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Uhrenausstellung

Uhrenausstellung in Eisenbach

Von allen Schwarzwaldgemeinden, in denen Uhren gefertigt wurden, hatte Eisenbach im Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Uhrenmacher. Im Jahr 1808 kamen in Eisenbach auf 7 männliche Einwohner, Kinder mit eingerechnet, 4 Uhrenmacher, Taschenuhrenmacher, Uhrengestellmacher, Uhrenschildmacher, Schildmaler, Uhrenräderdreher, Kettenmacher, Uhrenzeigermacher und Uhrenhändler. Kein Wunder, wenn im 19. Jahrhundert die Uhrenmacherei die Haupterwerbsquelle bildete. Es profitierten insbesondere die Ortsteile Eisenbach, Oberbränd und Schollach davon, während in Bubenbach die Glasbläserei zu Hause war. Dennoch taten sich in Bubenbach die Gebrüder Schwarz als Holzschnitzer und Lieferanten der Schilder für die Beha-Kuckucksuhren hervor. Schriftliche Vorlagen, wie sie sich heute noch im Besitz der Familien Benny und Urban Schwarz, Bubenbach, befinden, erinnern an jene Zeit. Sie wurden erstmals anlässlich der Beha-Kuckucksuhren-Ausstellung 1995 gezeigt, die als Besucher-Magnet wirkte. Etwa 2000 interessierte Uhren-Liebhaber kamen nach Eisenbach in die Heimatstube "gepilgert", um Zeugen der Vielseitigkeit der Eisenbacher Kuckucksuhrmacher zu werden.So wird in der ständigen “Eisenbacher Ausstellung” sichtbar, dass gerade die Beha-Kuckucksuhren den Löwenanteil der Sammlung ausmachen. Johann Baptist Beha, Uhrmacher mit einfacher Schulbildung, gelang es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein erfolgreiches Familien-Unternehmen zu gründen. Zusammen mit seinen Söhnen baute er hochwertige Kuckucksuhren in zahlreichen Variationen. So sind mehr als die Hälfte der 110 gezeigten Uhren Beha-Kuckucksuhren. Es wird dokumentiert und demonstriert, dass der Name Beha für alte Qualitäts-Kuckucksuhren bürgt und steht; Uhren, die sogar "fabrikmäßig" ergestellt worden sind. Ein alter Uhrenkatalog weist darauf hin und gibt darüber Aufschluss.

Die Sammlung stellt einen Querschnitt vom Schaffen der Behas dar, deren 1905 erbautes und unter Denkmalschutz stehendes Haus in den Harzerhäusern in Eisenbach mit der noch vollkommen eingerichteten Werkstatt einem "Museum" gleicht. Hier lebte bis zuletzt noch Feinmechaniker und Uhrmacher Franz Beha, der als Autodidakt bis ins hohe Alter an der Drehbank arbeitete und selbst Holz-Zahnräder anfertigte, so wie es vor ihm seine berühmten Vorfahren taten, ehe er am 29. Mai 2001 im hohen Alter von 94 Jahren verstarb. Franz Beha, war es, der der Gemeinde Eisenbach testamentarisch "seine" Beha-Kuckucks-Uhren vermachte. Sein Bild und die Darstellung der gesamten Beha-Dynastie schmücken die Heimatstube. Was wäre die Ausstellung aber ohne die Beha-Kuckucksuhren von "Uhr-Großvater" Rolf Wursthorn?Rolf Wursthorn, Senior-Chef des Hotels "Bad" und Begründer der Internationalen Eisenbacher Uhrenbörse, sammelte solche Uhren über Jahre hinweg und stellte sie Anfang 2001 auf die Dauer von 25 Jahren der Gemeinde Eisenbach als Leihgaben zur Verfügung. Sie verkörpern die “Prunkstücke” der Ausstellung. So bringt beispielsweise ein am Seil ziehender Kapuzinermönch eine Uhr zum schlagen. Andere Uhren "beherbergen" Kuckuck und Wachtel in einem Gehäuse und sind teilweise mit Spielwerken ausgestattet, die bis zu sechs verschiedene Melodien erklingen lassen können. Die Formen und Variationen der Gehäuse sind dabei ebenso Raritäten. Sie reichen vom obligatorischen Bahnhäusle über Tischkuckucksuhren in Biedermeierform und Uhren mit Majolika-Zifferblatt bis zu kunstvoll geschnitzten Tischkuckucksuhren im Stil der Neogotik mit Resonanzboden und reichem Innenleben.Leider enthält die Sammlung keine der von Johann Baptist Beha für seine Kinder gefertigten "Hochzeituhren". Diese befinden sich außerhalb der Gemeinde in Privatbesitz. Dafür ist aber eine von Johann Baptist Beha 1860 gefertigte Wanduhr in der Gemeinde geblieben. Sie kann im Hotel "Bad" in Eisenbach bewundert werden. Es handelt sich um eine heute noch genau gehende Weltzeituhr, deren Kompensationspendel ein Gewicht von fast eineinhalb Zentner hat und vom Gastraum in das darüber liegende Stockwerk ragt.

Zwei weitere Eisenbacher Uhrmacher spezialisierten sich ebenfalls auf besondere Uhren. Josef Höfler entwickelte 1905 eine regelrechte Kunst-Uhr. Sie wog 15 Zentner und nahm einen Raum von sieben Kubikmeter ein. Sie zeigt die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre und Schaltjahre bis zum Jahr 9999 an und umfasst 122 bewegliche Figuren, die alle 16 Zentimeter hoch sind. Diese Uhr wurde 1918 zufällig von Karl Straub aus Eisenbach in Melbourne/Australien auf einer Ausstellung gesehen. Der heutige Verbleib ist bedauerlicherweise unbekannt. Dafür hat eine andere Höfler-Uhr im Eisenbacher Uhrenmuseum Einzug gehalten: eine "Kirchturmuhr", die viele Jahre unter dem Dach der Schlosskirche Friedenweiler "schlummerte" und die vom Pfarrgemeinderat Friedenweiler mit Pfarrer Werner Lederer der Gemeinde Eisenbach als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde.

Ein seltenes Stück von Uhrmacher Rupert Maurer ziert das Bürgermeister-Zimmer im Eisenbacher Rathaus. Es handelt sich um einen übergrossen Regulator, dessen Zifferblatt erkennen lässt, dass es sich um eine Stiftung für die Eisenbacher Schule aus dem Jahr 1868 handelt. Diese Kostbarkeit ist mit einem Kompensationspendel ausgestattet und leistet noch heute treue Dienste.

Aus einem umfang- und aufschlussreichen Werk über die Uhrmacherei in der Gemeinde Eisenbach ("Auf dem hohen Walde", erschienen 1991 im Eigenverlag der Gemeinde Eisenbach) wird deutlich, dass Eisenbach auch Heimat von Lackschilder-Uhren war. Solche sind in der Wolfwinkelhalle in Hülle und Fülle vorhanden; auch einige Schwarzwälder Rahmenuhren und "Jockele-Porzellan-Ührchen". Die Gemeinde hat immer wieder Geld "auf die hohe Kante" gelegt und selbst kostbare Stücke erworben. Dazu gesellt sich eine Privatsammlung von Rudolf Zimber-Morat. Der frühere Chef der Firma IMS Morat Söhne GmbH vermachte kurz vor seinem Tode (gestorben am 1. August 1994) seine dreizehn Uhren der Gemeinde Eisenbach – gewissermaßen in der Erkenntnis, dass die heutige feinmechanische Industrie mit 1.400 Arbeitsplätzen aus der Uhrmacherei hervorgegangen ist. Heute werden in der Eisenbacher Industrie nur noch Teile für Uhren hergestellt; so Pendel, Zeiger und Gewichte.Zu einer ganz anderen Richtung von Uhren hat Thomas Hogg, Eisenbach, beigetragen. Sein Eisenbacher Betrieb fertigte früher Zifferblätter für die so genannten "Monduhren". Das von Hand angefertigte Zifferblatt, das bis zu einer Breite von 51 Zentimeter reichte, stellte die einzelnen Mondphasen dar. Eine Auswahl solcher "made in Eisenbach" von Hand gearbeiteten Zifferblätter sind in der Heimatstube in Vitrinen zu sehen (zur Verfügung gestellt von Fridolin und Helga Willmann). Dagegen wird auch eine wegen ihres starken Klanges besonders beachtete gut funktionierende Original-Mond-Uhr im Gasthaus "Bären-Blessinghof" in Schollach (an der L 172 gelegen) angetroffen. Übrigens gibt es Monduhren als Standuhren auch heute noch. Die Firma Selva, Trossingen, bietet solche mit maschinell hergestellten Mondzifferblättern an.Einen breiten Raum in der Ausstellung nehmen die Uhrmacher-Werkzeuge ein. Alles, was Uhrmacher früher zur Uhren-Herstellung benötigten, ist hier in Schränken hinter Glas zu finden. Zu den Kostbarkeiten gehören originale Zahnstühle, wie sie zur Anfertigung von Zahnrädern verwendet worden sind. Als Leihgaben sind sie erfreulicherweise in die Ausstellung "gewandert"; so auch eine Maschine zur Nachbearbeitung von Zahnrädern, durch die die zeitliche Entwicklung der Uhrmacherei wirkungsvoll aufgezeigt werden kann. Und dass Wissen und Kenntnisse keinem Uhrmacher in den Schoss gefallen sind, macht ein handgeschriebenes Buch über die Konstruktionslehre deutlich. Dieses Buch stammt aus der Uhrenmacherschule in Furtwangen. Ein alter Feinmechaniker hat es der Gemeinde für die interessierte Nachwelt zur Verfügung gestellt.

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