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Reisemagazin

Spitzname "Moped" – Matthias Glaser vom Team Hochschwarzwald über die VAUDE Trans Schwarzwald 2013 Matthias Hochtag im Schwarzwald

Am Hochtag zieht es unsere Mitarbeiter in den schönen Schwarzwald und sie berichten von ihren individuellen und spannenden Erlebnissen.
Hier stellt Matthias Glaser seinen Hochtag vor. 

Startunterlagen holen, Nummer ans Rad, umziehen und schon geht’s los…
Startunterlagen holen, Nummer ans Rad, umziehen und schon geht’s los… - © Matthias Glaser

Nachdem ich den Trans Schwarzwald vor zwei Jahren schon auf der ersten Etappe nach einem Sturz beenden musste, habe ich mich dieses Jahr riesig gefreut, dass ich über den Hochschwarzwald einen Startplatz für die 2013er Ausgabe gewonnen habe. So geht es gut vorbereitet am frühen Mittwochmorgen nach Bad Wildbad wo die erste Etappe startet.  Startunterlagen holen, Nummer ans Rad, umziehen und schon geht’s los…

Tag 1: Bad Wildbad - Wolfach | 93,2 km - 1.710 hm

Nach einer kurzen neutralen Startphase geht es von Bad Wildbad Richtung Süden leicht bergan. Ich kann mich in einer der ersten Verfolgergruppen einreihen und dem Tempo gut folgen. Da mir die Länge und das Profil der Etappe entgegen kommen, will ich die Etappe auf jeden Fall unter den ersten 50 beenden. Die Gruppe funktioniert bis Kilometer 80 ganz gut und wird erst auf den letzten giftigen Anstiegen und Trails um Wolfach herum gesprengt.

Ich habe noch genug Reserven um die letzten Höhenmeter einigermaßen schmerzfrei zu überstehen und komme mit gut 17 Minuten Rückstand auf den Sieger als 38. ins Ziel. Zum Übernachten geht es heute nach Seelbach zu einem Freund. Essen, Füße hochlegen, Fußball gucken und der Tag ist auch schon wieder rum.

Tag 2: Wolfach - Schonach im Ferienland | 61,3 km - 2.300 hm

Schon vor der Trans Schwarzwald war mir klar, dass mir die heutige Etappe nicht gerade entgegenkommt. Zu viele Höhenmeter auf zu wenig Kilometer für meine schweren Knochen! Also ist meine Zielvorgabe einen guten Rhythmus zu finden und nicht zu viel Zeit zu verlieren.

Den ersten Anstieg fahre ich im Prinzip mit den gleichen Leuten, mit denen ich bereits am Vortag längere Zeit unterwegs war. „Läuft doch“, denke ich mir und vielleicht kann ich meine Platzierung von gestern heute sogar bestätigen. Als wir längere Zeit auf einem schönen Trail unterwegs sind, zieht es die Gruppe etwas auseinander. In einer schnellen Abfahrt folge ich ohne auf die Streckenmarkierungen zu achten dem Fahrer vor mir. Im „Downhillrausch“ fahren wir immer weiter den Trail talwärts, hätten aber an einer Forstwegquerung links abbiegen müssen.

 Im „Downhillrausch“ fahren wir immer weiter den Trail talwärts.
Im „Downhillrausch“ fahren wir immer weiter den Trail talwärts. - © Matthias Glaser

Als wir unseren Fehler bemerken, bliebt uns nichts anderes übrig als umzudrehen und wieder hoch auf die Strecke zu fahren. Ich reihe mich in einer Gruppe ein, versuche auf den nächsten 10 Kilometern etwas Kraft zu sparen um an den letzten beiden langen Anstiegen wieder ein paar Plätze gutzumachen.

Der Plan geht auf. Die Gruppe kann ich stehenlassen und noch ein paar Fahrer einsammeln. Ich bin froh als ich nach 3:23:25 Stunden endlich das Ziel in Schonach erreiche. Mit dem Tagesrang 51 bin ich nicht ganz zufrieden und ich freue mich auf die morgige „Flachetappe“

Tag 3: Schonach im Ferienland - Engen | 99,0 km - 1.080 hm

Heute will ich so lange wie möglich in der Spitzengruppe fahren. Wenn man die ersten zehn Kilometer übersteht, sollte das bis zur Hälfte des Rennens kein Problem sein. Zu Beginn müssen einige Höhenmeter bewältigt werden, bevor es lange leicht bergab Richtung Donaueschingen geht. Also trat ich ordentlich in die Pedale, fahre immer wieder in den roten Bereich und kann den Kontakt zur ersten Gruppe immer halten.

Die Spitzenfahrer machen ernst, zogen das Tempo an und fuhren davon.
Die Spitzenfahrer machen ernst, zogen das Tempo an und fuhren davon. - © Matthias Glaser

Leider wird dann bis Furtwangen so gebummelt, so dass immer mehr Fahrer von hinten aufschließen können und sich ein für Mountainbikerennen ungewöhnlich großes Peleton bildet. Ohne großen Kraftaufwand werden so recht zügig die nächsten 30 Kilometer runtergespult, bis sich uns die nächsten kleinen Erhebungen in den Weg stellen. Die Spitzenfahrer machen ernst, zogen das Tempo an und fuhren davon. Auch der Rest des Feldes zerfällt schnell in mehrere Gruppen. Ich finde meinen Platz in einer etwa 20-köpfigen Gruppe um die Positionen 30-50.

Die Gruppe läuft gut bis mich in der letzten Feedzone ein Fahrer vom Rad holt. Kurze Schrecksekunde, so etwas passiert nun mal im Eifer des Gefechts und zum Glück sind Ross und Reiter heil geblieben. Aufstehen, aufsitzen und der Gruppe hinterherjagen. Mit großem Kraftaufwand kann ich nach drei Kilometern mit Gegenwind den Kontakt zur Gruppe wiederherstellen. Die teils giftigen Rampen auf den letzten zehn Kilometern machen mich richtig fertig und ich muss einen Teil der Gruppe ziehen lassen. Nach genau 3:20 Stunden überquere ich als 39. völlig al dente die Ziellinie in Engen.   

Tag 4: Engen - Murg | 114,5 km - 2.000 hm

Heute steht mit über 114 Kilometern die längste Etappe des diesjährigen Trans Schwarzwald auf dem Programm. Da ich bei anderen Etappenrennen schon längere Etappen gefahren bin, bereitet mir der heutige Abschnitt kein Kopfzerbrechen, zumal ja „nur“ 2000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Zunächst geht es von Engen hoch auf den Randen und gut 25 Kilometer hügelig entlang des plateauartigen Höhenzugs in die Schweiz.

Ich orientiere mich an den Fahrern mit denen ich die letzten Tage unterwegs war und es bildet sich eine etwa 15-köpfige Gruppe, die auf der anschließenden Abfahrt und dem bis Kilometer 66 folgenden Flachstück gut funktioniert. An den folgenden Anstiegen können sich zwar immer wieder einige Fahrer aus der Gruppe lösen, aber spätestens in den Abfahrten und Flachstücken rollt wieder alles zusammen. Erst ab Kilometer 100 und an den letzten beiden knackigen Anstiegen beginnt ein Ausscheidungsfahren.

Mit dem 35. Rang erreiche ich mein bestes Tagesergebnis bei der diesjährigen Trans Schwarzwald.
Mit dem 35. Rang erreiche ich mein bestes Tagesergebnis bei der diesjährigen Trans Schwarzwald. - © Matthias Glaser

Leider bin ich einer der ersten die hinten aus der Gruppe platzen. „Scheiße! Jetzt muss ich die letzten 14 Kilometer mit zwei Anstiege und einem sechs Kilometer langem Flachstück entlang des Rheins alleine fahren“, denke ich. Nach einigen Minuten kann ich zu einem Konkurrenten auffahren und wir sind uns beide einig, dass es besser ist, die letzten Kilometer zusammenzubleiben. Wir wechseln uns in der Führungsarbeit ab, können sogar noch den ein oder anderen Fahrer einholen und erreichen gemeinsam das Ziel in Murg. Mit dem 35. Rang erreiche ich mein bestes Tagesergebnis bei der diesjährigen Trans Schwarzwald.   

Tag 5: Murg - Feldberg | 64,5 km - 2.050 hm

Für die Schlussetappe auf den Feldberg habe ich mir noch mal einiges vorgenommen, da ich bereits bei der Trans Schwarzwald 2010 auf der 7. Etappe an gleicher Stelle mein bestes Resultat einfuhr. Trotz der vier Tage Belastung ist bei mir noch alles im grünen Bereich und ich will von Beginn an mein Tempo fahren und am Schlussanstieg alle Kräfte mobilisieren. Obwohl ich mich nicht schlecht fühle, kann ich der Spitzengruppe nur kurz folgen und muss auch meine gewohnten Kameraden ziehen lassen – die sind heute einfach schneller.

Ich habe die Hoffnung mit Hilfe der Anderen auf den folgenden flachen zehn Kilometern doch noch in die nächste Gruppe nach vorne zu kommen.
Ich habe die Hoffnung mit Hilfe der Anderen auf den folgenden flachen zehn Kilometern doch noch in die nächste Gruppe nach vorne zu kommen. - © Matthias Glaser

Um das Tempo wenigstens einigermaßen hochzuhalten mache ich talaufwärts entlang der Murg viel Führungsarbeit. Ich habe die Hoffnung mit Hilfe der Anderen auf den folgenden flachen zehn Kilometern doch noch in die nächste Gruppe nach vorne zu kommen. Nach dem 20 Kilometer langen Anstieg will oder kann auf dem Flachstück keiner führen und so bin ich fast alles von vorne gefahren.

Der ehemalige Skispringer und heute passionierter Mountainbiker Alexander Herr – zu diesem Zeitpunkt noch in meiner Gruppe – tauft mich aufgrund meiner vielen Führungsarbeit später im Ziel "Moped". Bei jedem kleinen Anstieg wird die Gruppe etwas kleiner. Kurz vor Menzenschwand mache ich dann keine Tempoarbeit mehr um mich noch etwas für das große Finale auszuruhen.

Den Anstieg zur Farnwitte komme ich recht gut hoch, anschließend noch mal Vollgas bis zum Caritas Haus, dann kurz Kräfte sammeln für die Skibrücke und die Wiese, die einem noch mal alles abverlangen. Die Anfeuerungsrufe der Zuschauer machen die Quälerei erträglich und so rolle ich schließlich als 50. ins Ziel. In der Gesamtwertung erreiche ich den 39. Platz!

Matthias ist für das Team Hochschwarzwald die VAUDE Trans Schwarzwald 2013 gestartet.
Matthias ist für das Team Hochschwarzwald die VAUDE Trans Schwarzwald 2013 gestartet. - © Matthias Glaser

Zurückblickend hat es riesigen Spaß gemacht mit der großen Mountainbikefamilie durch den Schwarzwald zu reisen und gemeinsam Höhen und Tiefen zu erleben. Ein großes Lob natürlich auch an die Organisation und die vielen freiwilligen Helfer ohne die solche Veranstaltungen gar nicht stattfinden könnten.

Mein besonderes Dankeschön geht an die Hochschwarzwald Tourismus GmbH über die ich meinen Startplatz bekommen habe. Es war mir eine große Freude und Ehre für meine Heimat und mein Trainingsrevier starten und werben zu dürfen. Vielen Dank für die Unterstützung und eine sehr gelungene Trans Schwarzwald 2013! 

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