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Luv, Lee, Schnee – Snowkiten auf dem Feldberg Es regiert die Leichtigkeit des Seins

Der Himmel über dem Feldberg hängt voll bunter Drachen. Wie die so dahin gleiten! Von einer unsichtbaren Schnur gezogen surfen sie über ein Meer aus Pulverschnee.

von Birgit-Cathrin Duval, 17. Mai 2013

Es regiert die Leichtigkeit des Seins: Könner lassen sich von ihren Lenkdrachen meterhoch in die Luft katapultieren.
Es regiert die Leichtigkeit des Seins: Könner lassen sich von ihren Lenkdrachen meterhoch in die Luft katapultieren. - © Birgit-Cathrin Duval

Auf der Hochebene, abseits der Skipiste, zwischen Seebuck und Feldberg, liegt – an windigen Tagen – das Revier der Snowkiter. Es regiert die Leichtigkeit des Seins: Könner lassen sich von ihren Lenkdrachen meterhoch in die Luft katapultieren. Snowkiten – eine Mischung aus Skifahren, Surfen und Fliegen – gewinnt immer mehr begeisterte Anhänger.

Powerzone und Anströmwinkel, Windfenster - kapiert?

„Schieb die Bar nach vorne, schieb die Bar nach vorne!“ Noch bevor ich in den Genuss des eleganten Dahingleitens komme, beiße ich in den Schnee. Wie ein wild gewordener Hengst reißt mich der Lenkdrachen zu Boden. Luv, Lee, Powerzone, Anströmwinkel, Windfenster – all die Begriffe, die wir gestern in der Theorie gelernt haben, schwirren mir jetzt im Kopf herum, während ich mich benommen aus dem Schnee aufrapple. Skifahren ist das eine, einen Lenkdrachen zu steuern das andere. Beides zusammen stellt meine Koordinationsfähigkeit auf eine harte Probe. Mit der „Bar“ ist die Lenkstange gemeint, an der die filigranen, rund 25 Meter langen Schnüre des Lenkdrachens, dem so genannten Kite, zusammenlaufen. Sie ist mittels „Chicken Loop,“ einem Haken, in meinen Haltegurt eingeklinkt, der einem Klettergurt ähnelt.

Chris stapft durch den Schnee und erklärt, weshalb mich der Kite von den Füßen gerissen hat. Statt die Lenkstange nach oben zu schieben und mit sanften Bewegungen auf den Wind zu reagieren, habe ich völlig verkrampft und unkontrolliert an den Leinen gerissen. 

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„Beim Lenken an Kung Fu denken – Hände vom Körper weg und geschmeidig nach vorne und hinten bewegen.“

" Chris Volk

Noch bestimme nicht ich, sondern der Wind wohin der Kite mich trägt. Direkt in die Powerzone – dorthin, wo die Windkraft am stärksten ist und mich meterweit unkontrolliert durch den Schnee mitschleift. Wer die Kraft des Windes erlebt, bekommt neuen Respekt vor den Elementen. Um das, und viele andere Fehler zu vermeiden, sollte man das Snowkiten von Grund auf Erlernen – am besten in einer Kite-Schule.

Noch bestimme nicht ich, sondern der Wind wohin der Kite mich trägt.
Noch bestimme nicht ich, sondern der Wind wohin der Kite mich trägt. - © Birgit-Cathrin Duval

Während der Trockenübungen am Vormittag mit dem kleineren Übungsdrachen gelingt es mir, eine Acht am Himmel zu ziehen, den Kite am Windrand zu parken und ihn erneut in die Windzone aufsteigen lassen. Doch nachmittags auf Skier ist alles Können vom Vormittag vom Winde verweht. 

Sicherheit geht vor

Vor sechs Jahren startete Chris Volk seine Snowkite-Schule „Skywalker“. Damals waren es grade mal eine handvoll Snowkiter, die sich verwegen auf dem Feldberg mit dem Wind bewegten. Als 27-Jähriger Student entdeckte er den Kitesport in Australien. Da ist es um ein paar Grad wärmer als auf dem Feldberg: Dort kitet man im Meer auf den Wellen. Fasniziert von der Möglichkeit, den Sport auch im Winter auszuüben und anderen beizubringen, eröffnete der Skilehrer seine Snowkite-Schule. Außerdem ist Chris lizenzierter Snowkite-Lehrer der KSA, einem internationalen Dachverband der Kitesportler, der sich für eine solide Ausbildung stark macht.

Sicherheit steht bei Chris an erster Stelle. Ein Sturzhelm ist vorgeschrieben. Nicht nur wegen Stürzen, sondern auch um gegen eventuelle Abstürze der Kites geschützt zu sein. Wer erlebt, mit welcher Wucht die bis zu zehn Quadratmeter großen Drachen bei falscher Handhabung auf den Boden aufschlagen, weiß weshalb.

Thomas schafft sogar seinen ersten kleinen Hüpfer und schwebt auf Wolke Sieben.
Thomas schafft sogar seinen ersten kleinen Hüpfer und schwebt auf Wolke Sieben.  - © Birgit-Cathrin Duval

In den Vormittagsstunden pfeift der Wind so stürmisch über die Hochebene des 1493 Meter hohen Feldberggipfels, dass wir Anfänger mit unseren kleinen Übungsdrachen alle Mühe haben, nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Vor dem Start müssen alle Schnüre gerichtet sein. Einfacher gesagt als getan. Und immer schön auf den Wind achten. Denn der spielt die Hauptrolle und ohne ihn geht gar nichts. Inzwischen verständigen wir uns in der Fachsprache und sprechen von Luv, der Richtung aus der der Wind kommt und Lee, der Wind abgewandten Seite.

Übung macht den Kiter

Gegen Mittag legt sich der Wind und Chris lässt uns zum ersten Mal auf den Skiern starten. Thomas macht den Anfang. Der Laborant aus Basel hat vor zwei Jahren mit dem Kite-Surfen begonnen. Die Erfahrung auf dem Wasser spielt sich auf dem Feldberg aus. Langsam richtet er mit Hilfe von Chris den Kite auf, stellt ihn auf Position, stemmt sich gegen den Wind und mit einem Ruck geht es los. Nach dreißig Metern zieht er an der Bar, wendet und kommt zurück. Thomas schafft sogar seinen ersten kleinen Hüpfer und schwebt auf Wolke Sieben. Deswegen ist er gekommen: „Ich will unbedingt Springen lernen.“ Ihn begeistert das Zusammenspiel der Elemente, die unvermittelte Kraft und - nach Kitesurfen, Telemark und Snowboarding - „mal wieder etwas Neues auszuprobieren.“ Ein Kite will er sich noch heute kaufen und nächste Woche erneut in den Schwarzwald fahren, um weiter an seiner Technik zu feilen.

Gut zu wissen

Wer Snowkiten lernen will, sollte natürlich Skifahren können und mindestens 14 Jahre alt sein. Allerdings darf man nicht mit der Vorstellung am Kurs teilnehmen, nach zwei Tagen ein perfekter Snowkiter zu sein. Denn wie bei allen anderen Disziplinen auch, macht erst die Übung den Meister. Der Kurs der Snowkite-Schule Skywalker vermittelt solide theoretische Grundlagen, erklärt, worauf es bei der Ausrüstung ankommt und führt Anfänger Schritt für Schritt an die Technik heran, bevor erste Versuche auf den Skiern stattfinden. Absolventen des 2-Tages-Kurses können eine Prüfung ablegen. Die damit erworbene Lizenz berechtigt sie, bei der Skywalker-Schule und anderen KSA-Schulen eine Kite-Ausrüstung auszuleihen.

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