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Auch ein Stück Heimat Marion Liebermann bringt Gästen aus aller Welt ihre Heimat nahe

Als junge Frau hat Marion Liebermann dem Schwarzwald den Rücken gekehrt und arbeitete in Hotels in der Schweiz und in England. Bis sie das Heimweh packte und die Hotelfachfrau zurückging. Jetzt präsentiert sie ihre Heimat bei der Tourist-Information und im Musikverein, wo sie Fanfare spielt.

von Barbara Bollwahn, 01. Juni 2015

Es hat „e weng“ gedauert, bis Marion Liebermann sich mit Haut und Haar dem Schwarzwald verschrieben hat.
Es hat „e weng“ gedauert, bis Marion Liebermann sich mit Haut und Haar dem Schwarzwald verschrieben hat.

Es hat „e weng“ gedauert, bis Marion Liebermann sich mit Haut und Haar dem Schwarzwald verschrieben hat. Viele Jahre hat sie ihrer Heimat den Rücken gekehrt. Es ist nicht so, dass es ihr nicht gefallen hätte. Doch sie wollte die Welt kennenlernen und Menschen, „ebbis erlebe“. Zuerst buk sie kleine Brötchen.

In die Schweiz

Nach der Realschule war sie fast ein Jahr Haushaltshilfe in einer Familie mit drei Kindern in Löffingen. Dann machte sie eine Lehre als Hotelfachfrau und arbeitete in einem Wirtshaus in Breitnau. „Man isch mal e bissle raus gekommen aus der Enge daheim.“ Und dann ging es endlich weiter weg, nach Graubünden in die Schweiz. Die zweieinhalb Stunden Entfernung waren für Marion Liebermann „ein großer Schritt“, auch wenn schon eine Schwester in der Schweiz lebte. Jeweils für sechs Monate arbeitete sie fortan im Winter in der Schweiz. Die Arbeit im Service gefiel ihr, aber sie merkte in dem dreisprachigen Nachbarsland, dass ihr Fremdsprachen fehlten. Wieder packte sie ihre Koffer und trat eine Stelle in einem Hotel in der Nähe des Londoner Flughafens an.

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"Ich war neugierig, es war anstrengend und e bissle Angscht war auch dabei."

" Marion Liebermann

„Ganz allein kam ich da an“, erinnert sie sich. „Ich war neugierig, es war anstrengend und e bissle Angscht war auch dabei.“ Als Zimmermädchen putzte sie Suiten im Akkord, zum Englischlernen kam sie kaum und so suchte sie sich eine Arbeit im Service in einem anderen Hotel. Dort konnte sie zwar ihr Englisch verbessern, doch dann packte sie plötzlich das Heimweh. „Ich wollte einfach mal heim“, sagt sie. Sie flog zu Besuch in den Schwarzwald - und blieb. Das war 1990 und Marion Liebermann war 23 Jahre alt.

Marions Vater hat einst den Fanfarenzug gegründet. Jetzt bläst sie dort seit sechs Jahren die Fanfare, eine Naturtrompete, die keine Ventile hat und nur vier Töne produziert.
Marions Vater hat einst den Fanfarenzug gegründet. Jetzt bläst sie dort seit sechs Jahren die Fanfare, eine Naturtrompete, die keine Ventile hat und nur vier Töne produziert.

Dabei wollte die 47-jährige eigentlich nichts mit Gastronomie zu tun haben. Wegen ihrer Eltern, die beide in der Branche arbeiteten. Geboren wurde sie in Friedrichshafen am Bodensee, als sie zwei Jahre alt war, zogen ihre Eltern nach Löffingen, wo sie ein Gasthaus übernahmen. Später arbeitete der Vater in einer Kantine in Villingen, die Mutter betrieb einen Kiosk im Freibad. Marion Liebermann wurde früh selbständig, wenn das Freibad geschlossen wurde, ließ sie ihre Mutter über Lautsprecher ausrufen. „Marion bitte zur Mama kommen!“ Dann kam die kleine Marion angedackelt.

Marion macht den Sound: Ganze vier Töne!

Mit ihrer Rückkehr in den Schwarzwald ging eine Rückbesinnung einher. Marion Liebermann wurde in den Vorstand des Schwarzwaldvereins gewählt. Und sie begann wieder Musik zu machen. Als Kind hatte sie die Trommel in einem von ihrem Vater gegründeten Fanfarenzug gespielt. Jetzt bläst sie dort seit sechs Jahren die Fanfare, eine Naturtrompete, die keine Ventile hat und nur vier Töne produziert. Der Fanfarenzug, dessen Durchschnittsalter mit 29 Jahren sehr jung ist, ist für sie „auch ein Stück Heimat“. Er liefert den Sound auf Stadt,- Sommer,- Feuerwehr- und Heimatfesten, in der Fasnetszeit bei Narrentreffen. Marion Liebermann ist mit Leib und Seele dabei. 

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„Ich bin stolz, die Uniform zu tragen und wir präsentieren Löffingen nach außen“

" Marion Liebermann

Nach einigen Stationen in Hotels, einem Robinsonclub in der Schweiz, einer chinesischen Heilklinik im Markgräfler Land und einem Jahr im Service eines Cafes in Löffingen, das eine Schwester übernommen hat, hat Marion Liebermann seit einigen Jahren ihren Platz gefunden. Sie arbeitet in der Tourist-Information in Löffingen und bringt Gästen aus aller Welt ihre Heimat nahe. Von den Auslandsaufenthalten und Begegnungen zehrt sie noch heute.

Marion wandert leidenschaftlich und wurde in den Vorstand des Schwarzwaldvereins gewählt.
Marion wandert leidenschaftlich und wurde in den Vorstand des Schwarzwaldvereins gewählt.

Sie hat die Tennislegende Steffi Graf bedient, die US-amerikanische Sängerin Jennifer Rush, den ehemaligen Außenminister Hans-Dietrich Genscher, den ehemaligen Fußballspieler Karl-Heinz Rummenigge und einige Schauspieler aus der Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“.

Unterwegs in dem Ort, vor dem sie einmal floh

Marion Liebermann wohnt, nachdem sie viele Jahre in Personalzimmern und ohne Beziehung gelebt hat, nun mit ihrem Freund in einem Haus in Spriegelsbach, einem sehr ländlichen Ortsteil von Titisee, wo zwischen den Höfen und Häusern viel Platz ist. Im Erdgeschoss des Eigenheims, vor dem ein verwittertes Kreuz steht, lebt die Mutter ihres Freundes, sie und ihr Freund haben sich in der ersten Etage eingerichtet. Wenn sie Fernweh hat, besucht sie ihre Schwester in der Schweiz. Meist aber ist sie im Schwarzwald unterwegs, dem sie als junge Frau entflohen ist. „Man kann hier wahnsinnig viel unternehmen“, freut sie sich. Marion Liebermann geht gern wandern, oft in Ecken, für die sie früher keine Zeit oder kein Interesse hatte. Wenn es im Büro heißt: „Weißt du uns jemand, der ...“, weiß Marion Liebermann meistens jemand, der ... „Ich bin ja von hier“, sagt sie und lacht.

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