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Mördern ist das Wetter wurscht Eine mörderische Krimiwanderung durch die Ravennaschlucht

Meine Güte, was ist das für ein Wetter heute. Die Wolken hängen wie Grabsteine vom Himmel, statt eitel Sonnenschein graupelt es düster. Frühling sieht anders aus. Aber deswegen sind wir ja nicht hier. Wir haben einen Mordfall zu klären. Und Mördern ist das Wetter wurscht.

von Barbara Bollwahn, 22. Mai 2013

Wir lernen unseren Chef der „Soko Hochschwarzwald“ kennen: Klaus Millmeier, seines Zeichens Schauspieler und Naturparkführer.
Wir lernen unseren Chef der „Soko Hochschwarzwald“ kennen: Klaus Millmeier, seines Zeichens Schauspieler und Naturparkführer. - © Birgit-Cathrin Duval

Meine Mordfälle habe ich bisher gemütlich von der Couch aus gelöst. Sonntags, ab 20.15 Uhr zur Prime Time. Heute ist Crime-Time angesagt. Am Tatort sein, statt Tatort-Gucken. Doch da muss ich erstmal hinkommen. Wer Mordfälle klären will, muss Opfer bringen. Am frühen Morgen raus aus den Federn. Anders als meine TV-Kollegen habe ich keinen Assistenten, der mir einen frisch gebrühten Kaffee reicht. Auf dem Weg zum Tatort Hinterzarten überrascht mich der erste Platzregen. Mir wird schlagartig bewusst, dass ich heute öfters im Regen als im Dunkeln tappen werde. Die Regenhose! Liegt zu Hause auf der Couch. Mist.

Kripoarbeit: Nicht gerade glamourös!

Am Kurhaus haben sich einige Unerschrockene eingefunden. Allesamt keine Anfänger, stelle ich fest. Gerüstet mit Goretex-Wanderschuhen, Regenponchos- und Hosen stellen sie sich Mordfall und Wetter. Wir lernen unseren Chef der „Soko Hochschwarzwald“ kennen: Klaus Millmeier, seines Zeichens Schauspieler und Naturparkführer. Ein netter Chef. Zum Arbeitsbeginn serviert er uns Sekt aus dem Kofferraum. Und dann das: Der Regen geht in Graupel über. Saukalt ist es. 6 Grad. Wenn Lena Odenthal, Klara Blum oder Charlotte Lindholm im Regen stehen, ist nach spätestens fünf Sekunden Schnitt. In der nächsten Szene sitzt die Frisur und die Klamotten sind trocken. Seit einer halben Stunde marschieren wir und ich bin pitschnass. Ein bisschen glamouröser hatte ich mir die Kripoarbeit allerdings vorgestellt. Aber das ist eben der Unterschied vom Fernsehkrimi zum echten Leben.

Immer wieder steigen wir über Leitern und Stege, steigen über felsige Pfade dicht am tosenden Wasserfall vorbei.
Immer wieder steigen wir über Leitern und Stege, steigen über felsige Pfade dicht am tosenden Wasserfall vorbei. - © Birgit-Cathrin Duval

Wir haben einen Mordfall zu klären. Eine grausige Tat, geschehen im beschaulichen Land der Bollenhüte und Schwarzwälder Kirschtorten, so grausam, dass sie eine ganze Region in Angst und Schrecken versetzte. Unsere Aufgabe besteht darin, zu ermitteln, wie die Polizei damals den oder die Täter überführen konnte. Zunächst müssen wir erst ermitteln, wann sich der Mord ereignete und wer der Täter war. Noch bevor wir Hinterzarten verlassen, finden sich erste Indizien. Eine Getränkeflasche, die aus der Zeit des Mordfalls stammt. Der Haken eines Kleiderbügels. Ein Kruzifix. Ein Geldbeutel. War es ein Mord aus Geldgier? Ein Racheakt aus Eifersucht? War der Täter ein Mann oder eine Frau? Über die Identität des Opfers können wir zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nur spekulieren. Der Chef gibt sich wortkarg und überlässt uns die Recherchen.

Schritt für Schritt kommen wir dem Täter auf die Spur. Klaus Millmeier holt neue Indizien aus seinem Rucksack und berichtet weitere Einzelheiten über den spektakulären Mordfall. Das Puzzle fügt sich Stück für Stück zu einem Bild.

Unsere Ermittlertruppe „Hochschwarzwald“ trotzt wild entschlossen den Elementen. Beim Einstieg in die Ravennaschlucht begegnen uns zwei ältere Spaziergängerinnen. Wir befragen sie nach dem Mordfall. Kopfschütteln. „Ich bin eine Reingeschmeckte“ meint die eine, die andere lebt in Norddeutschland und weiß von nichts.

Wir haben einen Mordfall zu klären. Eine grausige Tat, geschehen im beschaulichen Land der Bollenhüte und Schwarzwälder Kirschtorten.
Wir haben einen Mordfall zu klären. Eine grausige Tat, geschehen im beschaulichen Land der Bollenhüte und Schwarzwälder Kirschtorten. - © Birgit-Cathrin Duval

Hilft uns alles nicht weiter. Also weiter, dem Rauschen nach. Die wilde Ravenna tobt mit archaischer Kraft durch die enge felsige Schlucht. Immer wieder steigen wir über Leitern und Stege, steigen über felsige Pfade dicht am tosenden Wasserfall vorbei. Die Szenerie erinnert mich an einen alten Luis Trenker Film, im dem sich zwei Freunde bis aufs Blut bekämpfen. Ein idealer Tatort: Ein Sturz von der Leiter in den Wasserfall ist eine todsichere Angelegenheit. Eine heimtückische Attacke muss ich nicht befürchten, dennoch höllisch aufpassen: Die nassen, glitschigen Wurzeln und Holzsteigen entpuppen sich als wahre Stolperfallen.

Plötzlich stoppt Chefermittler Klaus, beugt sich und zupft einige grüne Blätter vom Waldboden. Ein neues Indiz? „Kuckucksklee“ ruft er und verteilt sie in der Gruppe. „Ein idealer Durstlöscher, vom Regen frisch gewaschen.“ Zum Kuckuck denke ich, ich bin auch vom Regen gewaschen und friere erbärmlich.

Mitten in der Schlucht gelangen wir an eine Mühle, die wie ein Geisterhaus eingezwängt zwischen Wald, Felsen und Wildbach liegt. Millmeier erzählt eine Geschichte, die sich anno 1913 zugetragen haben soll. Ein Bauer fühlte sich vom Müller betrogen, die beiden gerieten in einen heftigen Streit, dabei stürzte der Müller in den Bach und ertrank. Aha. Wusste ich doch, dass ich nicht Unrecht hatte mit meiner Trenker-Theorie. „Ist die Geschichte wahr oder erstunken und erlogen?“, sagt Millmeier. Er tischt uns im Laufe des Tages weitere unglaubliche Mordfälle auf, doch nur einer davon hat sich tatsächlich zugetragen.

Der Chef gibt sich wortkarg und überlässt uns die Recherchen. Schritt für Schritt kommen wir dem Täter auf die Spur.
Der Chef gibt sich wortkarg und überlässt uns die Recherchen. Schritt für Schritt kommen wir dem Täter auf die Spur. - © Birgit-Cathrin Duval

Halb Indien behindert die Ermittlungen

Am Eisenbahnviadukt angekommen erfahren wir allerhand zur Geschichte des Höllentals. Wie einst das Eisenbahnviadukt im 2. Weltkrieg mit Heißluftballons vor einer drohenden Zerbombung bewahrt wurde und kuriose Diebstähle von Totenschädeln aus der Sankt Oswald Kapelle.

Endlich Einkehr und Mittagspause im Ravenna-Grill. Mit uns ist halb Indien angekommen. Die indischen Touristen strömen aus riesigen Reisebussen, die Frauen tragen Saris, die Männer rote Kappen auf denen „Switzerland“ steht. Sie essen einen „Black Forest Cake“ und verschwinden ebenso schnell wie sie gekommen sind.

Unser Soko-Chef tischt auf. Ein Büstenhalter. Gefunden beim Täter. Wildes Spekulieren über Tat, Täter und Opfer. Wir erfragen weitere Details und kommen dem Fall auf die Schliche. Ein kleiner Hinweis aus unserer Ermittlergruppe bringt die entscheidende Wende im Fall. Millmeier schweigt, die Sonne scheint. Nichts wie raus, hinauf ins Löffeltal. Bei der Klopfsäge wartet eine Überraschung: Speck und Schnaps bringen die Ermittlungen in Fahrt. Alle Indizien werden ausgebreitet. Uns bleiben noch fünf Minuten, um den Fall zu lösen. Die Ermittlungen sind abgeschlossen. „Wir haben fast Gewinner, die leider zu Verlierern werden“, sagt unser Soko-Chef. „Ihr habt es nicht herausgefunden, obwohl ihr es in der Mittagspause erwähnt habt.“ Wie gut, dass damals Kommissar Zufall zur Ergreifung des Täters geführt hat.

Gut zu wissen

Krimiwanderung "Mord im Löffeltal" von Juni bis Oktober 2016
Start um 10 Uhr am Kurhaus Hinterzarten
Preise: 32 Euro/Person
Dauer: 6-7 Stunden inklusive Speck- und Schnapsprobe
Im Rahmen der Wanderung wird eine Strecke von 8 bis 10 Kilometer zurückgelegt

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