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Die Todtnauer erobern den Feldberg Das Abenteuer im Schneesturm

Beim Aufstieg zum Feldberggipfel sind die Kameraden in einen Schneesturm geraten. Fritz Breuer steht vor einer Entscheidung: Die Expedition abbrechen oder ohne seinen Freund weiter zum Gipfel?

von Birgit-Cathrin Duval, 01. November 2014

Am 19. März 1891 startet Fritz Breuer zusammen mit seinem Freund Carl Thoma II die Feldberg-Expedition. Doch die Gipfelbesteigung steht von Anfang an unter keinem guten Stern.
Am 19. März 1891 startet Fritz Breuer zusammen mit seinem Freund Carl Thoma II die Feldberg-Expedition. Doch die Gipfelbesteigung steht von Anfang an unter keinem guten Stern. - © Kreisarchiv Breisgau Hochschwarzwald

Fritz Breuer muss eine Entscheidung treffen. Der Aufstieg durch den meterhohen Pulverschnee auf provisorischen Schneeschuhen kostete Carl Thoma alle Kräfte. Am Zeiger angekommen, ist Thoma völlig erschöpft. Breuer weiß: Den Aufstieg zum 1493 Meter hohen Gipfel wird sein Kamerad nicht schaffen. Doch Breuer ist zu ehrgeizig, um die Besteigung abzubrechen.

Die Kameraden einigen sich darauf, dass Breuer am Feldberger Hof Hilfe holt. Breuer, noch fit und von dem Verlangen beseelt, auf dem Gipfel des Feldbergs zu stehen, macht sich auf den Weg. Es grenzt an ein Wunder, dass das Unternehmen nicht in einem Fiasko endet. Irgendwie schafft es Breuer, sich zum Feldberger Hof durchzukämpfen. Während er die letzten Höhenmeter auf den Skiern zum Gipfel steigt, machen sich Helfer auf den Weg, seinen Kameraden zu suchen. Die verrückten Todtnauer haben Glück: Thoma wird gefunden, Breuer gelangt zum Gipfel und trägt sich stolz in das Gästebuch des Feldberger Hofes ein. Ihre abenteuerliche Geschichte von der Besteigung im Schneesturm bietet noch lange danach reichen Gesprächsstoff an bier- und weinseligen Abenden im Todtnauer Ochsen.

Ehrenmitglied Nansen bestätigt!

Soviel ist sicher: Das Erlebnis beflügelt Breuer. Er bestellt für sich und seine Kameraden Skier in Norwegen. Nicht irgendwo, sondern bei Nansen persönlich. Im November 1891 gründet Fritz Breuer in seinem Stammlokal Ochsen in Todtnau zusammen mit fünf Kameraden den „Ski-Club Todtnau“. Die Männer erlauben sich per Satzung, anstatt sonn- und feiertags zur Kirche, zum Skifahren auf den Feldberg zu gehen. Breuer wird erster Vorsitzender. Seinem großen Vorbild, Fridtjof Nansen trägt er die Ehrenmitgliedschaft an. Nansen bestätigt seine Ehrenmitgliedschaft in einem persönlichen Brief mit Datum 5. Januar 1892.

Dieser Brief Nansens gilt für den Todtnauer Skiclub als Nachweis, dass ihr Club tatsächlich 1891 gegründet wurde und damit heute der älteste, noch bestehende Skiclub Deutschlands ist. 

Doch Breuer ist nicht nur ein Abenteurer. Als Geschäftsmann nutzt er alle Mittel und Wege, die im Schwarzwald neu entdeckte Wintersportart, bekannt zu machen. Er schreibt Berichte für Tageszeitungen und verfasst den ersten Skilaufratgeber: „Anleitung zum Schneeschuhlaufen“ heißt der Titel des Heftchens, das im Eigenverlag des Ski-Club Todtnau 1892 veröffentlicht wird und eine Mark kostet. Ganz nebenbei erfährt der Skineuling bei der Lektüre, wo sich die besten Skireviere befinden: „Der Ski-Club Todtnau kann zum Schneeschuhlaufen seines höchst geeigneten Terrains und lange liegender Schneemassen wegen, den Feldberg bestens empfehlen, umso mehr als den ermüdeten Schneeschuhläufer auf dem Feldberge, als auch in den benachbarten Ortschaften behaglich Gasthäuser zur ersehnten Einkehr einladen.“

Die Weltausstellung - Stiefel, Pullover und Jacken für alle

Breuer wusste von Anfang an die Ressourcen der Gastronomie zu nutzen und kurbelte, wo immer möglich, den Wintertourismus an. Seine rheinländischen Wurzeln kann er nicht verbergen: Breuer ist ein ausgekochtes Schlitzohr, immer zu einem Spaß aufgelegt. So lädt er in einem Artikel an Weihnachten 1891 zu einer „Weltausstellung für Schneeschuhrequisiten“ auf dem Feldberg ein. Die Einladung verschickt er in ganz Deutschland. Tatsächlich finden die Mitglieder des Todtnauer Skiclubs am Heiligen Abend 1891 einige Pakete am Feldberger Hof vor. Inhalt sind Stiefel, Pullover und Jacken. Sogar ein Besucher kommt zur angeblichen „Weltausstellung“: Der Regierungsrat Dr. Offermann aus Straßburg. Breuer soll angeblich vom Regierungsrat drei Mark Eintrittsgeld verlangt haben.

In Dr. Pilet finden die wilden Todtnauer den besten Skilehrer und Förderer. Der „Feldberger Hof“ auf 1.280 Metern wird zum Zentrum des neuen Skisports. Die Geschwister und Eigentümer Carl und Fanny Mayer bestellen Skiausrüstungen in Norwegen, norwegische Skilehrer erteilten Unterricht.

Auch hier beweist Fritz Breuer erstaunliche Weitsicht: In seinem Heft „Anleitung zum Schneeschuhlaufen“ beschreibt er bereits 1892 seine Vision von einem deutschen Skiverband.

Im selben Jahr richtet der Ski-Club Todtnau den ersten Vereinslauf in Deutschland aus, im darauffolgenden Jahr findet das erste Skispringen statt. Der Feldberg wird zum Inbegriff des Skisports, und die Schwarzwälder Skisportler sind wegen ihres Mannschaftsgeistes, dem „Feldberggeist“ überall beliebt und geachtet.

Der Pionier verschwindet im Lauf der Geschichte

1895 wird der Ski-Club Freiburg gegründet, am 1. Dezember 1895 rufen die Todtnauer und Freiburger Clubs im Feldberger Hof den Ski–Club Schwarzwald ins Leben. Einer der Gründerväter des Freiburger Ski-Clubs, Wilhelm Paulcke, war maßgeblich bei der Gründung des Deutschen Skiverbandes 1905 beteiligt und wurde später erster Vorsitzender des Mitteleuropäischen Skiverbandes.

Von Fritz Breuer, dem unternehmungslustigen Rheinländer, verlieren sich die Spuren. Schon bald nach der Gründung des Todtnauer Skiclubs geht er aus beruflichen Gründen nach Mulhouse ins Elsass, an der weiteren Entwicklung des Skisports auf dem Feldberg war er nicht mehr beteiligt.

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