Mit Leib und Seele Warum die Familien Hättich und Simon sich im Schwarzwaldverein engagieren

Der Schwarzwaldverein ist deutlich mehr als nur ein Wanderverein – und ein Verein für alle Generationen: In der Ortsgruppe St. Märgen sind aus den beiden Familien Hättich und Simon Großeltern, Eltern und Kinder im Verein aktiv. Und wenn sie alle zusammenkommen, gibt es einiges zu erzählen.

von Gabriele Hennicke, 22. Januar 2020

Waldweg zwischen St. Peter und St. Märgen
Waldweg zwischen St. Peter und St. Märgen - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Ulrike Hättich, die Wanderwartin des St. Märgener Schwarzwaldvereins, steht in der Küche und blickt besorgt auf die Wettervorhersage. Morgen steht die traditionelle "Chilbiwanderung" an, bei der sie jedes Jahr die Führung der Gruppe übernimmt. Bis jetzt sind die Prognosen schlecht. Zweimal hat die Wanderführerin die Strecke im Vorfeld bereits mit ihrem Mann Helmut abgelaufen, damit es unterwegs keine unliebsamen Überraschungen gibt. Außerdem hat die 61-Jährige einen ganzen Wäschekorb voll Chilbikuechle gebacken, mit Unterstützung ihres Mannes und ihres 14-jährigen Enkels Julian. Die "Kuechle" wird sie auf die Wanderung mitnehmen und an ihre Mitwanderer verteilen. „Vor ein paar Jahren war das mal eine spontane Idee und die Leute waren glücklich, deshalb gibt’s die Kuechle jetzt jedes Jahr“, sagt Ulrike Hättich lachend. Die Teigstücke werden im Fett ausgebacken und erinnern in Aussehen und Geschmack an die "Scherben", die es an Fastnacht im Schwarzwald gibt.

Die Chilbikuechle macht Ulrike Hättich traditionell zu jeder Chilbiwanderung
Die Chilbikuechle macht Ulrike Hättich traditionell zu jeder Chilbiwanderung - © Gabriele Hennicke

Nach ihrer Tour wird die Wandergruppe am Abend noch in einem St. Märgener Gasthaus zum Chilbibratenessen einkehren.

Die Hochschwarzwälder "Chilbi" – die es vielerorts in Deutschland in ähnlicher Form als Kirchweihfest gibt – hat ihren Ursprung als traditionelles Erntedankfest für Knechte, Mägde und Hirtenbuben. Begangen wurde es immer am dritten Oktobersonntag sowie am folgenden Montag und Dienstag. Ewald Simon, mit 76 Jahren der Senior der Runde, kennt den Chilbi-Brauch noch aus seiner Kindheit, als er selbst Hirtenjunge war. „Meine Oma hat immer auch noch einen Schluck 'Medizin', also Kirschwasser, in den Teig gegeben“, erinnert er sich augenzwinkernd.

„Irgendwas passiert immer“

Ulrike Hättich läuft bereits seit rund 30 Jahren bei den Wanderungen des Schwarzwaldvereins St. Märgen mit. Seit 2002 ist sie Mitglied im Verein. Auch Ehemann Helmut und ihre drei Kinder waren als junge Erwachsene oft dabei. Sohn Christian lebt mit seiner Familie zwar inzwischen in Feldberg-Falkau. Dessen Sohn Julian, der sich ebenfalls zu einem passionierten Wanderer entwickelt hat, ist aber nach wie vor oft bei den Großeltern in St. Märgen, zusammen mit ihnen im Hochschwarzwald unterwegs und begleitet sie bei den Vorbegehungen. Was ihn am Wandern begeistert? „Irgendwas passiert immer“, hat Julian festgestellt. „Wisst ihr zum Beispiel noch, wie Opa einmal seine 1000-Euro-Brille und ich mein Handy verloren haben?“ Glücklicherweise wurde beides wiedergefunden.

Zwölf bis 15 geführte Wanderungen im Jahr bietet die Ortsgruppe St. Märgen des Schwarzwaldvereins für Mitglieder und Interessierte an. Der Verein, der 1891 ursprünglich als Ortsverschönerungsverein gegründet wurde, hat etwa 370 Mitglieder – und das bei 1900 Einwohnern. Vor nicht allzu langer Zeit hatte der Verein sogar um die 500 Mitglieder, darunter auch viele Schwarzwaldurlauber, weiß Thomas Simon (48), seit drei Jahren Vorsitzender des Vereins.

Sein Vater Ewald, der aus einer Kaufmannsfamilie samt Fuhrunternehmen kommt, war sich schon als junger Mensch der Bedeutung des Schwarzwaldvereins für den Tourismus bewusst und trat ihm deshalb bei.  „Kaum ein Verein tut so viel für die Gemeinschaft und für den Tourismus wie der Schwarzwaldverein“, sagt Ewald Simon. Ohne ihn hätten es Wanderer im Schwarzwald deutlich schwerer, sich zu orientieren und ihr Wanderziel zu erreichen. Denn die Mitglieder kümmern sich um die einheitliche Beschilderung des Wegenetzes mit der gelben Raute. Sage und schreibe 24 000 Kilometer umfasst dieses im ganzen Schwarzwald.

Ulrike Hättich mit Enkel Julian und Ehemann Helmut im Hintergrund.
Ulrike Hättich mit Enkel Julian und Ehemann Helmut im Hintergrund.  - © Ulrike Hättich

Lokalpatrioten mit Familiensinn

Mit Ewald, seinem Sohn Thomas und dessen Frau Bettina sowie Enkelin Ella (9), die schon fleißig die Wanderstiefel schnürt, sind inzwischen drei Generationen der Familie Simon beim Schwarzwaldverein St. Märgen mit dabei. Speziell für Kinder organisiert Thomas Simon einmal im Jahr eine Familienwanderung – mit kurzer Strecke und spannenden Spielen im Wald.

Es dreht sich im Schwarzwaldverein aber nicht immer alles nur ums Wandern: Während seines Berufslebens hatte Ewald Simon als Dorfladen-Inhaber kaum einmal Zeit für eine Tour. Selbst der Sonntag war der Arbeit gewidmet, wie er erklärt. Da er sich aber zeitlebens für die Geschichte seiner Heimat interessierte, brachte er sich im Bereich Heimatpflege in den Verein ein. So restaurierte er in mühevoller Arbeit das Thaddäusbrünnele bei der Ohmenkapelle und begann, Kleindenkmale zu erfassen – eine Aufgabe, die der Hauptverein allen rund 220 Ortsgruppen gestellt hatte.

Im Jahr 2010 übernahm Sohn Thomas, Steinmetz- und Steinbildhauermeister, die Aufgabe des Vaters. Er führte die Erfassung der Kleindenkmale fort und bot Wanderungen mit heimatpflegerischem Hintergrund an. „Ich bin Lokalpatriot“, sagt er und zeigt Fotos von Sitzbänken, die er gemeinsam mit seinem Vater restauriert hat. Solche Aktionen verbinden Vater und Sohn, wie Thomas Simon erkannt hat: „Wir sind beide Bastler und schaffen gerne körperlich.“

Auch vor zwei Jahren, bei den Feierlichkeiten zum Ortsjubiläum "900 Jahre St. Märgen", brachte sich der Verein ein: Entlang des rund sieben Kilometer langen Wanderweges von St. Märgen zum Thurner wurden neun Stelen aus Schwarzwälder Sandstein aufgestellt, von denen jede für ein Jahrhundert Dorfgeschichte steht. Geschaffen hatte sie Thomas Simon, der auch eine geführte Stelen-Wanderung anbot. Mehr als 100 Teilnehmer verbanden dabei die beiden zentralen Themenfelder, in denen die St. Märgener Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins sich engagiert: Wandern und Heimatpflege.

Wandern auf den Spuren der Vergangenheit: Auf der rund sieben Kilometer langen Stelen-Route von St. Märgen zum Thurner beschreiben Info-Tafeln an jeder Stele jeweils eine Jahrhundert Dorfgeschichte
Wandern auf den Spuren der Vergangenheit: Auf der rund sieben Kilometer langen Stelen-Route von St. Märgen zum Thurner beschreiben Info-Tafeln an jeder Stele jeweils eine Jahrhundert Dorfgeschichte  - © Thomas Simon

Lieblingstouren von …

Ulrike Hättich:
Panoramawanderung rund um den Kapfenberg
"Hinter dem Hotel Hirschen in St. Märgen geht es an der Rankmühle vorbei ins Waldgebiet der Gutacherhalde. Während der nächsten drei Kilometer bietet sich immer wieder eine schöne Aussicht ins Wildgutach- und Simonswäldertal. Vorbei am Zweribach-Bannwald, erreicht man die Gschwanderdobelhütte. Kurz zuvor zweigt beim Wegweiser "Hirschmatte" ein Hohlweg links waldaufwärts ab zum Roten Kreuz, wo sich die Landschaft wieder öffnet. Bei der Kapfenkapelle hat man einen herrlichen Ausblick auf die beiden Klosterdörfer St. Märgen und St. Peter. Durch Wald und Wiesen geht es nach St. Märgen zurück."
Strecke: 9,5 km, 200 Höhenmeter, ca. 2,5 Stunden

Thomas Simon:
Zum Thurner und auf aussichtsreichem Höhenweg zurück
"Die Tour beginnt am Kirchplatz in St. Märgen und führt an der Wallfahrtskirche vorbei auf dem alten Kirchweg hinab zum Sägewerk und weiter in den kleinen Ortsteil Holzschlag. Vorbei an der ehemaligen Matthisenmühle erreicht man die alte Schweizer-Säge und kurz darauf die ehemalige Pfistermühle. Bald wird das Wanderziel Thurner sichtbar. Ab dem Thurner-Gasthaus beginnt der aussichtsreiche Rückweg. Der Blick wandert vom Kandel über die Rheinebene hinüber zum Schauinsland und zum Höhenrücken des Feldberges. Vorbei an den Gasthäusern Sonne Neuhäusle und Steinbach-Hirschen und durch den Pfisterwald gelangt man zum Ausgangspunkt zurück."
Strecke: 13 km, 350 Höhenmeter, ca. 4 Stunden

Julian Hättich:
Durch den Bannwald zum Zweribach-Wasserfall
"Meine Lieblingswanderung führt vom Hotel Hirschen zuerst zur Rankmühle und geradeaus weiter in den Wald. Beim Wegweiser "Bannwald Zweribach" geht es auf einem schmalen Pfad rechts hinunter in den abenteuerlichen Wald, vorbei am Hohwartfelsen und an bemoosten Baumgerippen zu den Hirschbach-Fällen. Beim ehemaligen Brunehof erreicht man eine Lichtung mit Schutzhütte und schöner Aussicht. Zu den Zweribach-Wasserfällen geht es nun auf schmalem Pfad bergwärts. Vor der Brücke zwischen dem unteren und oberen Wasserfall führt ein Pfad links hinauf, der beim Wegweiser "Stockbühl" auf eine breite Waldstraße trifft. Hier geht es links zur Gschwanderdobelhütte und über das Rote Kreuz und die Kapfenkapelle zurück nach St. Märgen."
Strecke: 15 km, 350 Höhenmeter, ca. 5 Stunden

Informationen zu Wanderungen finden Sie hier. 

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