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Der Miraculix vom Ospelehof Käse, Kuhstall und Kosmetik

Nebel wabert über den Berghängen in Windeck-Hinterzarten. Auf einer Weide grasen Rinder mit zotteligen Fellen und mächtigen Hörnern. Angesichts der urigen Hochlandrinder vom Ospelehof wähnt man sich tatsächlich in den schottischen Highlands statt im Hochschwarzwald.

von Birgit-Cathrin Duval, 10. Dezember 2014

Jutta und Martin Braun vom Ospelehof
Jutta und Martin Braun vom Ospelehof - © Birgit-Cathrin Duval

Auf den ersten Blick ist der Ospelehof ein typischer Schwarzwaldhof. Doch hinter dem traditionsreichen Anwesen der Familie Braun verbirgt sich eine kreative Ideenschmiede, die mit innovativen Produkten neue Standbeine geschaffen hat. Martin Braun war schon immer einer, der in kein Schema passte und Spaß am Experimentieren hat. Der gelernte Elektriker hatte keine Lust mehr, Leitungen zu verlegen und sattelte um. Nach dem Maschinenbau-Studium übernahm er den elterlichen Hof. Doch wie sein Vater, der den Bauerhof im Nebenerwerb bewirtschaftete wollte er nicht arbeiten.

Wenn die Milch nicht mehr reicht

Martin Braun überlegte, welche Erzeugnisse rentabel sind. Die Milch war es nicht. Er krempelt den Betrieb um. Anfang der 90er Jahre beginnt Braun als einer der ersten im Schwarzwald mit der Produktion von Käse und setzt auf Direktvermarktung. Braun optimiert weiter, verkauft die Kühe und lässt fortan die Milch vom Kesslerhof aus der Nachbarschaft liefern. Die gut funktionierende Kooperation mit Wolfram Tritschler besteht seit zehn Jahren. Für die Weidenflächen schafft sich Martin Braun schottische Hochlandrinder an. „Die wollte ich schon immer haben“, erzählt er. Inzwischen besitzt der Hof eine stattliche Herde von 18 Tieren. Sie halten die Weiden offen und dienen als Fleischlieferanten. Braun schwärmt vom feinfaserigen und würzigen Fleisch, das ausschließlich im eigenen Hofladen verkauft wird.

Braun zeigt seine Schätze: Im Käsekeller reifen die runden Laibe bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit.
Braun zeigt seine Schätze: Im Käsekeller reifen die runden Laibe bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. - © Birgit-Cathrin Duval

Martin Braun führt durch den früheren Kuhstall. Heute befindet sich dort die urige „Highlander-Stube“ in der Ehefrau Jutta den Gästen nach einer Hofbesichtigung leckere Bauernbuffets mit Käse, selbstgeräuchertem Schinken und – während der Winterzeit – Raclette-Abende offeriert. Nebenan ist die Käserei untergebracht, in der Martin Braun seinen Schwarzwald-Gouda, Weichkäse und den würzigen Bergkäse herstellt. Sein ganzer Stolz und Blickfang der Käserei ist der große Kupferkessel. „Unser Miraculixkessel“, lacht Braun. „Die alten Schweizer Senner schwören darauf.“ Dreimal wöchentlich ist Braun in seiner Käserei beschäftigt und verarbeitet rund 300 Liter Milch zu Käse. Im Winter ruht die Käseproduktion. Braun zeigt seine Schätze: Im Käsekeller reifen die runden Laibe bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Weichkäse zwischen vier und fünf Wochen, der Schwarzwald-Gouda zwischen sechs bis zehn Wochen, der Bergkäse zwischen vier und sechs Monaten.

Wie Miraculix im Zaubertrank

Bei der Käseherstellung bleibt eine äußerst vitamin- und proteinhaltige Flüssigkeit übrig: Die Molke. 

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„Wir haben die Molke immer als Badezusatz verwendet, es macht eine weiche und sanfte Haut“

" Martin Braun

Eines Tages steht eine Kundin im Hofladen und erzählt, wie sie ihre eigene Kosmetik herstellt. Aus Molke. Martin Braun ist fasziniert und hat eine Idee. Er besorgt sich Fachliteratur über Kosmetikherstellung und stellt sich mit „Stilpfännle an den Küchenherd“ und rührt. Wie Miraculix aus dem Asterix-Comic im Zaubertrank. Das war vor acht Jahren.

Gegenüber der Käserei befindet sich heute das Kosmetik-Labor. Dort, wo früher die Kühe gemolken wurden, entsteht heute die „Ospelehof Schwarzwald Kosmetik“. Stück für Stück entwickelte er mit Fachleuten die Rezepturen, die heute die Grundlage für die Kosmetik-Linie bilden. Von Körperlotion, Tages- und Nachtcremes, über Körperpeeling, Gesichtsmasken, Handcremes bis zu Shampoos reicht das Angebot. Als Duftstoff setzt Braun Zitrone und Rose ein, „das ist schön peppig im Duft“ schwärmt er von seinem Produkt das er selbst verwendet. „Molke ist ein ideales Pflegeprodukt.“ Das glaubt man ihm aufs Wort. Braun ist Ende 40, sieht aber deutlich jünger aus. Alle drei bis vier Wochen verschwindet er in seinem weißen Schutzanzug im Kosmetik-Labor. Wenn er seine Rezepturen mischt ist das „wie beim Kuchenbacken“, lacht Braun.

“Wichtig ist, dass der Schinken vier Wochen lang geräuchert wird und anschließend drei bis vier Monate Lufttrocknen, das gibt top Qualität.“
“Wichtig ist, dass der Schinken vier Wochen lang geräuchert wird und anschließend drei bis vier Monate Lufttrocknen, das gibt top Qualität.“ - © Birgit-Cathrin Duval

Die Pflegeprodukte werden im Hofladen und über den Webshop, den Martin Braun selbst erstellt hat, verkauft. Egal ob Käseherstellung, Kosmetikproduktion oder Rinderzucht: Braun setzt seine Ideen konsequent um. So wie die Einrichtung der „Highland-Stube“ im Blockhütten-Stil. „Ich hab’ einen Lehrgang im Blockhaus-Bauen gemacht.“ Tische und Bänke zimmerte er anschließend selbst. Derzeit baut er einen offenen Blockhaus-Stall für die Hochlandrinder. 

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„Mir ist wichtig, so viel wie möglich selber zu machen, ich will authentisch sein.“ 

" Martin Braun

Von der Käseherstellung bis zum Rühren der Kosmetik und Räuchern von Schinken, Speck und  Hausmacher Wurst nach streng gehütetem Familienrezept unterm Dach des 500 Jahre alten Hofes mit Fichten – und Tannenreisig.

Der liebevoll eingerichtete Hofladen des Ospelehof.
Der liebevoll eingerichtete Hofladen des Ospelehof. - © Birgit-Cathrin Duval

“Wichtig ist, dass der Schinken vier Wochen lang geräuchert wird und anschließend drei bis vier Monate Lufttrocknen, das gibt top Qualität.“ Martin Braun hat auf dem Ospelehof seine Bestimmung gefunden. Und tüftelt weiter an Ideen: Im Ferienwohnhaus will er einen eigenen Wellnessbereich einrichten. „Dann bieten wir unseren Gästen Molkebäder im Holzzuber mit Talblick.“

Gut zu wissen

Weitere Informationen zum Ospelehof gibt es hier

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