„Wir entwickeln ständig neue Ideen“ Wie kommen die Hochschwarzwälder Gastbetriebe durch die Corona-Zeit?

Seit Mitte März ist in Deutschland der Betrieb von Gaststätten, Urlaubsunterkünften und Freizeiteinrichtungen aufgrund der Corona-Pandemie untersagt. In einer kleinen Serie erzählen Gastgeber und Betreiber von touristischen Einrichtungen aus dem Hochschwarzwald, wie sie mit dieser schwierigen Situation umgehen – heute Linda Baschnagel vom Hotel & Gasthof Tannenmühle im Rothauser Land.

von Matthias Maier, 04. Mai 2020

Linda Baschnagel
Linda Baschnagel - © Manuel Seidler_MFS Medien

Gäste können Sie in der Tannenmühle derzeit leider nicht empfangen – womit ist Ihr Team in diesen Wochen beschäftigt?

Baschnagel: Wir machen Verschönerungsarbeiten an den Gebäuden und am Spielplatz, renovieren einige Zimmer. Außerdem wollen wir in den nächsten Wochen die Geschäftsübergabe vorantreiben. Danach werden mein Bruder Lorenz und ich gemeinsam mit unserem Vater Guido den Betrieb leiten. Für dieses Jahr war zudem ein Erweiterungsbau an der Schlüchtmühle geplant, die wir zu einem Hotel eigens für Familien und Kinder, mit Schwimmbad und Familiensauna, umbauen. Aufgrund der Corona-Krise wollten wir das zunächst um ein Jahr verschieben – aber dann haben wir uns überlegt, dass eigentlich gerade ein guter Zeitpunkt dafür ist. Darum werden wir nun doch im Juni loslegen.

Hotel und Gasthof Tannenmühle
Hotel und Gasthof Tannenmühle - © Hotel Tannenmühle

Und Ihre Küche ruht ja auch nicht komplett.

Baschnagel: Das stimmt, unsere Forellen bieten wir frisch oder geräuchert zum Abholen sowie auf den Wochenmärkten in St. Blasien, Bonndorf und Löffingen an. Besonders in der Karwoche hatten wir viele dankbare Abnehmer. Die eigene Fischzucht läuft natürlich auch jetzt weiter und wir nutzen die Zeit, um unsere Auszubildenden zu schulen, unter anderem im Räuchern und Filetieren.

Lorenz Baschnagel und Azubi Elia Robold
Lorenz Baschnagel und Azubi Elia Robold  - © Hotel Tannenmühle

Auf Ihrer Facebook-Seite tauchen derzeit vermehrt kreative Kurzvideos auf, die Einblicke in den momentanen Alltag in der Tannenmühle geben. Wie kam es zum Einstieg ins Filmgeschäft?

Baschnagel: Wir haben bereits Anfang des Jahres eine Vereinbarung mit einem guten Bekannten getroffen, der sich in diesem Bereich selbständig gemacht hat. Der Gedanke war, ein wenig professionelle Beratung für unsere Social-Media-Kanäle zu bekommen und auch öfters mal ein Video zu posten. Durch die Corona-Krise hat sich das jetzt ziemlich schnell intensiviert. Unser Filmemacher ist hochmotiviert, wir entwickeln ständig neue Ideen. Und unsere Kinder freuen sich, wenn sie in einem Video mitspielen dürfen.

Quelle: © Manuel Seidler_MFS Medien

Gibt es für Sie positive Seiten an der aktuellen Situation?

Baschnagel: Wir konnten das Thema Social Media schneller als gedacht forcieren, und die Planungen für den Neubau können wir jetzt etwas stressfreier angehen. Bei laufendem Betrieb hätten wir das wohl nicht alles parallel geschafft. Außerdem können wir die schöne Natur des Hochschwarzwalds mal richtig genießen und laufen viele Genießerpfade in der Region ab. Sehr gefreut hat uns der Zuspruch von Gästen, Einheimischen und unseren Lieferanten, die besonders in der Anfangszeit der Krise aufmunternde Worte für uns parat hatten. Viele unserer Gäste, die ihren Urlaub nun nicht antreten konnten, haben stattdessen sofort für den Herbst oder für nächstes Jahr gebucht.

Quelle: © Manuel Seidler_MFS Medien

Info

Linda Baschnagel ist in der Tannenmühle aufgewachsen und tritt im Lauf dieses Jahres gemeinsam mit ihrem Bruder Lorenz in die Leitung des Familienhotels ein. Seit mehr als 100 Jahren ist die ehemalige Mühle im Schlüchttal bei Grafenhausen im Besitz der Familie Baschnagel, seit den 1950er-Jahren wird die Gastwirtschaft betrieben.

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