. vereinnahmten Wohnorte, um bei uns die Ruhe und Erholung in einem heilen Landschaftsbild - also Urlaub für alle Sinne - zu erleben.

Sollte dieses Hauptargument durch die Aufstellung von Windkraftanlagen in den geplanten Dimensionen und Standorten wegfallen, ist die Gefahr eines spürbaren Rückschlages in der Tourismusentwicklung unserer Region sehr akut. Mehr als 36 Jahre persönliche Tourismuserfahrung in allen Kontinenten – mit dem erlebten Blick auf die dortigen infrastrukturellen Entwicklungen der letzten 30 Jahren- erlauben mir ein wirklich objektives Urteil zu der geplanten Entwicklung abzugeben.

Mag. Thorsten Rudolph

Geschäftsführer Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Freiburgerstraße 1
79856 Hinterzarten  

Anhang*

Deutsche Mittelgebirge im Allgemeinen:

- Die Mehrheit der Befragten (59%) hat in den letzten fünf Jahren (mindestens einmal) in einem deutschen Mittelgebirge Urlaub gemacht,davon am häufigsten im Bayerischen Wald (20%), im Harz (16%) und im Schwarzwald (15%).

- Die Hauptmotive für einen Urlaub in einem deutschen Mittelgebirge sind „Erholung und Entspannung“, „den Alltagsstress vergessen und Kraft tanken“, „die intakte Natur genießen“und „Zeit füreinander haben“.

- Mittelgebirgsurlauber sind treue Gäste: Der Großteil der Befragten, die in den letzten fünf Jahren Urlaub in einem deutschen Mittelgebirge gemacht haben, sind Wiederholungsbesuche (60%). Weitere 10% der Befragten sind Stammgäste

- Nur 25% der Mittelgebirgsurlauber sind einmalige Besucher.

- Mehr als ein Drittel der Mittelgebirgsurlauber werden „ziemlich sicher“ in den nächsten drei Jahren einen Urlaub in einem deutschen Mittelgebirge machen.

- 65% der Befragtenwerdenin den nächsten drei Jahren „ziemlich sicher“ oder „wahrscheinlich“ einen Urlaubin einem deutschen Mittelgebirge machen

- Das sind 6% mehr als diejenigen, die in den letzten fünf Jahren bereits einen Urlaub dort gemacht haben.

Wesentliche Erkenntnisse (I) 

Windenergieanlagen im Allgemeinen in Deutschland:

- 72% der Befragten sind (eher) Befürworter von Windenergieanlagen in Deutschland. 

- 12% der Befragten sind (eher) Gegner von Windenergieanlagen in Deutschland.

- 16% der Befragten beziehen zu diesem Thema keine eindeutige Stellung.

Die Verteilung Befürworter/Gegner ist unabhängig von soziodemographischen Merkmalen wie Alter und Wohnort sowie von den weiteren Aufrissgruppen.

- Die Gegner verweisen vor allem auf dieOptik (32%), die Kosten (22%) und den Naturschutz (13%).

- Die meiste Zustimmung finden Offshore Windenergieanlagen (41%).

- Dagegen begrüßennur 21% der Befragten Windenergieanlagen in deutschen Mittelgebirgen.

- Eine Zunahme von Windenergieanlagen in Urlaubsregionen wird weniger akzeptiert als eine grundsätzliche Zunahme von Windenergieanlagen in Deutschland.

Wesentliche Erkenntnisse (II)

Windenergieanlagen in deutschen Mittelgebirgen:

- Grundsätzlich kann man sagen, dass eineZunahme von Windenergieanlagen in deutschen Mittelgebirgen negativer bewertet wird als eine Zunahme von Offshore Windenergieanlagen  oder eine Zunahme von Windenergieanlagen an der Küste.  Diese Tatsache spiegelt sich auch bei den Ergebnissen der Frage nach der Zunahme von Windenergieanlagen in Urlaubsregionen wider.

- Für 26% aller Befragten wären Windenergieanlagen an Aussichtspunkten oder Rad und Wanderwegen ein Grund, in dieser Region keinen Urlaub zu machen.DieseAnsicht teilen auch 15% der grundsätzlichen Befürworter von  Windenergieanlagen.

-  Beinahe ein Drittel (31%) der Befragten sind der Meinung, dass Windenergieanlagen in deutschen Mittelgebirgen sich nicht mit dem Naturschutzgedanken vereinbaren lassen.

-  Würden sich Windenergieanlagen in der Nähe von meiner Unterkunft oder von touristischen Ausflugszielen in deutschen Mittelgebirgen befinden, würde mich das als Tourist in dieser Region schon stören (32% aller Befragten)

von  Corinne Komor , Donnerstag 25.07.2013 - 14:26 Uhr

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