„Nicht in der Schockstarre verharren“ Wie kommen die Hochschwarzwälder Gastbetriebe durch die Corona-Zeit?

Seit Mitte März ist in Deutschland der Betrieb von Gaststätten, Urlaubsunterkünften und Freizeiteinrichtungen aufgrund der Corona-Pandemie untersagt. In einer kleinen Serie erzählen Gastgeber und Betreiber von touristischen Einrichtungen aus dem Hochschwarzwald, wie sie mit dieser schwierigen Situation umgehen. Den Auftakt macht Yvonne Eiche vom Hotel Sonne-Post in Waldau.

von Matthias Maier, 03. April 2020

Yvonne Eiche mit ihren beiden Töchtern Lene (links) und Hannah
Yvonne Eiche mit ihren beiden Töchtern Lene (links) und Hannah - ©  Hotel Sonne-Post

Die Gäste sind weg, der Betrieb in Ihrem Hotel ruht. Wie sieht momentan Ihr Alltag aus?

Yvonne Eiche: Vormittags unterstützen mein Mann und ich zumeist unsere Kinder beim Lernen und bei ihren Schulaufgaben. Daneben gilt es, Telefonanrufe und E-Mails von Gästen zu beantworten, Stornierungen und Umbuchungen zu bearbeiten, bereits vereinbarte Reservierungen – etwa für die Ostertage und die Erstkommunionsfeiern – wieder abzusagen. Wichtig ist uns auch, die Verbindung zu unseren Mitarbeitern zu erhalten und für ihre Anliegen in diesen unsicheren Zeiten zur Verfügung zu stehen. Zudem haben wir uns nach einiger Überlegung dazu entschieden, trotz allem wie geplant im März mit den Bauarbeiten für die Hotelerweiterung und den neuen Wellnessbereich zu beginnen. Langweilig wird uns also nicht.

hinten: Thomas und Yvonne Eiche, Ursula und Gerhard Wehrle (von links), vorne: Lene und Hannah Eiche (von links)
hinten: Thomas und Yvonne Eiche, Ursula und Gerhard Wehrle (von links), vorne: Lene und Hannah Eiche (von links) - © Hotel Sonne-Post

Welche Rückmeldungen haben Sie von Ihren Gästen bekommen?

Yvonne Eiche: Einige Stammgäste sind auf uns zugekommen, haben sich erkundigt, wie wir mit der Situation zurechtkommen, und uns Mut zugesprochen. Andere haben Gutscheine bestellt, um uns während des Stillstands auch finanziell zu unterstützen.

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Wir spüren viel Solidarität und Mitgefühl.

" Yvonne Eiche

Dieser Ausnahmezustand trifft das Hotel Sonne-Post ausgerechnet im 150. Jahr seines Bestehens. Waren bereits besondere Events zum Jubiläum geplant?

Yvonne Eiche: Ein kleines Prospekt und einen Jubiläumssekt haben wir bereits produzieren lassen. Ein spezielles Angebot für unsere Stammgäste und ein Festabend waren ebenfalls angedacht. Ob das alles sich in diesem Jahr noch realisieren lässt, müssen wir einfach abwarten. Falls nicht, holen wir die Feier des runden Geburtstags eben 2021 nach.

Hotel Sonne-Post
Hotel Sonne-Post - © Hotel Sonne-Post

Ihr Gasthaus hat im Lauf der Zeit unter anderem Kriege und einen Großbrand überdauert. Welche Schlüsse ziehen Sie für sich aus diesem Wissen?

Yvonne Eiche: Dass es immer weitergeht und man sich nicht entmutigen lassen darf. Wir haben uns anlässlich des Jubiläums auch nochmal intensiv mit der Geschichte der Sonne-Post befasst. Die Quintessenz daraus lautet für uns, dass man in schweren Zeiten den Blick nach vorne richten muss und nicht in der Schockstarre verharren darf, in die wir alle im ersten Moment versetzt wurden. Darum haben wir uns auch entschieden, die Hotelerweiterung anzugehen. Jetzt ist die Zeit, um Dinge anzupacken, damit man nach der Krise gut vorbereitet ist. Denn es wird eine Zeit nach Corona kommen. Nur wann, weiß momentan noch niemand.

Info

Yvonne Eiche (geb. Wehrle), leitet seit Dezember 2019 gemeinsam mit ihrem Mann Thomas das Hotel Sonne-Post in Waldau, einem Ortsteil von Titisee-Neustadt. Das Gasthaus ist seit der Eröffnung 1870 im Besitz der Familie Wehrle/Eiche.

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