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Herbst Magischer Winterwald Teil 1

Nebel wabert über den Tannenspitzen, es riecht erdig nach Laub und Moos. Blattlose Äste von Buchen und Eichen greifen geisterhaft in den von Wolken verdeckten Himmel. Die Sonne verliert ihre Kraft, die Tage werden kürzer. Die lauen Spätsommertage sind endgültig vorbei. Ein kalter Wind bläst über die Gipfel. In der Nähe krächzt ein Eichelhäher, von den Wipfeln ist das Rauschen der Tannen zu hören. Mit einem Mal ist es still, als würde der Wald den Atem anhalten. 

von Birgit-Cathrin Duval, 25. Oktober 2016

Ankommen und Runterkommen, tief durchatmen und die heilende Kraft des Waldes in sich aufnehmen.
Ankommen und Runterkommen, tief durchatmen und die heilende Kraft des Waldes in sich aufnehmen. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Wenn Bäume erzählen könnten

Für Katrin Ernst beginnt im Herbst die schönste Jahreszeit. Die 32-Jährige Forstbeamtin ist von Berufs wegen im Wald unterwegs. Am liebsten bei Inversionswetterlagen, wenn die oberen Luftschichten wärmer sind als die unteren. Dann bleibt der Nebel unten im Tal kleben und oben auf den Gipfeln scheint die Sonne. Im Herbstwald unterwegs zu sein, „das erdet mich“, sagt Katrin Ernst. „Wenn ich unter den alten Tannen stehe, die 300 oder 400 Jahre alt sind, das ist schon etwas Besonderes. Was die Bäume im Laufe der Jahrhunderte alles erlebt haben, davon bekomme ich nur einen kleinen Abschnitt mit.“

Der Herbst ist eine der spannendsten Jahreszeiten, um den Schwarzwald zu erleben.
Der Herbst ist eine der spannendsten Jahreszeiten, um den Schwarzwald zu erleben. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Geheimnisvoller Nebelwald

Wenn die goldenen Oktobertage in den nasskalten November übergehen und den Schwarzwald mit dickem Nebel umhüllen, will man am liebsten in der warmen Stube bleiben. Dabei ist der Herbst eine der spannendsten Jahreszeiten, um den Schwarzwald zu erleben. Der Nebel verleiht dem Wald etwas Mystisches, Geheimnisvolles. Auch wenn es scheint, als stehe alles still, in den Wäldern herrscht Hochbetrieb: Pflanzen und Tierwelt rüsten sich für die bevorstehende Winterzeit. Dabei greifen sie auf faszinierende Überlebensstrategien zurück. Bäume stellen mit Beginn der kalten Jahreszeit ihre Wasseraufnahme ein. Damit wirken sie einem Gefrieren des Baumsaftes entgegen. Auch das Abwerfen der Blätter dient dem Überleben. Ein Baum, der seine Blätter nicht verliert, würde schlichtweg verdursten oder erfrieren, da er über die Blätter das aufgenommene Wasser verdunstet.

Anders sieht es bei den Nadelbäumen aus. Sie schützen sich mit einer dicken Wachsschicht auf den Nadeln. Auf diese Weise wird die Verdunstung eingeschränkt. Außerdem besitzen die dünnen Nadeln eine wesentlich kleinere Verdunstungsfläche als Blätter. Einzige Ausnahme ist die Lärche, die, wie ein Laubbaum, im Winter ihre Nadeln abwirft.

„Wer durch den Wald läuft, spürt, dass es ein Ort der Kraft ist“
„Wer durch den Wald läuft, spürt, dass es ein Ort der Kraft ist“ - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Die letzten Denkmäler des Schwarzwaldes

Als Revierförsterin ist Katrin Ernst für die Bewirtschaftung und den Schutz des Waldes verantwortlich. „Da geht es nicht nur um Ökonomie, sondern auch um Ökologie.“ Den alten Tannen begegne sie mit Ehrfurcht, sagt sie. Schließlich sind Tannen die Urbäume des Schwarzwalds. Im vergangenen Jahrhundert wurden die Wälder regelrecht leergeforstet. Heute besteht der Wald überwiegend aus Fichten. Die verbliebenen, viele hundert Jahre alten Tannenbäume sind die letzten Denkmäler, die daran erinnern, wie wild und ursprünglich der Schwarzwald einst war.

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„Wer durch den Wald läuft, spürt, dass es ein Ort der Kraft ist“

" Katrin Ernst

Sie sagt das, ohne esoterisch zu klingen. Wie wichtig der Wald für den Menschen eingestuft wird, zeigt das Waldgesetz, das jedermann das Recht gibt, den Wald „zum Zwecke der Erholung“ zu betreten. Als Heimatbotschafterin ist es Katrin Ernst zudem ein großes Anliegen, Urlauber und Gäste für den Wald zu begeistern und für den Naturschutz zu sensibilisieren.

Wissenschaftliche Studien bestätigen inzwischen, dass Spaziergänge im Wald der Seele gut tun: die frische, unverbrauchte Waldluft, der harzige Duft der Tannen, der mit Moos bewachsene erdige Waldboden. Nimmt man sich die Zeit und bleibt neben einem knorrigen Stamm eines Urbaums stehen, lässt sich erahnen, welche gewaltigen Kräfte in dessen Wurzeln stecken. Der Wald hilft beim Stressabbau und stärkt auf natürliche Weise das Immunsystem. Wer durch den Herbstwald wandert, spürt unmittelbar den Pulsschlag der Natur. Ankommen und Runterkommen, tief durchatmen und die heilende Kraft des Waldes in sich aufnehmen. Der Wald ist eines der wertvollsten Heilmittel unserer Zeit – und das völlig kostenlos.

Magischer Winterwald Teil 2
Magischer Winterwald Teil 3
Magischer Winterwald Teil 4

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