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Die Geschichte der Schwarzwälder Kirschtorte

Wie so oft ist Geschichte nicht immer eindeutig und vor allem belegbar. So ist es auch bei der Schwarzwälder Kirschtorte.

Die Geschichte des Namens

Aktuell gibt es drei ernstzunehmende Versionen, die aber alle nicht mit schriftlichen Belegen sondern auf Indizien und mündlichen Überlieferungen beruhen. Drei Theorien zur Herkunft des Namen existieren:

  • Erstens könnte der schwarze Schokoladenraspelbelag zu dem Namen geführt haben, da dieser an einen Schwarzen Wald erinnert.
  • Zweitens könnte die Zutat Kirschwasser zum Namen geführt haben, da dieses vor allem im Schwarzwald hergestellt wird.
  • Drittens gibt es einen möglichen Vorgänger namens "Schwarzwaldtorte", der jedoch vermutlich nicht aus dem Schwarzwald stammt. Es scheint jedoch sicher, dass die heute übliche Form der Torte so nicht im Schwarzwald entwickelt wurde.

Möglich, aber wenig wahrscheinlich ist auch, dass sich der Name der Torte an die bekannte Frauentracht aus dem Schwarzwald anlehnt: das Kleid ist schwarz wie die Schokostreusel, die Bluse weiss wie die Sahne und der Bollenhut besteht aus einem weissen Untergrund mit roten Kugeln, die stark an die Kirschen erinnern.

Wer hat die Schwarzwälder Kirschtorte erfunden?

Die Schwarzwälder sind natürlich sicher, dass sie irgendwo auf den Hügeln des schwarzen Waldes kreiert wurde. Hier wachsen die köstlichen Schwarzwaldkirschen, aus denen auch das wunderbare Schwarzwälder Kirschwasser hergestellt wird. Die Kombination Kirschen, Rahm und Kirschwasser war schon früh im Südschwarzwald bekannt, jedoch nicht in Form einer Torte sondern als Dessert. Eingekochte Kirschen wurden mit Rahm serviert, gelegentlich unter Zugabe von Kirschwasser. Da hat noch jemand noch einen dunklen Biskuitboden übrig und schon ist sie erfunden - die Göttin in Weiß, Rot und Schwarz.

Die vermutlich aus der Schweiz stammende Schwarzwaldtorte könnte ebenso ein Vorläufer gewesen sein. Sie wurde aus Biskuit, Kirschen und Nüssen hergestellt, oft auch in Kombination mit Rahm, jedoch ohne Kirschwasser. Vielleicht also ein Produkt guter grenzüberschreitender Verständigung?

Der Konditor Josef Keller (1887-1981) behauptete, die Torte 1915 im damaligen Prominentencafé Agner in Bad Godesberg (heute: Bonn-Bad Godesberg) erfunden zu haben. Dies lässt sich jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen. Auch scheint auch dies eher ein Vorläufer gewesen zu sein, da seine Torte nur eine Lage und einen Mürbeteig besaß; Keller besteht aber darauf, dass er die Kombination Kirsch-Sahne-Schokolade, sowie das Aromatisieren der Sahne mit Kirschwasser erfunden habe.

Nach den bisherigen Recherchen des Tübinger Stadtarchivars Udo Rauch weisen zunehmend mehr Indizien darauf hin, dass der Tübinger Konditormeister Erwin Hildenbrand die Schwarzwälder Kirschtorte im Frühjahr 1930 im Café Walz in Tübingen erfunden hat. Seine Recherchen ergaben, dass Hildenbrand in den 1920-er Jahren im Schwarzwald gearbeitet (Furtwangen und Freudenstadt) hat. Außerdem existiert ein handschriftlich datiertes Foto von 1936, das den Konditormeister zeigt, wie er eine Schwarzwälder Kirschtorte herstellt.

Bislang sind jedoch weder für den einen noch gegen den anderen eindeutige Beweise öffentlich geworden.

1934 wurde die Schwarzwälder Kirschtorte erstmals schriftlich erwähnt ("250 Konditorei - Spezialitäten und wie sie entstehen" von J.M. Erich Weber, Dresden 1934). Zu dieser Zeit wurde sie vor allem in Berlin, sowie in den guten Konditoreien deutscher, österreichischer und schweizer Großstädten bekannt. 1949 war sie gerade mal auf Platz 13 der bekanntesten Torten in Deutschland. Danach entwickelte sich jedoch ihr Bekanntheitsgrad rasant. Sie ist heute die bekannteste und beliebteste Torte Deutschlands und praktisch überall auf der Welt bekannt. Jedoch werden in vielen Ländern zumindest einzelne Komponenten durch ortsüblichere ersetzt, oder der Alkohol wird weggelassen.

Den Gourmet interessiert der Streit hinter den Schlaraffenbergen vermutlich wenig – der Kenner genießt und schweigt!

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