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Hochschwarzwälder Schneemenschen III Sechs Monate Winter

Nur wenige leben so eng auf Tuchfühlung mit dem Winter wie die Hüttenwirte am Feldberg. Heinz Blodek vom Naturfreundehaus genießt die besondere Ruhe auf der Nordseite des Feldbergs. 

von Patrick Kunkel, 19. Januar 2017

Ausgerechnet dann, wenn sich der Winter von seiner schönsten Seite zeige kommt kaum noch einer.
Ausgerechnet dann, wenn sich der Winter von seiner schönsten Seite zeige kommt kaum noch einer. - © Patrick Kunkel

Wenn unten in der Rheinebene die Krokusse blühen, denkt kein Flachländer mehr an den Winter oben auf dem Wald. Dabei liegt oft noch bis in den Mai hinein Schnee auf dem Gipfel des Feldbergs. Rund um den Gipfel des höchsten Schwarzwaldbergs kann die kalte Jahreszeit durchaus ein halbes Jahr dauern. Oder länger. Wie kommen diejenigen damit klar, die ihr Leben dauerhaft auf den Höhen verbringen?

Der Wucht des Schwarzwaldwinters voll ausgesetzt

Direkt unterhalb des Gipfels liegt das Naturfreundehaus Feldberg. Es ist der Wucht des Schwarzwaldwinters voll ausgesetzt: „Der Schneerekord vor dem Haus liegt bei 6,2 m“, sagt Heinz Blodek, Hüttenwart des Naturfreundehauses: „Ich habe hier immerhin schon 3,80 Meter erlebt.“  Dennoch sei der Winter der Gegenwart keine Bedrohung mehr wie er es in den alten Tagen für die Bauern auf den Höhen des Schwarzwalds gewesen sei.

Auch wenn das 1926 eröffnete Haus äußerlich noch immer so aussehe wie damals: heute gibt es eine Zentralheizung und jeden Morgen räumt Loipenfahrer Conny Gröbler die Zufahrt zur Hütte, man erreicht das Naturfreundehaus zu Fuß, mit Schneeschuhen und per Ski. Oder lässt sich und das Gepäck von Heinz mit dem Motorschlitten den letzten Kilometer vom Parkplatz am Rinkenpass hinauffahren.

Rund um den Gipfel des höchsten Schwarzwaldbergs kann die kalte Jahreszeit durchaus ein halbes Jahr dauern.
Rund um den Gipfel des höchsten Schwarzwaldbergs kann die kalte Jahreszeit durchaus ein halbes Jahr dauern. - © Patrick Kunkel

„Früher konnte man hier auch im Sommer nur zu Fuß hoch“, sagt Heinz. „Und es wurde mit Holz geheizt. Im ganzen Haus gab es damals nur eine Dusche im Keller und die war für das Personal. Dafür gab es über 100 Schlafplätze. Die Gäste lagen damals halt noch zusammen. Heute haben wir halb so viele Betten. Ich glaube aber nicht, dass es unbedingt viel härter war. Ich würde eher sagen: Die Zeit war für alle gesünder und beweglicher.“
In den 1950er Jahren wurde eine Raupe angeschafft, und seitdem musste sich zumindest Hüttenwart nicht mehr zu Fuß hochbewegen.

Weg vom Trubel hin zum richtigen Winter

Seit 12 Jahren lebt Heinz im Naturfreundehaus, er führt Gäste auf Schneeschuhen durch den Winterwald, alleine ist er am liebsten bei widrigen Wetterlagen unterwegs, „weil es dann wirklich ruhig und einsam ist.“

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„Ich brauche nur ein paar Meter zu gehen, dann ist alles andere unwichtig.“

" Heinz Blodek

„Die Verbindung aus Schnee, Wald, Lichter, Weihnachten. Und dann ein warmer Ofen. Das kann man hier oben fantastisch erleben.“
Auf der Nordseite sei der Feldberg im Winter besonders ruhig. Ruhiger jedenfalls als am Seebuck und Richtung Herzogenhorn

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„mit all dem Trubel und Kommerz. Da ist es immer laut. Hier bei uns ist noch richtig Winter.“

" Heinz Blodek

Den Gegensatz gab es nicht immer: Kurz nach der Gründung des Hauses zogen die Skifahrer aus Freiburg in Scharen auf die Nordseite des Feldbergs. „Die Leute sind zum Skifahren gekommen. Am Baldenweger Buck gab es einen richtigen Skibetrieb. Früher waren hier Rennen und es gab eine Sprungschanze im Tännlefriedhof.“ Allerdings war der damalige Skibetrieb nicht mit dem Trubel der heutigen Pisten und Lifte zu vergleichen. „Die Pisten wurden nicht mit einer Maschine, sondern mit Ski präpariert.“

Der damalige Hüttenwart des Naturfreundehauses war zugleich auch Skilehrer. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Lifte am Seebuck gebaut wurden, wurde es ruhiger rund um das Naturfreundehaus – zum Abfahrtsskifahren kam bald schon keiner mehr. In den achtziger Jahren wurde sogar mal kurz darüber nachgedacht, das Haus zu schließen. Inzwischen sei die Bude wieder voll, berichtet Heinz, auch wenn ein geregelter Skibetrieb mitten im Naturschutzgebiet nicht erlaubt wäre: „Mittlerweile läuft es wieder gut über die ganzen sanften Natursportarten im Winter: Tourenski, Schneeschuh, Langlauf.“

Dennoch gebe es immer Zeiten, da ist es ganz besonders ruhig unterhalb des Baldenweger Bucks. Ausgerechnet dann, wenn sich der Winter von seiner schönsten Seite zeige kommt kaum noch einer., sagt Heinz. Und im November, wenn früher der erste Schnee Einzug hielt, allzu oft begleitet von richtigem Schmuddelwetter: „Da ist man hier oben richtig einsam.“

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„Im Frühjahr, wenn unten die Blumen blühen, will keiner mehr den Winter sehen. Dabei liegt dann hier oben noch eine Menge Schnee und es ist warm wie auf einem Gletscher. Wunderschön!“

" Heinz Blodek

Schneeschippen ist übrigens kein großes Thema, selbst dann nicht, wenn „ganz viel runterkommt“: „Wir müssen relativ wenig schippen. Die Dächer der Schwarzwaldhäuser sind ja so gebaut, dass sie genau das vermeiden, auch bei extremen Schneefällen. Außerdem sind die Laufwege draußen zwischen dem Haus und dem Schopf nur kurz. Das Haus ist schlau konstruiert!“

Mit Vorsicht zu genießen

Den Winter dürfe man allerdings auch nicht unterschätzen: Heinz kennt den Feldberg wie seine Westentasche, dennoch hat auch er sich schon verirrt. „Ich kenne keinen Hüttenwirt hier oben, der sich noch nicht verlaufen hat. Besonders auf der Hochfläche des Feldbergs. Da hast du bei Sturm, bei Schneefall oder Wolken und Nebel keine Sicht mehr, dann läuft eigentlich jeder im Kreis.“ Ein Reiseautor der wilhelminischen Zeit, Wilhelm Jensen, hatte damals schon in einem der ersten Reiseführer „Durch den Schwarzwald“ vor Nebel und Schneestürmen auf dem Höchsten gewarnt: „Die seltsamsten Berichte über Nebelverirrungen auf dem Feldberg sind beglaubigt.“

Den Winter dürfe man allerdings auch nicht unterschätzen: Heinz kennt den Feldberg wie seine Westentasche, dennoch hat auch er sich schon verirrt.
Den Winter dürfe man allerdings auch nicht unterschätzen: Heinz kennt den Feldberg wie seine Westentasche, dennoch hat auch er sich schon verirrt. - © Patrick Kunkel

Immerhin sei man heutzutage im Winter nicht mehr von der Außenwelt abgeschnitten, während dies früher während der monatelangen Schneeperioden eher die Regel war: „Die Wege zwischen den Hütten waren zu weit, es gab keine Zufahrten, da war man halt eingeschneit und aufgrund der schlechten Transportmittel auch abgeschnitten bis weit in die 1950er Jahre. Das hat sich erst mit den Liften und dem Skibetrieb geändert und der Möglichkeit, die Wege zu walzen und zu räumen.“

Hochschwarzwälder Schneemenschen I
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