Mystisch, magisch, rätselhaft Unterwegs zu sagenhaften Orten im Wald

Um viele Orte im Schwarzwald ranken sich geheimnisvolle Geschichten und Legenden. Mancherorts sollen Bäume, Felsen, Quellen und Seen wundersame, ja fast magische Kräfte besitzen. Doch was ist wirklich dran an jenen Erzählungen? Was hat sich dort Rätselhaftes ereignet oder sind es Plätze, an denen wir in besonderer Weise die Urkräfte der Natur erleben? Wir machen uns auf die spannende Suche nach mystischen Plätzen im Schwarzwald.

von Birgit-Cathrin Duval, 19. April 2018

KULTUR
DENKMAL
Kulturdenkmal
Kulturdenkmal  - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Der Feldsee – Verbannungsort der Geister

Auf dem grün schimmernden See glitzern Sonnenstrahlen wie kristallene Perlen. Die steil aufragenden Felswände und mächtigen Tannen und Fichten, die das Ufer säumen, spiegeln sich auf dem Wasser. Wer auf einem der Felsen am Wasser sitzt und auf den Feldsee blickt staunt über die Urkräfte der Natur. Nach dem Abschmelzen des eiszeitlichen Gletschers verblieb der Karsee, der sich an sonnigen Tagen als wundersames Naturidyll präsentiert. Doch in der Tiefe walten auch andere, weit unheimlichere Mächte.

Der Feldberg war ein wildes, unzugängliches Gebirge, mit dunkeln Wäldern, Felsstürzen und extremen Naturgewalten. Finster und unergründlich, ein schwarzes Loch inmitten von schroffen Felsen und bizarren Bäumen – schon der bloße Anblick des Feldsees ließ den Menschen, die sich hierher wagten, das Blut in den Adern gefrieren. Es war ein Ort, wo böse Geister hausten, die so grässlich waren, dass sogar die Hexen die Gegend mieden und  stattdessen den Kandel als Versammlungsort wählten. Denn seit undenklichen Zeiten wurden Geister und Dämonen in den Feldsee verbannt. Spukte es in einem Haus, wurde ein Priester gerufen, der den Geist mit einer Zauberformel in eine Flasche lockte. Zack, kam ein Korken drauf und ab zum Feldsee, wo der Dämon versenkt wurde. Die Verbannung wurde stets von dem unheimlichen Gemurmel der freien Geister begleitet. Und wehe dem, der seinen Namen hörte und zurückblickte: Den rissen die Geister in den Abgrund. 

Unter dem wilden Gesindel der Feldberggeister war der Dengelegeist der schlimmste. Sobald Nebel aufzog, verbreitete er mit seiner Sense Angst und Schrecken. Keinem Priester gelang es, ihn zu verbannen und so treibt er noch heute am Feldberg sein Unwesen und führt Wanderer bei dichten Nebel in die Irre.

Mächtige Tannen und Fichten spiegeln sich auf dem Wasser des Feldsees wider
Mächtige Tannen und Fichten spiegeln sich auf dem Wasser des Feldsees wider - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Der Wasserfall der Waldfeen

Wer am Ende des Menzenschwander Tals die Klamm betritt findet sich in einer wundersamen Welt wieder. Zwischen mit Moos bewachsenen Felsen rauscht die Menzenschwander Alb ins Tal. Feiner Sprühnebel schwebt in der Luft. Winzige Wassertröpfchen legen sich wie silberne Perlen auf die Haut und sorgen für Kühlung an heißen Sommertagen. Nur zu bestimmten Stunden dringen Sonnenstrahlen die verborgene Schlucht. Dann beginnt sie zu leuchten und die sprudelnden Kaskaden verwandeln sich in einen mystischen Feenzauber, wenn sich das Licht in prächtigen Regenbogenfarben bricht. Wer still in der Klamm verweilt, soll sogar Waldfeen hinter den rauschenden Wasserfällen tanzen sehen können. 

Wasserfall Menzenschwand
Wasserfall Menzenschwand - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Der sagenhafte Schatz vom Silberberg und das Rätsel um den Schatzstein

Wie ein wuchtiger Klotz ragt der 1.358 Meter hohe Grat des Silberbergs aus dem Wiesental zwischen Todtnau und Feldberg empor. Der Ausblick vom Felsenriff ist regelrecht schwindelerregend. Mehr als einen halben Kilometer fallen die zerklüfteten Felswände steil ins Tal. Ein schmaler Steig zieht sich entlang felsiger und ausgesetzter Pfade über den nördlichen Berghang. Es ist einer der wildesten und verwegensten Pfade im Hochschwarzwald. Wer sich auf den Silberberg-Trail wagt, muss schwindelfrei und trittsicher sein und zudem über eine gute Orientierung verfügen. Die Strecke windet sich durch urwaldartigen Bannwald. Der Weg ist nicht durchgängig beschildert und im Sommer an vielen Abschnitten zugewachsen. Aber hat es tatsächlich einen Schatz am Silberberg gegeben?

Seit 1150 wurden rund um Todtnau und am Silberberg Silbererze abgebaut. Einer Sage nach grub ein Bergmann einen Stollen. Von der Arbeit hungrig geworden griff er nach seinem Brot, das ihm jedoch eine Maus stibitzt hatte. Wütend warf er seinen Bergmannshammer nach ihr. Geschickt wich sie aus und der Hammer traf mit voller Wucht die Bergwand. Daraufhin öffnete sich ein Loch und dahinter blitzte alles voller Silber. Seitdem heißt die Grube, deren Überreste noch heute existieren, „Maus.“

Todtnauer Wasserfälle
Todtnauer Wasserfälle - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Das Rätsel um den Schatzstein beim Todtnauer Wasserfall blieb über 160 Jahre im Dunkel der Geschichte. In der Nähe der oberen Fälle befindet sich ein Monolith, auf dem 15 merkwürdige Zeichen eingemeißelt sind. Handelt es sich um Runen, die auf einen keltischen Kultplatz hinweisen? Andere Erzählungen berichten von einer Schatzkarte. Demjenigen, der sie deuten kann, wird die genaue Lage eines Goldschatzes verraten. Der Mythos Schatzstein hielt sich über viele Jahre – und zog dubiose Schatzgräber zu den Wasserfällen. Erst vor wenigen Jahren wurde das Rätsel nach jahrelanger intensiver und akribischer Forschung durch die Minifossi AG, einer Schülerforschungsgruppe aus Schopfheim, gelüftet. Es handelt sich tatsächlich um eine Karte, und sie weist den Weg zu einem Schatz, der bis heute nicht gehoben werden konnte. Klingt rätselhaft? Dann auf zu den Todtnauer Wasserfällen und dort den Hinweisen zum Schatzstein folgen.  

Der Hochschwarzwald steckt voller sagenhafter Orte und spannender Geschichten. Über Jahrmillionen hat sich die Natur eine faszinierende Landschaft geschaffen, deren archaische Kräfte noch heute spürbar sind. Geschichten, die sich an einem Ort abspielten, beflügelten die Fantasie und Ängste der damaligen Bewohner und prägen den Ort bis in unsere Gegenwart.

Wer beim Wandern auf dem Feldberg von aufziehendem Nebel überrascht wird und keine zehn Meter weit sehen kann, ahnt weshalb die Menschen den Dengelegeist fürchteten. Im Nebel werden Bäume zu bizarren Riesen und wer am Bismarck-Denkmal hinab auf den Feldsee schaut, braucht nicht allzu viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass der Volksglaube unter der dunklen Seeoberfläche ein Geistergefängnis vermutete.

Ob abenteuerliche Wanderung durch Bannwälder, frühmorgens die mystische Atmosphäre des Titisees genießen oder die Mitternachtssonne auf Deutschlands höchstem Mittelgebirgsgipfel erleben – wer sich ein wenig für die Geschichten und Legenden interessiert, erlebt intensiver und schafft sich Erinnerungen von bleibendem Wert.

Es lohnt sich also, auf Spurensuche zu gehen und bei der Tourist-Info oder bei Einheimischen nachzufragen, wo sich geschichtsträchtige Orte befinden. Wer an ihnen verweilt, erlebt, weshalb dem Hochschwarzwald der Ruf eines magischen und märchenhaften Waldes anhaftet und der Mythos Schwarzwald Menschen aus aller Welt verzaubert.

Gut zu wissen

Die mystische Stimmung des Feldsees lässt sich aus zwei Perspektiven betrachten. Das Ufer ist mittels einer kleinen Wanderung von ca. 45 Minuten ab dem Fuße des Seebucks (Dr. Pilet Spur 17, 79868 Feldberg) zu erreichen. Ein toller Blick von oben eröffnet sich vom Bismarckdenkmal bei der Bergstation der Feldbergbahn. Der zauberhafte Menzenschwander Wasserfall (Hinterdorfstr. 58, 79837 St. Blasien) und der sagenumwobene Todtnauer Wasserfall (an der L126 bei Todtnau-Aftersteg) sind jeweils nur ein paar Meter von einem Wanderparkplatz entfernt.

zum nächsten Reisebericht