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Von Jägern und ihren Trieben Waidmannsheil in Grün und Orange

Will man im Hochschwarzwald gestandene Mannsbilder sehen, muss man zur Jagd gehen. Traditionell finden an dem Montag nach Chilbi, der Kirchweih, Treibjagden statt, so wie die 30. Chilbijagd in Eisenbach.

von Barbara Bollwahn, 29. Oktober 2013

Will man im Hochschwarzwald gestandene Mannsbilder sehen, muss man zur Jagd gehen.
Will man im Hochschwarzwald gestandene Mannsbilder sehen, muss man zur Jagd gehen.  - © Barbara Bollwahn

Im Halbrund steht ein gutes Dutzend Jäger auf dem Beierleshof in dem 250 Einwohner zählenden Ortsteil Schollach. Die dominierenden Farben sind grün und orange. Grün wie die Hoffnung sind Hosen, Stiefel und Hüte. In der Warnfarbe Orange sind Westen, Jacken und Bänder an den Filzhüten. Es gibt Hosenträger mit Jagdmotiven ebenso zu bewundern wie fast einhundert Jahre alte Gehstöcke, die sich mit einem Handgriff in eine Sitzgelegenheit verwandeln lassen. Der älteste Jäger ist stattliche 79 Jahre, der jüngste gerade volljährig.

Die dominierenden Farben sind grün und orange. Grün wie die Hoffnung sind Hosen, Stiefel und Hüte. In der Warnfarbe orange sind Westen, Jacken und Bänder an den Filzhüten.
Die dominierenden Farben sind grün und orange. Grün wie die Hoffnung sind Hosen, Stiefel und Hüte. In der Warnfarbe orange sind Westen, Jacken und Bänder an den Filzhüten. - © Barbara Bollwahn

Verständigen und gucken

Jäger Franz, Automechaniker von Beruf, begrüßt die Teilnehmer auf dem Hof seines Bruders Klaus, ebenfalls passionierter Jäger, und zudem Gewinner der diesjährigen Vereinsmeisterschaft der Kreisjägervereinigung Hochschwarzwald. Er gibt sogleich die wichtigsten Informationen bekannt: Es wird drei Triebe geben, ein Trieb ist das zu bejagende Gebiet, geschossen werden dürfen Rehe, Hasen, Wildsäue und Füchse. Rehböcke dürfen nicht erlegt werden, sie haben seit Mitte Oktober bis zum 1. Mai Schonzeit. „Sicherheit ist das wichtigste“, betont Jäger Franz. „Untereinander verständigen und gucken. Jeder ist für seine Schüsse verantwortlich. Das ist das A und O. Waidmannsheil!“ Vier Jäger setzen ihre Waldhörner an und blasen zur Jagd. Die aufgeregten Hunde stimmen mit lautem Bellen ein. Kaum ist der letzte Ton verklungen, geht es mit Autos, Jagdgewehren und Schwarzwälder Bracken, Dackeln und Irish Beagles uffi, hoch in den Wald.

„Hohoho!!!“ und „Hehehe!!!“- Die Autorin ist als Treiber dabei.
„Hohoho!!!“ und „Hehehe!!!“- Die Autorin ist als Treiber dabei. - © Barbara Bollwahn

Sobald die Jäger auf den ihnen zugewiesenen Plätzen und Hochsitzen hocken und die Treiber verteilt sind, wird die Jagd per Handy eröffnet. Alle haben Empfang, was in 1.100 Meter Höhe nicht unbedingt immer der Fall ist. Mit lauten „Hohoho!!!“ und „Hehehe!!!“-Rufen laufen die Treiber durch den Wald, den der sonnige Spätherbst in goldenes Licht taucht, so dass Moose und Farne ihn märchenhaft erscheinen lassen. Allerorten sprießen Pilze. Gebe es so viel Wild wie Maronen, die Jäger kämen mit dem Laden ihrer Gewehre gar nicht nach. Aber so dauert es eine ganze Weile, bis der erste Schuss zu hören ist. Ab und an springt ein Reh aus dem Unterholz und verschwindet mit großen Sprüngen im schwarzen Wald. Ein Jäger, der beim Treiben hilft, füllt seinen Hut mit den letzten Pfifferlingen dieses Jahres, um nicht mit gänzlich leeren Händen zurück zu kehren.

Mittag für die Michnicks

Am Mittag sammeln sich alle wieder im Wald. Auch wenn kein Wild zur Strecke gebracht wurde – Strecke ist der Fachbegriff für Wild und lässt den Laien den Ausdruck „Jemanden zur Strecke bringen“ in anderem Licht sehen- ist die Stimmung gut. Lachend begrüßt ein Jäger die erschöpften Treiber als „Michnicks“ und klärt sie sogleich über die Bedeutung des Wortes auf. „Michnick“ steht für „mich nicht“. Sein Lachen ist so laut, dass es jedes Wild in der Nähe vertreiben würde. Mit kurzen Sätzen und einzelnen Wörtern bringen die Schwarzwälder Jäger den ersten Teil der Jagd auf den Punkt. „Zapperlott!“ „Der Fuchs war zu schnell.“ „Ich seh’s Reh, s’Reh sieht mich und weg war’s.“ „Batsch, batsch hat’s gemacht.“ „Ich hab auf einen Fuchs gepulvert.“ „Leck mich am Arsch.“ Schnell ist der Wind als ein möglicher Grund für das Jagdpech ausgemacht. „Der Wind ist des Jägers Teufels Not“, sagt Jäger Franz. Drehende Winde, erklärt er, seien das schlechteste überhaupt.

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„Man lebt immer von der Hoffnung“,

" Jäger Franz

tröstet sich der Jäger mit den Pfifferlingen. Nach dem zweiten Trieb geht’s abi, hinunter auf den Hof, zum Mittagessen. Bäuerin Silvia hat Bockwurst, Kartoffelsalat und Linzer Kuchen in der Garage vorbereitet, gerichtet, wie man hier sagt. Auch hier drehen sich die Gespräche um die Jagd. Es geht um bleifreie Munition, die ab dem kommenden Jahr in Staatsforsten Pflicht ist, um Wildpflege und um die nächste Jagd, die Mitte November stattfindet und für die Einladungen verteilt werden.

Ein Jäger, der beim Treiben hilft, füllt seinen Hut mit den letzten Pfifferlingen dieses Jahres, um nicht mit gänzlich leeren Händen zurück zu kehren.
Ein Jäger, der beim Treiben hilft, füllt seinen Hut mit den letzten Pfifferlingen dieses Jahres, um nicht mit gänzlich leeren Händen zurück zu kehren.  - © Barbara Bollwahn

Gestärkt machen sich die Jäger und Treiber nach einer Stunde auf zum zweiten Teil der Jagd. „Hehehe!“ „Hohoho!“ Dieses Mal hallen bald die ersten Schüsse durch den Wald. Ein Jäger sitzt auf einem Baumstamm, neben sich seinen grauen Jagdhund, vor sich ein erlegtes Reh, das er bereits aufgebrochen, also ausgenommen, hat.

Den Schnaps in der Linken

Am späten Nachmittag ist die Jagd vorbei. Die Ausbeute: zwei Rehe, zwei Füchse, ein Hase. Die Füchse werden entsorgt, die Rehe werden an einen Jäger verkauft, der den Gasthof „Blessinghof“ betreibt, wo sich die Jagdgesellschaft am Abend wieder trifft. „Es ist schön, dass alle gesund und munter zurück sind“, begrüßt Jäger Franz seine Kollegen. Ein Extradank geht an die Treiber „die die ganze Strecke abgewackelt haben“. Die Waldhornbläser beenden die Jagd mit einem zünftigen „Jagd vorbei“ und wieder stimmen die erschöpften Hunde laut bellend ein.

Sobald die Jäger auf den ihnen zugewiesenen Plätzen und Hochsitzen hocken und die Treiber verteilt sind, wird die Jagd per Handy eröffnet.
Sobald die Jäger auf den ihnen zugewiesenen Plätzen und Hochsitzen hocken und die Treiber verteilt sind, wird die Jagd per Handy eröffnet. - © Barbara Bollwahn

Der „Blessinghof“ liegt im Bereich der Jägervereinigung Hochschwarzwald mit einer Gesamtfläche von über 600 Quadratkilometern und darf das Prädikat „Wild aus der Region“ tragen. Wer nun glaubt, dass die Jäger alle Rehragout, Rehbraten oder Jägerspieß vom Rehrücken bestellen, irrt. Die meisten nehmen Schnitzel mit Pommes. Den Schnaps auf die Chilbijagd trinken sie mit der linken Hand. Die rechte Hand ist zum Schießen da.

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