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Eine Frage des Geschmacks Bier, Bier und nochmals Bier

Dass jeder mal klein anfängt, das beweist die Badische Staatsbrauerei Rothaus, die mittlerweile auf eine 225-jährige Erfolgsgeschichte zurückblickt. Was einst aus einer kleinen Klosterbrauerei entstand, ist heute zu gleichen Teilen Kult wie Erfolgsgeschichte. Wo also, wenn nicht hier, wäre ein ambitionierter Hobbybrauer besser aufgehoben…

von Luisa Denz, 28. Januar 2016

Die Badische Staatsbrauerei Rothaus blickt auf eine 225-jährige Erfolgsgeschichte zurück.
Die Badische Staatsbrauerei Rothaus blickt auf eine 225-jährige Erfolgsgeschichte zurück. - © Luisa Denz

Bier, Bier und nochmals Bier - heißt es seit geraumer Zeit in Jans Wohnzimmer. Dass die Selbstversuche mit Bierbrauset bislang noch keine Geschmacksexplosionen zu Tage gebracht haben, davon können sowohl seine Freundin Laura als auch die gemeinsamen Freunde Paula und Manuel ein Lied singen. Die erprobten Testtrinker überraschten Jan daher mit einem gemeinsamen Urlaub im Hochschwarzwald inklusive Brauereiführung in Rothaus. „Aus reinem Selbsterhaltungstrieb“, wie Laura grinsend gesteht. Dass sich auch Manuels Eltern, Albert und Heidi, aus dem schönen Hessen dazugesellen ist Zufall, denn die Besitzer einer zünftigen Kneipe haben auf der Durchfahrt beschlossen, dem Spross samt Freundin einen Besuch abzustatten.

Mit dem Urlaubsauto, einem BMW i3, der dank der Hochschwarzwald Card inklusive ist, ist die Brauerei vom Menzenschwander Kuckucksnest aus schnell schon erreicht und vor allem Albert zeigt sich von dem imposanten Gebäude beeindruckt: „So groß hätte ich mir das nicht vorgestellt.“ In der Zäpflebar trifft die gutgelaunte Gruppe auf weitere Brauereineugierige sowie auf Carola Morath, ihres Zeichens Brauereiführerin. Während Manuel und Jan die stylische Wand aus Bierflaschen unter die Lupe nehmen, unterhalten sich die Mädels mit Mutter Heidi und planen ein anschließendes Abendessen im gemütlichen Brauereigasthof.

Carola Morath begrüßt die Gäste in der
Carola Morath begrüßt die Gäste in der "Zäpflebar". - © Luisa Denz

Die höchstgelegene Brauerei in Deutschland

Pünktlich startet die Brauereiführung mit einem Film im hauseigenen Kinosaal der Brauerei. Hier erfahren die Besucher, dass Rothaus mit seiner Lage auf 1000 Metern die höchstgelegene Brauerei in Deutschland ist und bereits 1791 durch Martin Gerbert gegründet würde. Der Name Rothaus entstand durch die Lage am Wirtshaus zum „Rothen Haus“. Bereits 1892 wurden die ersten Flaschenbiere zu Weihnachten gebraut und damit der Grundstein für die heutige Erfolgsgeschichte gelegt. „Schön und gut“, äußert Albert im Anschluss. „Aber was ist denn mit meinem Rothaus Lieblingsbier – dem Tannenzäpfle?“ Eine Frage, die Brauereiführerin Carola gerne beantwortet und erklärt, dass dieses Kultbier, das weit über die Grenzen des Schwarzwaldes hinaus bekannt ist, 1956 auf den Markt kam und schnell schon zur Leitmarke wurde. „Hossa, dann gibt es 2016 ja gleich mehrere Gründe zum Feiern“, rechnet Lara nach, derweil sich die Gruppe in den nächsten Raum begibt.

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„Gut Bier braucht Weile“,

" Carola Morath

erklärt Carola und führt aus, dass man bei Rothaus nach der Philosophie des „Slow Brewing“ braut, um dem Bier mehr Zeit zum Reifen zu geben. Das Ergebnis: Mehr Geschmack und höchste Bekömmlichkeit. „Bekömmlichkeit“, raunt Manuel grinsend Jan zu. „Das ist dein Stichwort!“ Wie groß die Brauerei tatsächlich ist, zeigt sich beim anschließenden Weg in die Katakomben des Gär- und Lagerkellers. Lange Wege, viele Stufen – schnaufende Besucher. Doch der Weg wird belohnt, der Raum präsentiert sich in kühler, technischer Sachlichkeit – aber: Es darf probiert werden! Drei verschieden farbige Becher je Besucher landen auf den Stehtischen. Der Inhalt? Unbekannt. „Das ist mein Tag“, grinst Albert und schnell schon wird klar, der gesellige Gastronom hat Ahnung. Mit geschultem Gaumen testet er ein ums andere Bier, analysiert, notiert und erklärt. Für Ehefrau Heidi nichts Neues: „Da könnte man fast eifersüchtig werden“ schmunzelt sie. Laura und Paula bekennen derweil, dass sie wenig Ahnung vom Hopfentrunk haben, beide sind sich jedoch einig, dass Bier Nr. 3 nicht in den Verkauf gehen sollte.

Es darf probiert werden!
Es darf probiert werden! - © Luisa Denz

Qualität und Regionalität im Fokus

Während Brauereiführerin Carola erklärt, dass nur sorgfältig ausgewählte Rohstoffe zu Rothaus Bier werden und man den Fokus dabei vor allem auf die Regionalität setzt, bewegt sich die Gruppe zwar weiter, aber angesichts der atemberaubenden Kulisse werden schnell noch einige Fotos geschossen. „Kein Problem, wir haben Zeit“, erklärt Carola und führt aus, dass bei Rothaus stets die Qualität und nicht die Quantität an erster Stelle stehe. „Apropos Quantität, wie viele Menschen arbeiten eigentlich bei Rothaus“, hakt Jan nach und erfährt, dass die Brauerei rund 220 Menschen beschäftigt. Die Gänge Richtung Abfüllanlage bestechen mit biertypischen Gerüchen - für die Mädels nicht unbedingt der schönste Duft, doch Albert belehrt, dass nichts auf der Welt besser riechen würde. Staunende Augen erntet im Anschluss die Abfüllanlage - bis zu 60.000 Liter Bier werden hier pro Stunde in Flaschen gefüllt, sowie weitere 120 Keg-Fässer pro Stunde. Es herrscht andächtige Ruhe in diesem lauten Raum, der von der Geschäftigkeit der Maschinen geprägt ist.

 Die Gänge Richtung Abfüllanlage bestechen mit biertypischen Gerüche.
Die Gänge Richtung Abfüllanlage bestechen mit biertypischen Gerüche. - © Luisa Denz

Auch der ökologische Ansatz der Brauerei überzeugt die Besucher. Ausschließlich hochwertige Mehrwegflaschen, die bis zu 40 Mal wieder verwendet werden, kommen hier zum Einsatz. Seit dem Jahr 2008 setzt Rothaus zudem auf Hackschnitzel. Rund 80 Prozent der benötigten Wärmeenergie werden CO2-neutral aus einem holzbefeuerten Dampfkessel erzeugt, die benötigten Hackschnitzel stammen dabei ausschließlich aus dem Abfallholz der Forstarbeiten aus dem direkten Umland. „Und was hat es mit der Alukapsel am Flaschenhals auf sich, aus denen meine Frau so gerne skurrile Dinge bastelt?“, fragt Albert nach. Carola erklärt: 

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„ Ein weitverbreiteter Fauxpas, die Aluminiumkapsel sollte nach Möglichkeit bis an‘s badische Wappen nach unten geschoben werden, um nach der Rückgabe in der Brauerei recycelt zu werden. Sie wird dem Bier übrigens aus Hygienegründen übergestülpt“

" Carola Morath

Diese Aussage erntet beschämtes Grinsen auf allen Seiten, denn nicht nur Heidi spielt gerne mit der Aluversiegelung der Rothaus Biere.

Ausschließlich hochwertige Mehrwegflaschen kommen hier zum Einsatz.
Ausschließlich hochwertige Mehrwegflaschen kommen hier zum Einsatz. - © Luisa Denz

Dem Geschmacksgeheimnis etwas näher gekommen

Der Rundgang durch die Brauerei führt vorbei an den glänzenden Kupferkesseln die man auch vom Zäpflepfad aus bewundern kann. „Darunter befinden sich Edelstahlbehälter, allein schon der Hygiene wegen. Die Kupferhülle widerspiegelt lediglich Tradition und ist der Optik geschuldet“, so Carola weiter. Die Tour endet dort, wo sie begonnen hat – in der Zäpflebar. Hier warten frische Bretzeln und das gesamte Sortiment der Brauerei auf die hungrigen und durstigen Besucher. Während die anderen überlegen, welches Bier es nun sein soll, ist sich Albert schnell schon sicher: „Egal ob Pils, Hefeweizen, Märzen Export, Radler oder Alkoholfrei – ich finde sie alle toll.“ Und auch Jan zeigt sich begeistert: „Vieles ist mir zwar immer noch ein Rätsel, aber ich bin dem Geschmacksgeheimnis etwas näher gekommen und werde das neuerworbene Wissen daheim gleich mal testen.“ Eine Aussage, die sowohl Gelächter, als auch stirnrunzelnde Blicke erntet. „Da sind wir ja mal gespannt“, grinst Paula. Den Abschluss dieses geselligen Tages bildet ein gemeinsames Essen im Brauereigasthof und alle sind sich einig: Ab sofort kommt nur noch Rothaus auf den Bartisch.“

 In der Zäpflebar warten Bretzeln und Rothaus Bier auf die hungrigen und durstigen Gäste.
In der Zäpflebar warten Bretzeln und Rothaus Bier auf die hungrigen und durstigen Gäste.  - © Luisa Denz

Gut zu wissen

Insider-Fakten

  • Die Brauer- und Mälzerlehrlinge der Brauerei schließen ihre Ausbildung mit einer eigens kreierten Biersorte samt passend designtem Etikett ab.
  • Biergit Kraft ist wohl die berühmteste Hochschwarzwälderin. Die Dame auf den Rothaus Bierflaschen, ein blondes Schwarzwaldmädel in typischer Tracht, hat von Rothaustrinkern den fiktiven Namen „Biergit Kraft“ erhalten. Der Name entstand aus der alemannischen Aussprache der Phrase „Bier git (= gibt) Kraft“
  • Es ist dem ehemaligen Braumeister Max Sax zu verdanken, dass Rothaus eine kleine Charge Single Malt Whisky herstellt, der aus dem besonders weichen Rothauser Brauwasser gemaischt und vergoren wird. In deren temperaturbeständigen, ehemals zur Brauerei gehörenden Eiskellern reifte er in Ex-Bourbon-Fässern aus weißer Eiche bis zu seiner Vollendung.
  • Innovativer Technik aus Australien ist es zu verdanken, dass Rothaus über zwei besonders schmackhafte alkoholfreie Sorten verfügt. Zunächst wird das fertige Bier im Vakuum schonend erwärmt, sodass der Alkohol bereits bei 35 Grad verdampft. So wird vermieden, dass der Geschmack durch die Hitze verloren geht.

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