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Warum in den Raunächten nicht gefegt werden darf Mythen, Geister und Orakel

Frühere Generationen im Schwarzwald verehrten die Zeit der zwölf Rauhnächte, die von Heilig Abend bis zum Dreikönigstag dauern. Es ist eine Zeit der Geister, Orakel und des Aberglauben.

von Birgit-Cathrin Duval, 25. November 2013

Diese zwölf Tage sollten der Neubesinnung dienen, Zeit geben, sich auf sein Inneres auszurichten und sich von schlechten Angewohnheiten zu trennen.
Diese zwölf Tage sollten der Neubesinnung dienen, Zeit geben, sich auf sein Inneres auszurichten und sich von schlechten Angewohnheiten zu trennen. - © Birgit-Cathrin Duval

Es waren Nächte voller Mythen, in denen sogar das Wetter für das kommende Jahr vorherbestimmt wurde. Und wehe dem, der seine Türen und Fenster nicht gut verschlossen hatte! Denn der Wode brauste als Kriegsgott und Anführer eines Geisterheeres von seelenlosen Toten durch die Lüfte und suchte sich Ritzen, durch die er in die Häuser dringen konnte. Vorsicht war geboten bei fremden Wanderern und Tieren, denn dahinter verbargen sich wilde Hexen. Auch Zwerge und Gnomen trieben mit Vorliebe ihr Unwesen.

Früher glaubte man, sich vor bösen Zauber schützen zu können indem man Haus und Stall räucherte. Wer Glück hatte, konnte während dieser Tage sogar einen Schatz finden.

Der Wode brauste als Kriegsgott und Anführer eines Geisterheeres von seelenlosen Toten durch die Lüfte und suchte sich Ritzen, durch die er in die Häuser dringen konnte.
Der Wode brauste als Kriegsgott und Anführer eines Geisterheeres von seelenlosen Toten durch die Lüfte und suchte sich Ritzen, durch die er in die Häuser dringen konnte. - © Birgit-Cathrin Duval

Der Kampf von Gut und Böse

Die Zeiten zwischen den Jahren, zur Sonnenwende und der Wechsel der Jahreszeiten hat seit jeher die Menschen beschäftigt. Bereits die Kelten feierten die Wintersonnenwende als Geburt der Sonne. Die Zeit der Rauhnächte ist verbunden mit dem Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse, Tod und Leben. Viele der Riten sind hierzulande längst in Vergessenheit geraten. Nur noch heute gebräuchliche Sprichwörter erinnern an diese Zeit. So soll Reif in der Zeit der Rauhnächte ein fruchtbares Jahr mit viel Obst bringen, ebenso verheißen Eisblumen am Fenster viel Schnee an den Bäumen.

Während der zwölf Raunächte war es besonders wichtig, alles in der Wohnung und den Körper sauber zu halten. So durfte keine Wäsche gewaschen oder aufgehängt werden, man sollte nicht verreisen, nicht backen, nicht schwer arbeiten und keinesfalls fegen. All diese Tätigkeiten mussten am Vortag der Wintersonnenwende erledigt werden.

Die Zeit der Rauhnächte ist verbunden mit dem Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse, Tod und Leben.
Die Zeit der Rauhnächte ist verbunden mit dem Kampf zwischen Licht und Finsternis, Gut und Böse, Tod und Leben. - © Birgit-Cathrin Duval

An diesem Tag galt es, die Wohnung gründlich zu reinigen und sich neue Kleidung zuzulegen. Denn die Schutzpatronin dieser Tage – Frau Holle – wirkte in jenen Tagen als Richterin über Gut und Böse und als Hüterin über die Gaben und Talente der Menschen. Diese zwölf Tage sollten der Neubesinnung dienen, Zeit geben, sich auf sein Inneres auszurichten und sich von schlechten Angewohnheiten zu trennen.

Die zwölf Rauhnächte spiegeln die Zeit des Wechsels und Neuanfangs. Am 21. Dezember, dem Thomastag, ist die längste Nacht des Jahres. Weil die Wintersonnenwende in vorchristlicher Zeit als Wiedergeburt der Sonne gefeiert wurde, hat man in Anlehnung an diese uralten Traditionen das christliche Weihnachtsfest bewusst auf diese Tage gelegt: Das Licht das mit Jesus Christus in die Welt gekommen ist.

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