Muschelkalk, Springkraut und ein Wald aus einer anderen Welt Leas Hochtag im Schwarzwald

Am Hochtag zieht es unsere Mitarbeiter in den schönen Schwarzwald und sie berichten von ihren individuellen und spannenden Erlebnissen.
Hier stellt Lea ihren Hochtag vor. 

Neuer Wohnort, neue Arbeit, neue Wohnung und keinen Plan von der Umgebung. Ziemlich genau so würde ich den Tag meines Umzugs von Köln in den Hochschwarzwald beschreiben. Was tut man also in den ersten Tagen bevor das Praktikum los geht? Die Gegend erkunden. Auf einen Tipp hin habe ich mich dann kurzer Hand für eine geführte Wanderung durch die Wutachschlucht entschieden. Also stehe ich pünktlich um 10:30 Uhr am Treffpunkt, dem Bahnhof in Löffingen. Nach und nach trudeln meine Wegbegleiter für heute ein. Wir sind eine gemischte Gruppe, die einen haben sich für den letzten schönen Tag im September kurzer Hand freigenommen, die anderen sind Studenten in ihrem verspäteten Sommerurlaub. Eines haben wir aber alle gemeinsam, die Lust aufs Wandern. Und deshalb machen wir uns auch direkt auf den Weg, als wir in Bachheim mit dem Zug angekommen sind. Es geht quer durch das kleine Dörfchen hindurch, allen voran unser Wanderführer Adi. Er erzählt uns Geschichten über dessen Entstehung, unter anderem auch wie ein kleines gelbes Milchhäuschen zur Trainingsstätte von erfolgreichen Gewichthebern/-innen geworden ist. Nach dem wir den letzten Teilnehmer des Tages eingesammelt haben, geht es dann den Drei Schluchten Pfad hinunter in die Wutachschlucht. Im ersten Moment scheint es schwer vorstellbar, dass das kleine Bächlein über die Zeit hinweg die tiefe Schlucht in den weichen Muschelkalk gegraben hat. Wie viel Kraft das Wasser hat, zeigt uns Adi dann nochmal auf den ersten Metern, in denen Bodenwellen im Weg zu erkennen sind. Ein Andenken an die Zeit, als die ganze Schlucht noch unter dem Meer lag und die Wellen täglich auf dem Boden eingeschlagen sind.

Wir bleiben immer wieder stehen, entweder um die Umgebung in uns aufzunehmen oder um uns neue Pflanzen von unserem Wanderführer zeigen zu lassen. Die verrückteste essbare Pflanze die er uns gezeigt hat war das Springkraut, bei dem die Samen explosionsartig aus den Knospen springen, wenn diese gedrückt werden.

Nachdem wir einige Zeit der Wutach gefolgt sind, überqueren wir den Kanadiersteg und machen eine kleine Rast auf einem umgekippten Baumstamm. Wir alle genießen die Sonne an diesem schönen Tag und rücken unauffällig den Baumstamm hinauf bis wir alle auf der linken Seite sitzen, da die rechte immer mehr im Schatten versinkt. Gestärkt verlassen wir die Wutach und folgen der Gauchach. Wir laufen vorbei an kleinen Trampelwegen, die ein Biber in Richtung Bach angelegt hat. Zu Gesicht kriegen wir leider keinen, aber das mindert unsere gute Laune nicht. Ab jetzt ist in der Gegend rumschauen auch erstmal rum, denn unsere volle Konzentration ist auf den Weg gerichtet. Dieser wird immer wurzeliger und es geht mal steil Berg auf oder Berg ab. Bäume sind eine willkommene Stütze, um nicht auf dem matschigen Waldboden auszurutschen. Adi gibt uns immer wieder Tipps, wo wir am besten hintreten und uns abstützen können. Die Wege sind teilweise nur hüftbreit und die Wanderung gleicht einer Abenteuerreise. Auf diesem Teil des Weges begegnen wir kaum einer Menschenseele und auch das Handynetz ist nur teilweise verfügbar. Die Abgeschiedenheit tut uns gut und eine entspannte Atmosphäre macht sich breit. Ab und zu bleiben wir stehen, um uns weitere Pflanzen oder die Wasserplateaus und Wasserfälle anzuschauen. In Gedanken sind wir nicht mehr in Deutschland, sondern im Regenwald auf einem anderen Kontinent. Erst als wir einen Felsen voller deutscher Waldpilze finden, kommen wir langsam in die Realität zurück. Nachdem wir bei einer kleinen Pause unseren Getränkehaushalt aufgefüllt haben, verlassen wir die Schlucht. Aber das ist leichter gesagt als getan. Es geht steil bergauf und die Waden werden ganz schön gedehnt.

Als wir den Wald verlassen stehen wir auf einer Obstwiese. Es scheint als wären wir einfach aus dem Wald aufgetaucht, denn den Eingang zur Schlucht sieht man erst, wenn man direkt davorsteht. Ein weiteres Mal an diesem Tag bin ich froh, nicht allein unterwegs zu sein, sondern jemanden an meiner Seite zu haben, der sich mit den Wegen auskennt, bevor ich mich komplett in dem Wegenetz verirre. Wir packen ein paar von den heruntergefallenen Äpfeln als Wegzehrung ein und wandern in Richtung Unadingen Bahnhof, unser heutiges Tagesziel. Dort angekommen setzen wir uns alle erstmal hin und genießen es, unsere Beine einmal nicht belasten zu müssen. Nach lieben Abschiedsworten von unserem Wanderführer Adi trennen sich schließlich unsere Wege am Bahnhof in Löffingen. Ich mache mich erschöpft aber glücklich auf den Weg nach Hause und habe das Gefühl, besser auf meine Zeit hier vorbereitet zu sein, nachdem ich jetzt auch endlich die Natur kennengelernt habe, von der mir so viel vorgeschwärmt wurde. Und nicht zu vergessen ist natürlich das ganze Pflanzenwissen, dass ich seit heute besitze. Mindestens drei neue Pflanzen für den Salat und zwei neue für Kräuter- und Heiltees wurden zu meinem doch sehr kläglichen Pflanzenrepertoire hinzugefügt. Na dann, guten Appetit!

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