translate translate

Mit einer Brise Aloha übers Wasser gleiten Stand Up Paddling unter Tannen

Auf dem Feldbergpass trommelt der Regen auf die Windschutzscheibe wie Dantes Inferno. Was soll’s, nass werde ich heute sowieso. Statt Wandern geht es heute aufs Wasser. Wenn schon nass werden, dann richtig.

von Birgit-Cathrin Duval, 27. Juni 2013

Raphael schiebt sein Board in den See, ist mit einem geschmeidigen Sprung auf den Beinen und mit wenigen Paddelschlägen 15 Meter vom Ufer entfernt.
Raphael schiebt sein Board in den See, ist mit einem geschmeidigen Sprung auf den Beinen und mit wenigen Paddelschlägen 15 Meter vom Ufer entfernt. - © Birgit-Cathrin Duval

Stand Up Paddling (SUP) heißt der neue Wassersporttrend, bei dem man sich auf einem Surfboard ohne Segel mit einem langen Stechpaddel fortbewegt. Stehpaddeln erinnert mich an Waikiki Beach, Sonne, Strand und Palmen. Aber das Geniale am Stehpaddeln ist, dass man nicht gleich nach Hawaii fliegen muss. Schluchsee geht auch. Aloha-Feeling im Schwarzwald, Tannen statt Palmen.

Keine Modesport, sondern uralt

Am Schluchsee werde ich bereits erwartet. Raphael Kuner ist Spezialist, wenn es um Wassersport geht. Egal ob Kanu, Kajak oder eben „Suppen“ wie die Anhänger des Stand Up Paddlings ihren Sport nennen. Mit seiner Firma RaffTaff hat er sich ganz dem Element Wasser verschrieben. SUP, so erklärt mir Raphael sei keine erfundene Spaß-Hype-Aktion aus den USA, sondern sehr alt. Wo es genau erfunden wurde, weiß man nicht, nur, dass es früher bereits von Fischern verwendet wurde. In den 70er, 80er Jahren haben Surflehrer darauf zurückgegriffen, die damit ihre Schützlinge besser im Blick hatten.

Stand Up Paddling heißt der neue Wassersporttrend, bei dem man sich auf einem Surfboard mit einem Stechpaddel fortbewegt.
Stand Up Paddling heißt der neue Wassersporttrend, bei dem man sich auf einem Surfboard mit einem Stechpaddel fortbewegt.  - © Birgit-Cathrin Duval
"

„Für uns als Kanuschule war es völlig logisch, dass wir nicht nur kniend oder sitzend paddeln, sondern auch stehend“.

" Raphael Kuner

Raphael packt das zusammengefaltete Board aus der Tasche und pumpt es auf, bis es steif und fest ist. Die aufblasbaren Stand Up Paddle-Boards wiegen zwischen acht und 15 Kilogramm. Verpackt lassen sie sich gut transportieren, man braucht keinen Anhänger oder Dachständer. Raphael reicht mir einen Trockenanzug, den ich über meine Kleidung ziehe und in dem ich aussehe wie eine Mischung aus Müllmann und Straßenarbeiter. Über die Füße ziehe ich Neoprensocken. Hermetisch abgeriegelt kann mir weder Regen noch Schluchsee etwas anhaben.

Elegant geht anders, aber ich stehe auf dem Board!

Ich bin wild entschlossen, auf dem Brett zu bleiben. Für mich, die eine Wassertemperatur erst ab 22 Grad erträglich findet, kommt ein Sturz in 13 Grad kaltes Wasser nicht in Frage. Als letzten und wichtigsten Ausrüstungsgegenstand ziehe ich mir eine Rettungsweste über. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.

Raphael schiebt sein Board in den See, ist mit einem geschmeidigen Sprung auf den Beinen und mit wenigen Paddelschlägen 15 Meter vom Ufer entfernt. Vorsichtig patsche ich in meinen Neoprensocken in den Schluchsee und schiebe das SUP-Board in knietiefes Wasser, damit die Finne, die das Brett im Wasser in der Spur hält, nicht abbricht. Mit einem Hopser bugsiere ich mich mit den Knien aufs Board. Elegant sieht das sicher nicht aus, aber ich bin auf das Brett gekommen.

Erinnerungen werden wach wie ich damals als Kind im Rhein auf meine Luftmatratze hüpfte. Das Bord kippelt ein wenig hin und her. Auf Knien bewältige ich meine ersten Paddelschläge. „Das ist ja einfach“, denke ich und genieße das stille Dahingleiten auf dem Board. „Jeder, der aufrecht stehen kann, kann auch „Suppen“, ruft mir Raphael zu.

Das Herumschippern auf Knien ist kinderleicht, aber jetzt wird’s ernst. In der Mitte des Boards kniend, muss ich das Aufstehen üben. Ich lege das Paddel quer vor mich, stoße mich mit beiden Händen ab und lande mit den Füßen auf dem Board. Das Brett schwankt wie eine Nussschale bei Wellengang auf hoher See. Anders als beim Windsurfen steht man beim Stand Up Paddling mit den Füßen parallel auf dem Board. 

Haltung bewahren, Frau Duval!

„Gleich passiert’s, ich gehe von achtern über Bord.“ Inständig hoffe ich, dass ich keinen Kälteschock bekomme. Doch das Brett wirft mich nicht ab. Ich stehe. Immer noch auf dem Brett. Wahnsinn, was für ein Gefühl. Vorsichtig berichtige ich, das Paddel in der Hand, meine Haltung und versuche die Mitte zu finden. „Ein kleines Stück nach hinten“, korrigiert mich Raphael. Ich setze einen Fuß nach hinten, mein Brett quittiert die Gewichtsverlagerung sofort mit heftigem Schaukeln. Schnell ziehe ich den rechten Fuß nach und bringe mich wieder ins Gleichgewicht. Das SUP-Brett wird augenblicklich ruhiger, bis es still auf dem Wasser liegt. Es dauert nicht lange und meine Haltung entspannt sich und mein Kopf wird frei. Ein herrlich entspannendes Gefühl stellt sich ein.

Mit meiner Haltung kann ich ganz sicher nicht punkten, aber das ist mir erst einmal egal. Das Paddel tauche ich vorne ins Wasser und ziehe es entlang des so genannten Rails, also direkt am Brett entlang. Raphael zeigt mir, wie ich eine Kurve paddle: Paddel vorne einstechen und es bogenförmig zum Heck zurückziehen.

Es dauert nicht lange und meine Haltung entspannt sich und mein Kopf wird frei.
Es dauert nicht lange und meine Haltung entspannt sich und mein Kopf wird frei. - © Birgit-Cathrin Duval

Die Amalienbucht ist wie ausgestorben. Gut für mich Anfängerin. Der See ist spiegelglatt. Nur Raphael und ich gleiten über das Wasser. „Suppen“ ist echtes Ganzkörpertraining. Von den Zehen, über die Füße, Waden, Bauchmuskeln, Rücken, Arme – jeder Körperteil ist gefordert.

Es dauert nicht lange und meine Haltung entspannt sich und mein Kopf wird frei. Ein herrlich entspannendes Gefühl stellt sich ein. Da stehe ich auf dem Schluchsee, gucke auf den Tannenwald. Jetzt verstehe ich diese Faszination fürs Stand Up Paddling: Es ist der Wechsel der Perspektive. Auf dem Brett stehend fühlt sich so an, als würde ich übers Wasser gehen. Ich erlebe eine bislang unbekannte Freiheit, die mir auch Raphael bestätigt: „Nach einem harten Tag im Büro eine Stunde „Suppen“ und du bist ein anderer Mensch.“

Und wenn der Sommer da ist, klappt das auch mit dem Aloha-Feeling im Schwarzwald. Bis dahin werde ich im Trockenanzug weiter an meiner Haltung feilen. 

Gut zu wissen

Stand Up Paddling beim Raff Taff Camp am Schluchsee: Basiskurs (3 Stunden) inklusive Board, Paddel und Schwimmweste

Merken

zum nächsten Reisebericht

loader
loader
Hochschwarzwald Tourismus Feedback Feedback geben