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Unentschieden gegen Mama Ente Stand Up Paddling am Windgfällweiher

Einmal durch den Hochschwarzwald, von Süd nach Nord: Moritz hat sich auf einen Roadtrip begeben. Auf allen Sorten Rädern, im Kanu, zu Fuß. Heute: Warum stehen doch manchmal besser ist als Sitzen – vor allem auf dem Wasser.

von Moritz Baumstieger, 12. August 2013

Wie schön es hier am Windgfällweiher doch ist. Am Hang kuscheln sich die Retro-Umkleidekabinen aneinander, dahinter stehen große dunkle Schwarzwald-Tannen.
Wie schön es hier am Windgfällweiher doch ist. Am Hang kuscheln sich die Retro-Umkleidekabinen aneinander, dahinter stehen große dunkle Schwarzwald-Tannen. - © Moritz Baumstieger

Natürlich bewege ich mich gerne. Sonst hätte ich ja gar nicht in den Hochschwarzwald fahren brauchen, sondern gleich daheim bleiben können. Aber wenn ich mich nicht bewege, dann bin ich gerne faul. Und sitze am liebsten. Stehen, das war nie so mein Ding – ewige Langweile, nur ab und zu unterbrochen von einer Gewichtsverlagerung. Spielbein, Standbein, Sie kennen das.

Wozu wurde das Paddeln im Sitzen erfunden? 

Deshalb war ich zunächst etwas skeptisch, als ich vor dem Eingangstor des herrlich nostalgischen Strandbades am Windgfällweiher stand. „SUP“ wird da nämlich angeboten, das ist eine Abkürzung für einen Anglizismus (und damit eigentlich noch ein weiterer Grund, skeptisch zu sein). Stand Up Paddling soll das bedeuten, Paddeln im Stehen also, auf einer Art breitem Surfbrett. Was für ein Quatsch, denke ich. Wozu wurde das Paddeln im Sitzen erfunden? Wackelt nicht so und ist angenehm: Während man die Oberarme und Bauchmuskeln trainiert, sitzt man so bequem wie im Fernsehsessel. Nur, dass nicht der Tatort in der Glotze flimmert, sondern das Sonnenlicht über der Wasseroberfläche.

„Halt“, rufe ich mir aber laut zu, nachdem ich durch das Eingangstor des Strandbades geschritten bin. „Du bist noch etwas zu jung, um jede Neuerung als modernen Quatsch abzutun.“ Und da habe ich auch wieder recht.

Ganzkörper-Training: Durch die aufrechte Position auf dem Stand-Up-Board wird der ganze Körper trainiert. Nebeneffekt: Ganzkörper-Bräunung.
Ganzkörper-Training: Durch die aufrechte Position auf dem Stand-Up-Board wird der ganze Körper trainiert. Nebeneffekt: Ganzkörper-Bräunung. - © Moritz Baumstieger

Ganzkörper-Training und Ganzkörper-Bräunung in einem

Denn das Stand Up Paddling hat seine Vorteile. Einen habe ich auf einer Seite im Internet gelesen, wo das so erklärt wird: „Durch die aufrechte Position auf dem Stand-Up-Board werden sowohl Arme, Beine als auch der Rumpf trainiert, es ist also ein hervorragendes Ganzkörper-Training.“ Was nicht auf der Internetseite steht, aber an Sommertagen wie heute nicht ganz unwichtig ist, könnte man analog so formulieren: „Durch die aufrechte Position auf dem Stand-Up-Board werden sowohl Arme, Beine als auch der Rumpf von der Sonne beschienen, es ist also eine hervorragende Ganzkörper-Bräunung.“ Denn die Sitz-Paddler sehen ja auch oft ein wenig komisch aus: braunes Gesicht, braune Schultern, braune Arme – und unten ein Paar verkümmerte, käsige Beine.

Zu beachten gebe es eigentlich nicht viel, sagt die freundliche Frau vom Strandbad, als sie mir ein Paddel auf die richtige Länge einstellt und mein Brett ins Wasser schiebt. Das Brett sei zwar aufblasbar, aber robust, wenn ich nicht direkt auf die Steine fahre, dürfte es kein Problem geben.

Meine Arme können sich noch nicht ganz entscheiden, auf welcher Seite das Paddeln besser ist, deshalb fahre ich ein wenig im Kreis.
Meine Arme können sich noch nicht ganz entscheiden, auf welcher Seite das Paddeln besser ist, deshalb fahre ich ein wenig im Kreis. - © Moritz Baumstieger

Gibt es auch nicht: Die ersten Meter sind nur ziemlich wackelig, was aber an mir liegt: Obwohl das Stehen auf einem See nicht so ewig langweilig ist, wie an Land, verfalle ich in das Spielbein-Standbein-Spiel. Was keine gute Idee ist, wenn man das Gleichgewicht halten will. Aber nach kurzer Eingewöhnungszeit: easy. Meine Beine sind brav, meine Arme auch. Sie können sich zwar noch nicht ganz entscheiden, auf welcher Seite das Paddeln besser ist, deshalb fahre ich ein wenig im Kreis. Aber dabei stehe ich wie eine Eins, genau wie mein Begleiter, der sich auch ein Board geliehen hat.

Der Geradeaus-Fahr-Trick

Aber irgendwie scheint seines schneller zu sein. Während ich immer noch versuche, den Geradeaus-Fahr-Trick irgendwie herauszubekommen, ist er schon bei der Hälfte des Sees angekommen. Das weckt natürlich meinen sportlichen Ehrgeiz, ich ziehe das Paddel so fest durch das Wasser, wie ich nur irgendwie kann. Und hätte dabei fast übersehen, wie schön es hier am Windgfällweiher eigentlich ist: Am Hang kuscheln sich die Retro-Umkleidekabinen aneinander, dahinter stehen große dunkle Schwarzwald-Tannen. Das Wasser des Weihers ist ein wenig moorig und weich, hat eine fast bernsteinfarbene Tönung. Und das bisschen, das mir ab und zu über die Füße schwappt, ist deutlich wärmer als das des tiefen, kühlen Schluchsees.

Das ist gut: Denn auch wenn ich bisher nicht in von meinem Board gefallen bin, wird das wohl früher oder später passieren. Wie zum Beispiel jetzt gerade meinem Begleiter. Der fällt plötzlich rückwärts um, klatscht in den Weiher, sein Brett schnellt nach vorne. Woran ich nicht ganz unschuldig bin: Vor lauter Landschaft angucken und Wasser analysieren bei gleichzeitigem heftigem Gepaddel habe ich ganz vergessen, nach vorne zu gucken. Und so einen kleinen Auffahr-Unfall verursacht. Sorry.

Wieder ein Rennen, diesmal unfreiwillig. Eine Enten-Mama führt den Nachwuchs zum Spazierschwimmen.
Wieder ein Rennen, diesmal unfreiwillig. Eine Enten-Mama führt den Nachwuchs zum Spazierschwimmen. - © Moritz Baumstieger

1:1 Unentschieden

Der Rückweg: Wieder ein Rennen, diesmal unfreiwillig. Eine Enten-Mama führt den Nachwuchs zum Spazierschwimmen. Und obwohl ich die armen Tiere eigentlich gerne in Ruhe lassen würde und deshalb immer wieder eine neue Richtung weg von den Enten einschlage, sind sie stets auf der Bahn neben mir. Sitzen gemütlich auf dem Wasser, paddeln ein wenig mit ihren Füßen und gucken interessiert zu mir hinüber. Ich stehe auf meinen Füßen, paddele was das Zeug hält mit dem Paddel – und starre mit verzerrtem Gesicht in Richtung Strandbad, dem Ziel. Dort angekommen, heißt es: Entenfamilie vs. Moritz: 1:1, unentschieden. Leider gibt es keine Zielkamera. Ich hätte schwören können, eine Brettspitze Vorsprung heraus gerudert zu haben. Und eigentlich habe ich ja ganz gute Sicht: Ich stehe ja, immer noch.

Gut zu wissen

Stand Up Paddling Boards können am Strandbad Windgfällweiher geliehen werden, aber auch am Schluchsee beim Rafftaff-Camp.

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