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Hochschwarzwälder Bastelstube

Fackelschein, selbst gemacht!

Hochschwarzwälder Bastelstube: Fackeln sind mehr als nur eine Lichtquelle. Besonders faszinierend ist es, mit den lodernden Flammenstäben durch dunkle Winternächte zu streifen. Doch kann man Fackeln eigentlich selbst herstellen? Man kann! Patrick Kunkel hat es mit Freunden ausprobiert.

von  Patrick Kunkel , 09. September 2016
  

Die Gasfunzel an der niedrigen Holzdecke spendet bescheidenes Licht. Draußen legt sich das Halbdunkel über die Silhouette des Nadelwalds und auch drinnen in der Holzhütte, in der wir uns gegen Kälte und Wintersturm verschanzt haben, wird es zunehmend schummriger. Die alte Bretterbude liegt abgeschieden und einsam auf einer Lichtung mitten im Hochschwarzwald. Der Wind pfeift um die Ecken, Schneeregen prasselt gleichförmig gegen das Fensterglas und im Schwedenofen knistert es anheimelnd; zu dritt sitzen wir um den wuchtigen Holztisch: „Und jetzt?“, fragt Sven: „Was machen wir jetzt?“

Karten haben wir gespielt. Dann gelesen, ein bisschen geschwätzt und zusammen gekocht. Gegessen. Wieder gelesen. Geschlafen. „Lass' uns Fackeln basteln“, schlägt Andreas vor: „Und wenn es nicht mehr stürmt, machen wir damit eine kleine Nachtwanderung!“ Gute Idee. Aber geht das so einfach? Fackeln basteln? Es geht.

Nüchtern betrachtet ist eine Fackel ein mit einer brennbaren Schicht am oberen Ende versehener Stab, dessen Flamme hell leuchtet. Man kann zum Beispiel einen einfachen Holzstecken mit Wachsstreifen umwickeln und fertig ist die Selbstbau-Fackel! Etwas lyrischer gesehen steckt natürlich viel mehr in und hinter der Fackel: Sie erhellt das Dunkel und sorgt für romantische Lichtstimmung. Sie lodert, brennt, flackert - und verlischt. Eine nach unten gerichtete Fackel steht zum Beispiel für das erlöschende Leben, eine aufrechte dagegen bedeutet in der Symbolik der Aufklärung nichts Geringeres als Weisheit!

Sehr weise war es zum Beispiel von Andreas, vorher schon an lange, sich wie Kaugummi dehnende Stunden in der gemütlichen Stube gedacht zu haben. Grinsend zaubert er ein scharfes Taschenmesser und Blumendraht aus seinem Rucksack, fingert einen Beutel mit Wachsresten hervor und dazu ein großes Stück alten Stoffes. Im Holzschopf hinter der Hütte finden wir fünf ausreichend dicke Stecken. Und voilà: Das nötige Material für den Bau von Wachsfackeln hätten wir beisammen!

Alle Utensilien auf dem Tisch
Vom Blumendraht bis zum Stock, alles was man für den Fackelbau braucht!  -  © Patrick Kunkel

Der eigentliche Fackelbau ist ziemlich simpel:

Während Sven die Holzstecken in Form bringt und Andreas den Stoff in etwa 10 cm breite, ein Meter lange Streifen reißt, schmelze ich das Wachs in einem großen Einmachglas im Wasserbad auf der glühenden Platte des Holzherds. Ein alter Topf würde auch gehen, aber so sparen wir uns die Reinigung und das Glas wandert danach in den Container.

Wachs schmelzen
Das Wachs in heißem Wasser zum schmelzen bringen...  -  © Patrick Kunkel

Als nach einer Weile rosafarbenes, flüssiges Wachs im Glas schwappt, kann es losgehen!

Die Arbeitsfläche schützen wir mit altem Zeitungspapier vor Wachstropfen. Sven hält mit einer Hand den Holzstock und wickelt mit der anderen die Stoffstreifen gleichmäßig fest um dessen oberes Ende, während Andreas ganz vorsichtig etwas flüssiges Wachs über die Streifen gießt.

um den Stock wickeln
Die Lappen sorgfältig um den Stock wickeln...  -  © Patrick Kunkel

Nachdem diese erste Schicht etwas abgekühlt ist, kommt ein zweiter Streifen darüber. Zum Schluss taucht Sven die umwickelten Enden nochmal in das Glas mit dem flüssigen Wachs. Diese werden mit dem Blumendraht fixiert, damit sich später beim Abbrennen nichts löst.

mit Draht fixieren
Jetzt der Blumendraht: Mit ihm wird der wachsgetränkte Lappen fixiert.  -  © Patrick Kunkel

Man kann übrigens die Stoffstreifen auch vor dem Wickeln mit dem flüssigen Wachs tränken, dazu sollte man auf jeden Fall Handschuhe tragen. Während die Fackeln draußen vor der Hütte auskühlen, basteln wir aus alten Eierkartons Handschützer, schließlich brennen selbst gebaute Wachsfackeln nicht nur hell, sondern tropfen auch stark!

die fertigen Fackeln
Die selbstgemachten Fackeln kühlen draußen ab, der Tropfschutz aus Eierkartons schützt später die Hände.  -  © Patrick Kunkel

Draußen ist es inzwischen endgültig dunkel geworden und der Schneeregen hat sich gelegt. Mit den Fackeln in der Hand stapfen wir durch den nassen Schnee. Unser bescheidener Fackelzug über verschneite Lichtungen funkelt aus der Ferne gesehen wie ein Irrlicht. Die Fackeln strahlen ein warmes Licht aus, aber sie erhellen nur einen kleinen Kreis um uns herum. Wir genießen die einsam-romantische Stimmung im dunklen Winterwald, doch länger als eine halbe Stunde halten unsere Selbstbaufackeln nicht durch. Doch das ist genau richtig so: Verfroren und froh stapfen wir zurück zur Hütte und wärmen uns am heißen Ofen auf. „Was basteln wir jetzt?“, frage ich . . .

Mit Fackel draußen
Das Licht der Fackeln ist warm, aber erhellt nur einen kleinen Kreis um ihren Träger.  -  © Patrick Kunkel

Zum Fackelbau braucht man:

  • Mehrere dicke Stöcke
  • Alte Stoffreste in Streifen
  • Reste von Wachskerzen und Teelichtern
  • Topf oder Glas zum Schmelzen des Wachses
  • Eierkarton als Handschutz
  • Taschenmesser oder Schere
  • Draht oder Baumwollfaden

Gut zu wissen

Der Umgang mit Fackeln

  • Kinder sollten Fackelwanderungen nur unter Aufsicht ihrer Eltern unternehmen
  • Die Fackeln sollten dabei schräg vom Körper (und leicht entzündlicher Outdoorkleidung) weggehalten werden um Verbrennungen durch herunter tropfendes Wachs zu vermeiden.
  • Wachsfackeln brennen hell und sind nur schwer zu löschen
  • Darauf achten, dass die Fackeln vollständig abbrennen und nicht weiterglimmen
  • Reste mit Wachs und Draht im Müll entsorgen, nicht in der Landschaft

Vorsicht, Feuer!

  • Im Wald gilt besondere Vorsicht beim Hantieren mit Feuer – auch Fackeln oder Kerzen gelten als offenes Feuer!
  • Feuer darf nie unbeaufsichtigt brennen, unabhängig von seiner Größe
  • Das Feuer muss mindestens 100 Meter vom Wald entfernt sein. Fackelwanderungen durch den Wald sind nur mit vorheriger försterlicher Genehmigung erlaubt und bei Waldbrandgefahr gänzlich verboten
  • Es sollte immer etwas zum Löschen bereit stehen.

Über den Autor

Patrick Kunkel ist Reisejournalist aus Freiburg im Breisgau. Am liebsten erkundet er die Welt mit dem Fahrrad oder mit Wanderschuhen an den Füßen. Er lebt und arbeitet derzeit in Bilbao, Nordspanien und reist von dort regelmäßig in seine Lieblingsregion – den Schwarzwald. Folgen Sie Patrick auf Google+

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