"Leidenschaftlich gerne in der Natur" Jäger aus Passion: Vater und Sohn Sibold kümmern sich um den Wald

Christian Sibold (51) und sein Sohn Timo (21) sind beide Jäger. Ihr fast 400 Hektar großes Revier mit Wald und Feldern liegt zwischen dem Löffinger Ortsteil Göschweiler und der Wutachschlucht. Der volle Terminkalender erlaubt es nicht immer, dass Vater und Sohn zusammen auf die Pirsch gehen oder auf einem Hochsitz ansitzen – aber hin und wieder klappt es doch. Im Interview erinnern die beiden sich an ihre Anfänge und erzählen, warum sie jagen müssen und wie Gastronomie und Ökologie davon profitieren.

von Pascal Cames, 22. Januar 2020

Christian und Timo Sibold
Christian und Timo Sibold - © Pascal Cames

Wollten Sie beide schon immer Jäger werden?

Christian: Für mich war das schon immer klar. Schon als kleiner Bub mit meinem Vater auf der Jagd dachte ich: ‘Wenn ich groß bin, mache ich den Jagdschein’.

Timo: Das ging mir genauso. Ich war öfters mit Opa Karl im Wald als mit meinem Vater. Als mein Opa vor drei Jahren starb, war der Gedanke kurz weg. Aber nach dem Abitur war die Idee wieder da.

Christian: Dann musste es ganz schnell gehen...

Timo: Ja, ich habe einen Crashkurs gemacht und drei Wochen lang täglich von acht bis fünf Uhr abends gelernt und dann nochmal bis zwölf oder eins in der Stube.

Was muss man bei der Jagdprüfung alles wissen?

Timo: Wirklich eine Menge, zum Beispiel Wildtierkunde, Waldbau, Hundewesen, Wildkrankheiten, Waffen- und Jagdrecht. Da muss man ordentlich büffeln. Und natürlich Naturschutz. Man nennt es nicht umsonst das grüne Abitur. Es gibt eine schriftliche und mündliche Prüfung, eine Schießprüfung...

Dann haben Sie einen Waffenschein?

Christian: Mit der Jägerprüfung bekommt man eine Waffenbesitzkarte. Der Waffenschein ist etwas anderes, den bekommen nur Leute, die dauerhaft eine Waffe führen dürfen, wie zum Beispiel Polizisten.

Timo: Wir dürfen unsere Büchsen nur direkt zur Jagd oder zum Schießstand mitnehmen, aber nicht, wenn wir bei der Oma Kaffee trinken oder so. 

Nochmal zurück in die Kindheit. Was war so besonders, wenn sie mit dem Vater oder dem Opa unterwegs waren?

Christian: Mein Vater ist leidenschaftlich gerne in die Natur gegangen. Er hat Naturschutzgebiete für seltene Tiere und Pflanzen angelegt, als das noch gar nicht in aller Munde war. ‘Man muss drumherum alles anschauen’, hat er gesagt, ‘von der Pflanze bis zum kleinen Vogel, nicht nur schießen’. Das war ihm sehr wichtig. Was ist das für ein Baum? Die Wildwechsel, wo die Tiere durchlaufen, ein Spechtloch – auf all diese Dinge hat er mich aufmerksam gemacht. Mit meinen Kindern habe ich es dann auch so gemacht.

Timo: Meine ersten Erfahrungen waren mit meinem Vater im Revier. Als ich größer war, habe ich zum Beispiel dabei geholfen, einen Hochsitz zusammenzunageln. Das war immer spannend. Als sich meine Freunde für PC, Handy und Konsole interessierten, war ich im Wald. Wenn ich heute mit Freunden draußen bin, dann schauen die aufs Handy und ich auf den Boden. Dann habe ich gefühlt fünf Augen und fünf Ohren. Ich beobachte alles. Ums Schießen geht es mir nicht in erster Linie.

Um was geht es dann?

Christian: Um die Natur und das Erlebnis.

Timo: Es geht um die besonderen Momente, wie zum Beispiel den Sonnenuntergang, wenn die Vögel noch mal richtig aktiv werden und das Wild auf die Wiese geht zum äsen.

Christian: Ja, es gibt schon tolle Stimmungen. Morgens früh: Du gehst schon im Dunkeln raus, setzt dich leise irgendwohin, wo du nicht störst. Dann fängt es an mit einem einzelnen Vogel, fast noch im Dunkeln, dann beginnt ein Vogelkonzert. So was kriegt ein Städter nie zu hören. Auch das Licht ist wahnsinnig interessant, dann der Bodennebel über den Feldern. Es reicht, wenn dann ein Hase oder ein Fuchs herauskommt. Das ist ein tolles Bild.

Was dürfen Sie schießen?

Christian: Wildschweine, Rehe, Enten sowie Dachse und Füchse. Wir haben ein strenges Jagdgesetz. Viele Tiere haben Schonfristen. Gleichzeitig gibt es Vorgaben, eine bestimmte Anzahl Wildschweine oder Rehe pro Jahr zu schießen. Auch der Fuchs ist wichtig: Man will ihn nicht ausrotten, das will kein Jäger. Aber man will den Bestand niedrig halten, damit sich keine Seuchen ausbreiten und Hasen und Bodenbrüter auch eine Chance haben.

Timo: Das ist eines der obersten Ziele der Jagd: der Erhalt des Ökosystems. In der heutigen Welt reguliert sich die Natur leider nicht mehr von alleine. Wir haben so viel von der Natur eingenommen, dass es ohne das nicht mehr geht.

Eingespieltes Team: Timo (l.) und Christian Sibold gehen gerne gemeinsam auf die Jagd.
Eingespieltes Team: Timo (l.) und Christian Sibold gehen gerne gemeinsam auf die Jagd.  - © Pascal Cames

Spinnen wir den Gedanken weiter. Was wäre, wenn Sie fünf Jahre lang nicht jagen würden?

Christian: Die Zahl der Wildschweine würde sich alle zwei Jahre verdoppeln. Die Schäden in der Landwirtschaft wären enorm. Eine Rotte von 20 bis 30 Tieren wühlt in einer Nacht ein ganzes Feld kaputt. Irgendwann würde eine Seuche ausbrechen. Im Wald wäre es ähnlich, die Rehe würden die kleinen Bäume abfressen.

Das versteht nicht jeder?
Timo: Das stimmt, viele sehen nur den Jäger mit der Büchse. Das erlebt man manchmal bei Diskussionen.

Christian: Wir müssen auch schießen. Denn wenn eine Wildschweinrotte einen Maisacker kaputt macht, müssen wir den Schaden bezahlen. Und wenn der Förster sagt, er möchte diese oder jene Baumart haben, dann müssen wir eventuell Rehe schießen – aber auch die  Bäume mit einem Mittel anstreichen, damit die Rehe nicht an die jungen Triebe gehen. Sie lieben die feinen Spitzen der Weißtannen.

Timo: Ja, das Reh ist ein sogenannter Konzentratselektierer. Es läuft durch den Wald oder über die Wiese und pickt sich nur das Beste heraus: die Spitzen der Weißtanne, den Klee, die gute Beere, wirklich nur das Beste vom Besten. Das beste Futter gibt aber eben auch das beste Fleisch.

Darum kümmert sich Ihre Frau Katja beziehungsweise Ihre Mutter.

Christian: Wir machen das zu dritt. Wenn wir Würste machen, dann brauchen wir jede Hand. Wir räuchern, machen Schinken und Burger. Früher war Wild ein klassisches Wintergericht mit Rotkraut und Knödel. Mittlerweile kommt die Gastronomie auf den Geschmack, dass Wild auch im Frühling schmeckt, zum Beispiel zum Spargel.

Timo: Oder als Schnitzel paniert.

Christian: Das Fleisch ist von besonderer Qualität. Die Tiere sind draußen, es gibt keine Tiertransporte und keine Wartezeiten am Schlachthof.

Timo: Meine Freunde fragen ständig danach. Viele haben entdeckt, dass man Wild sehr gut grillen kann. Das Verständnis für das gute Fleisch rückt immer mehr in den Vordergrund.

Mit dem Förster auf der Pirsch

Im Frühjahr bietet Feldberg-Förster Achim Schlosser regelmäßig geführte Pirschgänge in den Wäldern rund um Schluchsee an. Dabei erfahren die Teilnehmer Wissenswertes über die Fauna im Hochschwarzwald und können mit etwas Glück Wildtiere in der Abenddämmerung beobachten. Anmeldung bei der Tourist-Information Schluchsee unter +49 (0)7652/1206-8500.

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