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Selbstversuch: Als Mountainbikerin auf dem "topfebenen" Bähnle-Radweg Petras Hochtag im Schwarzwald

Am Hochtag zieht es unsere Mitarbeiter in den schönen Schwarzwald und sie berichten von ihren individuellen und spannenden Erlebnissen.
Hier stellt Petra Bär ihren Hochtag vor. 

Nichts als gut ausgebaute Forstwege? Das wird sich noch zeigen.
Nichts als gut ausgebaute Forstwege? Das wird sich noch zeigen. - ©  Petra Bär

Als ambitionierte Mountainbikerin habe ich den Bähnle-Radweg immer leicht belächelt: „topfeben von Titisee-Neustadt nach Bonndorf" – das kann ja nichts sein außer gut ausgebauten Forstwegen ohne Abwechslungen dachte ich mir. Aber an meinem hochtag wollte ich den 27 Kilometern Radweg auf der stillgelegten Bahn-Trasse eine Chance geben...

Ich starte von Hinterzarten aus über Titisee in Richtung Neustadt.
Ich starte von Hinterzarten aus über Titisee in Richtung Neustadt. - ©  Petra Bär

Da kommen schon die ersten Zweifel

Ich starte entgegen aller Gewohnheiten den Bähnle-Radweg – der übrigens auch ein Teilstück des Panoramaradweg Schwarzwald und Radweg Südschwarzwald ist – in Hinterzarten. Meine Tour führt sehr unspektakulär von hier nach Titisee und weiter nach Neustadt.  Nach dem Bahnhof hält man sich rechts Richtung Hochfirstschanze, dann stehe ich vor einer Schranke, die umfahren werden muss. Ganz ehrlich, so richtig einladend ist das nun wirklich nicht. Dann geht es, wie ich bereits vermutet hatte, auf einem breiten Forstweg erst mal leicht aufwärts  bis zur Gutachtalbrücke, ab hier geht es leicht abwärts. Die Brücke sieht von hier unten ganz schön beeindruckend aus.

Von unten sieht die Brücke mehr als beeindruckend aus.
Von unten sieht die Brücke mehr als beeindruckend aus. - © Petra Bär

Nach einer Linkskurve die erste Überraschung, dort steht auf der linken Seite ein toll geschnitzer Auerhahn bei einer Rastbank. Lustig, eine Schweizer Radfahrergruppe hat dort ihr Vesper ausgepackt und es wird zünftig mit Tischdecke gespeist.

Eine kleine Überraschung hinter der nächsten Kurve wartet ein Auerhahn auf uns.
Eine kleine Überraschung hinter der nächsten Kurve wartet ein Auerhahn auf uns. - © Petra Bär

Und dann komme sogar ich ins Schwärmen

Ich fahre weiter und komme tatsächlich auf einen richtigen Waldweg. Leider waren dort zu diesem Zeitpunkt große Maschinen am Werk, die tiefe Rillen und Furchen hinterlassen haben. Aber so wie ich die Schwarzwälder Waldarbeiter kenne, werden die verursachten Schäden bald  wieder behoben. Solche Holzarbeiten sind übrigens nicht da, um Wanderer und Fahrradfahrer zur ärgern, sondern weil der Wald für seine eigene Gesundheit eben ausgeforstet werden muss. Für einen weniger geübten Fahrradfahrer ist das kurze Teilstück eher unangenehm. Es kommt aber noch besser, denn ich kann es kaum glauben: es geht richtig abwärts. Gott sei Dank steht am Schluss dieser Abfahrt eine Schranke. Hier geht die L 156 vorbei und das ist nicht ganz ohne. Es lohnt sich hier den Blick nach links zu wenden: Dort steht die alte Zugbrücke und macht einen monumentalen Eindruck auf mich.

Die L156 wird überquert, dann geht es weiter Richtung Kappel und Lenzkirch. Was sich mir dort nach wenigen Fahrmetern eröffnet, ist so unglaublich, dass ich noch heute immer wieder ins Schwärmen gerate.

Lupinenfelder so weit das Auge reicht! Ich bin wirklich begeistert.
Lupinenfelder so weit das Auge reicht! Ich bin wirklich begeistert.  - © Petra Bär

Lupinenfelder so weit das Auge reicht! Ich bin wirklich begeistert. Solch etwas Schönes, habe ich hier als „alte Schwarzwälderin“ nicht vermutet. Die komplette Landschaft ist hier sowieso ganz anders. Viele Laubbäume, eine einladende offene grüne Landschaft. Warum komme ich erst jetzt hier her und warum hat mir das nie jemand erzählt? Alle Schönheit hilft nichts, ich will weiter.

Nach einigen Fahrkilometer ändert sich das Landschaftsbild komplett. Von weitem höre ich ein wildes Rauschen.

Von wegen Topfebene hier komm ich ganz schön ins Schwitzen.
Von wegen Topfebene hier komm ich ganz schön ins Schwitzen. - ©  Petra Bär

Aha, von wegen „im Hochschwarzwald topfeben fahren“, hier muss ich doch einen Gang runter schalten, das macht aber nichts. Vor lauter gucken, will ich gar nicht schneller fahren. Unter mir liegt die wildromantische Wutachschlucht.

Unter mir liegt die traumhafte Wutachschlucht, da will ich gar nicht so schnell fahren.
Unter mir liegt die traumhafte Wutachschlucht, da will ich gar nicht so schnell fahren. - ©  Petra Bär

Ich kann den Blick kaum wenden und danke Gott für so viele Dinge, wie dass ich hier heute fahren darf, dass das Wetter mir wohlgesonnen ist, dass mir nur nette gut gelaunte, lachende Menschen begegnen und und und schon bin ich den Berg oben.

Unterwegs auf alten Gleisen

Von hier erstreckt sich die Strecke relativ schnell und unspektakulär nach Lenzkirch. Nicht unerwähnt soll das alte Bahnwärterhäuschen von Kappel/Grünwald auf der rechten Seite bleiben. Eines der vielen wirklich bezaubernden Bahnwärterhäuschen entlang der Strecke. In Lenzkirch angekommen empfinde ich die Wegführung als schlecht gelöst. Man muss durch die Ortsmitte, am Kurhaus vorbei, auf Nebenstraßen zur Brauerei Rogg. Die brauen übrigens ein sehr gutes Bier und wurden für das gute Weizenbier schon mehrfach ausgezeichnet. Bei der Brauerei geht es scharf links runter und dann scharf rechts einen „Stich“ hoch.

Nun befinde ich mich also auf der alten Bahntrasse von Lenzkirch nach Bonndorf.

Das Stück von Titisee-Neustadt nach Lenzkirch geht nämlich neben der alten Bahnstrecke entlang, so wurde mir erzählt. Nach wenigen Metern, erreiche ich das bekannte Klausenbach-Viadukt, eine eiserne Untergurtbrücke. Weiter geht es nach Holzschlag. Dort gibt es für die durstigen Radler im Gasthof „Krone“ ein spritziges Radler und für leicht ermüdete Oberschenkel eine Pause. Bei Holzschlag überquere ich nochmals eine richtig schöne Brücke, irgendwie erinnert die mich an „die Brücke am Fluß“.

Und wieder alles auf Anfang

Vorbei an Pferdekoppeln und Weizenfelder führt mich nun der Weg auf der Zielgeraden nach Bonndorf. Von gemütlicher entspannter Weiterfahrt jedoch weit gefehlt. Etwa 6 km vor Bonndorf, bei Gündelwangen, muss ich nochmals richtig in die Pedale steigen, wie gemein kurz vor dem Ziel nochmals solch einen fiesen Anstieg zu haben. Die Ankunft in Bonndorf, bzw. auf einem Wanderparkplatz ist sehr ernüchternd. Kein Hinweisschild, kein „Sie haben es geschafft, Gratulation“ oder ein simples „Ende des Bähnleradweg“. Nun stehe ich nach 34 geradelten Kilometer und 2,5 Stunden Fahrzeit vor dem Problem „wie komme ich zurück nach Hinterzarten“? Ein echter Mountainbiker würde nämlich NIEMALS die gleiche Strecke zurück wie hin fahren. Aber das ist mir doch egal! Weil, der Bähnleradweg ist so schön, dass ich prompt umdrehe, vorbei an Weizenfelder, Pferdekoppeln und und und...

In Hinterzarten angekommen darf als Belohnung einer Radtour nie die Einkehr in die  Eisdiele „La dolce Vita“ fehlen, deren Besitzerin (mit dem unaussprechlichen Namen Gyöngyi Kreicz) für mich das beste Eis im Hochschwarzwald macht und den besten Aperol der Welt mixt.

Bei Petra muss immer was laufen, Stillstand geht gar nicht. Sie ist Schwarzwälderin mit ganzer Seele und liebt es ihre Heimat mit Bike, Skiern, Schneeschuhen oder zu Fuß immer wieder neu zu entdecken, um dann ihre Erfahrungen mit Gästen, Gastgebern und Kollegen zu teilen. Sie arbeitet bei der Hochschwarzwald Tourismus GmbH in Hinterzarten als Teamleiterin der Tourist-Information und auch hier gilt das Motto: Wer rastet der rostet!
Bei Petra muss immer was laufen, Stillstand geht gar nicht. Sie ist Schwarzwälderin mit ganzer Seele und liebt es ihre Heimat mit Bike, Skiern, Schneeschuhen oder zu Fuß immer wieder neu zu entdecken, um dann ihre Erfahrungen mit Gästen, Gastgebern und Kollegen zu teilen. Sie arbeitet bei der Hochschwarzwald Tourismus GmbH in Hinterzarten als Teamleiterin der Tourist-Information und auch hier gilt das Motto: Wer rastet der rostet! - ©  Petra Bär
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