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Der Schwarzwald im Winter Magischer Winterwald Teil 2

Schneebedeckte Tannenwälder und tief verschneite Berggipfel – keine andere Jahreszeit hat den Schwarzwald so geprägt wie der Winter. Seine Schneelandschaften inspirierten Maler, Poeten und Abenteurer. Kein Wunder, dass hier der Skisport erfunden wurde. Noch heute gilt der verschneite Tannenwald als Archetyp des Schwarzwalds. Bei klirrender Kälte die Stille des tief verschneiten Waldes wahrzunehmen, ist eines der eindrücklichsten Naturerlebnisse. Doch warum ist es im Winter eigentlich so still im Wald?

von Birgit-Cathrin Duval, 25. Oktober 2016

Nicht nur Tiere halten Winterschlaf und Winterruhe. Auch der Wald verfällt während des Winters in eine Art Tiefschlaf.
Nicht nur Tiere halten Winterschlaf und Winterruhe. Auch der Wald verfällt während des Winters in eine Art Tiefschlaf. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Des Waldes Winterschlaf

Nicht nur Tiere halten Winterschlaf und Winterruhe. Auch der Wald verfällt während des Winters in eine Art Tiefschlaf. Ähnlich wie die winteraktiven Tiere sammeln die Bäume während der warmen Jahreszeit einen Vorrat an überlebenswichtigen Stoffen an, von denen sie den Winter über zehren.

Bäume sind erstaunliche Lebenskünstler. Ihre Strategie mit der sie die Wintermonate bis zum Frühjahr überbrücken, ist ebenso einfach wie genial: Um ihre Blätter im Winter vor dem Erfrieren zu bewahren, werfen die Laubbäume sie einfach ab. Fichten, Tannen und Kiefern hingegen versiegeln ihre Nadeln mit einem natürlichen Frostschutzmittel.

Während des Frühjahrs und Sommers verdunstet jeder Baum täglich bis zu 400 Liter Wasser. Da kommt eine gewaltige Menge an Wasser zusammen, die sie über ihre Wurzeln aufnehmen. Soviel steht ihnen während der langen Wintermonate nicht mehr zur Verfügung. Der Baum würde, wären die Blätter noch an seinen Ästen, ständig einen über den Durst trinken wollen und dabei regelrecht verdursten. Schlimmer noch – das Wasser könnte im Stamm gefrieren und den Baum regelrecht auseinandersprengen. Um sich wirkungsvoll davor zu schützen, zieht der Baum die für ihn überlebenswichtigen Stoffe aus den Blättern in seinen Stamm und lagert diese gut geschützt bis zum kommenden Frühjahr ein. Ist dieser Prozess abgeschlossen ist, wird die Wasserzufuhr auf ein absolutes Minimum zurückgefahren. Den Rest überlässt der Baum bequem den vorüber ziehenden Herbststürmen – sie erleichtern den Baum um bis zu 80 Kilogramm an Blattwerk. Optimal vorbereitet können Eiche, Buche, Esche und Co. gelassen den Wintermonaten entgegensehen. Bis der erste Schnee fällt, sind zudem Insekten, Bakterien und Pilze mit dem Recyceln der Blätter zu wertvollem Humus beschäftigt.

Bäume sind erstaunliche Lebenskünstler.
Bäume sind erstaunliche Lebenskünstler. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Trickreiche Tannen und ihre Frostschutzmittel

Nadelbäume sind von Natur aus weniger durstig. Sie kommen auch wesentlich besser mit Trockenheit und Kälte zurecht. Im Vergleich zu den Blättern weisen ihre Nadeln winzig kleine Spaltöffnungen auf. Tannen, Fichten und Co. behelfen sich eines kleinen Tricks: Sie versiegeln im Winter ihre Öffnungen mit einer Wachsschicht und stoppen so ihre Verdunstung. Dieses natürliche „Frostschutzmittel“ schützt sie vorm Erfrieren. Deshalb besteht für Nadelbäume kein Anlass, sich ihrer Nadeln zu entledigen. Eine Ausnahme bildet hier die Lärche, die sich an sehr kalte und trockene Standorte angepasst hat und ihre Nadeln lieber abwirft, um zu überwintern.

Der Wald erdet uns auf ganz natürliche Weise.
Der Wald erdet uns auf ganz natürliche Weise. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Ameisen ziehen in die Unterwelt, Fledermäuse und Igel werfen die Heizung an

Die emsigsten Waldbewohner, die Ameisen, ziehen sich mehrere Meter tief unter die Erde zurück. Dort fällt die gesamte Kolonie in eine Winterstarre. Bevor es soweit ist, steht noch ein letzter Toilettengang an. Die Krabbeltiere entleeren ihren Darm und minimieren ihre Körperflüssigkeiten, damit sie nicht einfrieren. So überleben die Ameisen Temperaturen bis zu minus 15 Grad ohne Probleme.

Fledermäuse sind typische Winterschläfer. Mit angefutterten Fettreserven suchen sie sich Höhlen und Öffnungen, in denen sie sich kopfüber hängend einnisten. Sinkt die Temperatur unter ein Grad, erhöhen Fledermäuse automatisch ihre Körpertemperatur, um sich vorm Erfrieren zu schützen.

Ähnlich verhalten sich Igel, die ihren Stoffwechsel herunterfahren und bis in den April hinein Winterschlaf halten. Sobald die Temperaturen Richtung Gefrierpunkt fallen, heizen Igel nach und fahren ihre Körpertemperatur nach oben.

Wer durch den Winterwald spaziert, wird überall Spuren im frisch gefallenen Schnee entdecken. Sie gehören zu den Waldbewohnern, die Winterruhe halten. Zu ihnen zählen Rehe, Schwarzwild, Füchse, Hasen, Luchse, Eichhörnchen und das Auerhuhn. Sie sind im Winter aktiv, drosseln ihren Organismus jedoch auf Sparflamme herab. Denn selbst die geringste Aktivität ist mit einem großen Energieverlust verbunden. Und das kann sich während eines kalten und nahrungsarmen Winters keiner leisten. Rehe verharren deshalb oft stundenlang an einem Platz, Eichhörnchen kommen nur an sonnigen Tagen aus dem Nest, um nach ihren versteckten Nüssen zu suchen.

Der Winterwald erdet auf natürliche Weise 

Es ist faszinierend mitzuerleben, wie die Natur inne hält und sich den Raum schafft, in dem Kräfte und Reserven geschont werden. Der Pulsschlag sinkt, alles geht eine Spur langsamer. Vielleicht wirkt gerade deshalb der Winterwald so wohltuend und beruhigend auf uns? Der Wald erdet uns auf ganz natürliche Weise und zeigt, wie einfach es doch ist, aus der Ruhe neue Kraft zu schöpfen.

Magischer Winterwald Teil 1
Magischer Winterwald Teil 3
Magischer Winterwald Teil 4

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