language
 

Wasser, wohin man blickt

Auf alle Fälle

Wandern mit Kindern: Auf dem Wasserfallsteig zwischen Feldberg und Todtnauberg kann man ein perfektes Wanderwochenende mit Kindern verbringen.

von  Patrick Kunkel , 17. Mai 2013
  

„Acht!“, kräht Meret begeistert. „Da, die Neunte!“, ruft sie. Oder doch erst die Siebte? Bei derart vielen kleinen Brücken und Stegen kann eine Fünfjährige schon mal durcheinander kommen. Und der schmale Trampelpfad hat es in sich: Mal steil, mal steinig, mal stufig und mal alles zusammen – voller Abwechslung windet er sich in Serpentinen die Wolfsschlucht hinab. An vielen Stellen ist er kaum breiter als ein Handtuch und quert den Bach unzählige Male.

Wasserfallsteig Wald
Mal steil, mal steinig, mal stufig und mal alles zusammen – voller Abwechslung windet sich der Pfad in Serpentinen die Wolfsschlucht hinab.  -  © Patrick Kunkel

Ja, der Wasserfallsteig zwischen Feldberg und Todtnauberg macht seinem Namen alle Ehre an diesem Frühsommermorgen. Wasser, wohin man blickt, erst als kleines Rinnsal, das kurz darauf ein quirliger Bach wird, und immer wieder kleine, größere und richtig große Wasserfälle. Der Boden ist feucht und glitschig – und meine Tochter ist dennoch kaum zu halten, ein wahrer Wirbel aus Entdeckungsfreude und Bewegungslust, der da bergab stürmt.

Wasserfallsteig Kinder
Auf dem Wasserfallsteig zwischen Feldberg und Todtnauberg kann man ein perfektes Wanderwochenende mit Kindern verbringen.  -  © Patrick Kunkel

Kaum zu glauben, dass wir vor anderthalb Stunden noch am Freiburger Hauptbahnhof mitten im städtischen Trubel standen, ehe wir in die Höllentalbahn nach Bärental gestiegen sind. Von dort ging es mit dem Bus hinauf zum Feldbergpass auf 1231 Meter Höhe – und allein die Anreise war schon Spektakel genug mit der gewundenen Bahnstrecke durch das Höllental mit den Tunnelpassagen und immer enger zusammenrückenden Felswänden: „Da, Papa, der Hirschsprung!“ Und dann der Blick auf den friedlich und blau glitzernd daliegenden Titisee und zuletzt die kühle, frische Luft oben auf der Passhöhe.

Gegenüber der Bushaltestelle am Hebelhof verschwindet der schmale Pfad zwischen mächtigen Baumstämmen im schattigen Bergwald. Oben am Feldbergpass hat die Sonne noch vom blauen Himmel gebrannt, doch kurz hinter der in Stein gefassten Quelle des kleinen Flüsschens Wiese kühlt das dichte Blätterdach und das Tal verengt sich zur Schlucht. Auf den ersten sieben Kilometern geht es stets bergab bis Todtnau und Meret ist nicht mehr zu bremsen, taucht hier die nackten Füße ins gurgelnde Wasser und klettert dort auf moosigen Felsen herum. Erst am Fuße des Fahler Wasserfalls, wo das Wasser des Rotenbachs über 50 Meter bergab stürzt, genießen wir ein Vesper und die Aussicht übers Wiesental – und die Füße stecken schon wieder im Wasser!

Wasserfallsteig Schild
Ausgeschildert wurde der Wasserfallsteig bereits im Sommer 2010 und mit 10,8 Kilometer hat er genau die richtige Streckenlänge für eine Wanderung mit Kind.  -  © Patrick Kunkel

Ausgeschildert wurde der Wasserfallsteig bereits im Sommer 2010 und mit 10,8 Kilometer hat er genau die richtige Streckenlänge für eine Wanderung mit Kind. Zurück zum Feldberg wollen wir fahren - ganz bequem mit dem Bus. Es gibt zwar auch einen Rundweg vom Ende des Wasserfallsteigs über Ennerberg bis zum Feldberg, doch die knapp 21 Kilometer lange Strecke ist anstrengend, kommt auf fast 1000 Höhenmeter und ist damit eher etwas für Erwachsene.

Bis Todtnau ist es noch ein gutes Stück, das zweite Drittel der Strecke passt sich wunderschön in die offene Landschaft aus Blumenwiesen und Kuhweiden, bloß geben sich auf der nahen B317 ein paar Motorradfahrer alle Mühe, das Gezwitscher, Zirpen und Blöken mit satter Nürburgring-Akustik zu übertönen. Dafür gibt es aber immer wieder Bushaltestellen – sozusagen der Notausstieg bei Fußblasen oder akutem Stimmungstief des Nachwuchses. Doch das passiert nicht, denn die schmalen Pfade bieten ausreichend Abwechslung – und das findet nicht nur meine Tochter gut, sondern ich auch und das Ganze ist obendrein amtlich vermessen und statistisch untermauert: Der Anteil schmaler Wege und Pfade liegt bei 57%, hat das Deutsche Wanderinstitut ausgerechnet und den Weg darob als „Premiumwanderweg“ zertifziert. Recht hat es, das Wanderinstitut!

Höhepunkt des Tages ist der Todtnauer Wasserfall. Dort fällt der Stübenbach 97 Meter tief und in zwei Stufen über ein gewaltiges Granitmassiv in die Tiefe. Ein letzter Blick – dann der Aufstieg nach Todtnauberg. Dort sehen wir gerade noch den roten SBG-Bus am Eck des Hotel Sternen verschwinden. Und nun? Warten auf den nächsten Bus? Im Kurhaus gibt es Eis, Kaffee und Kuchen. Meret will schon wieder weiter. Zu Fuß! Das versteht sich nach dem Tag fast schon wie von selbst.

Gut zu wissen

Wasserfallsteig: Länge 10,8 km, 555 Höhenmeter bergab, 338 bergauf

Anfahrt: Zug nach Feldberg/Bärental, dann Bus zum Hebelhof; Rückweg: Bus ab Todtnauberg nach Kirchzarten oder Feldberg

Über den Autor

Patrick Kunkel ist Reisejournalist aus Freiburg im Breisgau. Am liebsten erkundet er die Welt mit dem Fahrrad oder mit Wanderschuhen an den Füßen. Er lebt und arbeitet derzeit in Bilbao, Nordspanien und reist von dort regelmäßig in seine Lieblingsregion – den Schwarzwald. Folgen Sie Patrick auf Google+

alle Reiseberichte des Autors
Teil dies mit Deinen Freunden
Was Sie auch interessieren könnte...
Top 5  
Was Sie unbedingt lesen sollten
Top 5  
Meist kommentiert
Top 5  

In diesem Artikel erwähnt

Tour Kategorie  Premiumweg Deutsches Wandersiegel Einkehrmöglichkeit

Genießerpfad - Wasserfallsteig

  • Schwierigkeit
    mittel
  • Strecke
    12 km
  • Dauer
    4 h
  • Aufstieg
    423 m
  • Abstieg
    641 m
Weiter lesen...
comments powered by Disqus