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Ort der Superlative Zahlen und Fakten zum Hochschwarzwald

Wie ist der Schwarzwald eigentlich entstanden? Wie viele Tiere und Pflanzen leben dort und welche von ihnen sind die größten beziehungsweise kleinsten? Diese Fragen haben wir einem Experten gestellt, der es wissen muss: Achim Laber, seines Zeichens Feldberg-Ranger oder, so der offizielle Titel, Naturschutzwart im Haus der Natur am Feldberg.

von Stella Schewe-Bohnert, 21. März 2017

MILLIONEN
METROPOLE
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Herr Laber, wie hat sich der Schwarzwald vom dichten Urwald zur heutigen halboffenen Landschaft entwickelt?

Achim Laber: Waldgeschichte ist ein absolut spannendes Thema. Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, dass noch vor 200 Jahren der Schwarzwald so kahlgeschlagen war, dass das Holz nicht mal mehr dazu reichte, die Freiburger Bäcker mit genügend Holz für die Backöfen zu beliefern! Bis weit ins 19. Jahrhundert war Holz alleiniger Energieträger. Dass wir heute in einigen Regionen des Schwarzwaldes über 80 Prozent Wald haben, ist der ersten Energiewende der Menschheitsgeschichte Mitte des 19. Jahrhunderts zu verdanken. Endlich weg vom Holz hin zur Kohle! Also herzlichen Dank den großen Kohlelieferanten Nordrhein-Westfalen und Saarland. Euch verdanken wir die Rückkehr unseres Schwarzwaldes, da man mit dem Einsatz der fossilen Energieträger die Holzvorräte schonen und Bäume neu aufstocken konnte.

Wie viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten gibt es?

Ich glaube, es gibt keinen Mensch auf der Welt, der diese Frage richtig beantworten kann. Es gibt Leute, die behaupten, es seien in Baden-Württemberg circa 50.000 Arten. Genau weiß es sicherlich keiner. Alleine in toten Bäumen leben schon mal über 1.000 Käferarten. Und das sind nur die Käfer. Wir haben am Feldberg Lebensräume, in denen mehr als 15 unterschiedliche Langbeinfliegen vorkommen. Die meisten Menschen wissen nicht mal, dass es Langbeinfliegen überhaupt gibt. Und dann gibt es ganze Tierfamilien, die noch überhaupt nicht richtig erforscht sind, wie beispielsweise die Zwergwespen: Die sind so klein, dass sie nur unter dem Mikroskop sichtbar sind. (Um also auf Ihre Frage nochmal zurückzukommen: keine Ahnung, nächste Frage.)

Achim Laber: Waldgeschichte ist ein absolut spannendes Thema.
Achim Laber: Waldgeschichte ist ein absolut spannendes Thema. - © Daniel Schönen

Wie lange braucht ein typischer Schwarzwaldbaum zum Wachsen?

Jeder Baum wächst sein Leben lang, die Frage ist daher eher, wie alt er wird. Schauen wir uns mal die drei typischen Schwarzwaldbaumarten an. Die Weißtanne kann bis zu 600 Jahre alt werden, Die Buche bis zu 300 Jahre und die Fichte irgendwo dazwischen. Da Bäume in den ersten 100 bis 200 Jahren immer am schnellsten wachsen und hinterher nur noch sehr langsam, werden sie in der Regel im Alter von 100 bis 200 Jahren „geerntet“. Richtig alte Bäume sind im Schwarzwald sehr selten, auch wegen der radikalen Abholzung im 18. und 19. Jahrhundert. Die älteste Weißtanne im Schwarzwald steht am Sirnitzsattel auf der Gemarkung Müllheim, die dickste Buche des Schwarzwaldes in Utzenfeld, sie ist zwischen 200 und 320 Jahre alt, und die dickste Fichte steht in Tennenbronn.

Welcher ist der größte und welcher der kleinste Organismus im Wald?

Die kleinsten Organsimen sind Einzeller, die im Waldboden sitzen und sich um die Humusproduktion kümmern. Und beim größten Organismus – da bin ich mir sicher, da hätte sich manch einer vertippt – handelt es sich um einen Pilz. Das Bodengeflecht des Hallimasch kann mehrere Quadratkilometer groß werden und ist mehrere 100 Tonnen schwer. Die Hallimasche, die wir im Wald finden, sind nur die Fruchtkörper. Sozusagen die Äpfel an einem monströsen Apfelbaum, der unter der Erde wächst.

Gibt es noch weitere Rekorde, die Sie uns nennen könnten?

Ganz so groß wie der Hallimasch ist der Badische Riesenregenwurm nicht. Mit bis zu 60 cm Länge gehört er aber zu den seltensten und größten Regenwurmarten Mitteleuropas. Ihn gibt es auf der ganzen Welt nur im Südschwarzwald.

Gut zu wissen

Interessiert an weiteren Fakten rund um den Wald? Der Waldlehrpfad Häusern zeigt auf einer Strecke von zwei Kilometern die unterschiedlichsten Lebensbereiche der heimischen Tier- und Pflanzenwelt des Waldes. Bei dem Rundgang vermitteln Informationstafeln auch die verschiedenen Zusammenhänge in diesem Naturhaushalt.

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