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Kühle Ofenschönheiten Auf der warmen Ofenbank Teil 3: Das Hüsli

Im Schwarzwälder Bauernhausmuseum Hüsli stehen fünf prächtige, historische Kachelöfen beieinander. Leider werden sie nicht mehr eingeheizt.

von Patrick Kunkel, 10. Dezember 2014

Der Kachelofen ist das pulsierende, wohlig-warme Zentrum des Schwarzwaldhauses. Um den heißen Ofen versammeln sich bis heute die Menschen, wenn in den Tälern und auf den Höhen der Frost mit eisiger Hand herrscht - und am schönsten ist es, wenn man mit vielen anderen, mit Freunden oder der Familie, die Zeit um den Ofen herum vertändeln kann. Im Hüsli in Grafenhausen ist es anders: Da gibt es nicht den einen großen, sondern gleich fünf prächtige Schwarzwälder Kachelöfen - aber keine Menschen die auf der Ofenbank herumlümmeln würden. Das ist nämlich untersagt, schließlich handelt es sich bei dem Hüsli um ein Museum, das einem Schwarzwälder Bauernhaus nachempfunden ist.

Kachelofenpracht, wohin man sich auch wendet

Die in Lörrach geborene, später in Berlin lebende Konzertsängerin Helene Siegfried, hat das Haus im Jahr 1911 als Sommersitz erbaut und Möbel, dörfliche Kunst, Treppen, Türen, Geländer aus den Höfen der Umgebung zusammengetragen. Und eben Kachelöfen, wobei in den historischen Höfen selten mehr als eines der prächtigen Exemplare stand. Meist musste der Stubenofen das ganze Haus mit Wärme versorgen. Im Hüsli dagegen: Kachelofenpracht, wohin man sich auch wendet. Die opulente Kachelchuscht in der Stube mit ihren grün-glasierten Kacheln und den Bilderfriesen stammt aus dem Jahr 1822 und wurde in der Kutterau, einem Weiler bei St. Blasien abgetragen. Über dem Ofen hängen Stangen zum Trocknen der Wäsche von der Decke und die gemauerte Ofenbank hat ein prachtvolles Schmuckfries. Er war bis 1966 in Betrieb, so lange Helene Siegfried in dem Haus lebte – und inzwischen hat er sich vervielfältigt, denn er wurde bereits mehrfach in Privathäusern nachgebaut.

Der Ofen, der im Flur unter den alten, mächtigen Deckenbalken steht, befand sich einst in der Glashütte bei Bonndorf und zeigt dem Hüsli-Besucher heute die schwarzwaldtypischen, schlichten grünen Kacheln, die seit Jahrzehnten nicht mehr heiß waren, denn befeuert wird er nicht. Nebenan in der Küche fristet ein wunderschöner gemauerter Herd sein museales Dasein als notorisch unterkühlter Anschauofen: Über den grünen Wandkacheln hängen Pfannen und Töpfe aus Kupfer, man mag am liebsten sofort anfangen zu kochen bei dem Anblick. Und in der Bücherstube steht ein Ofen aus dem 18. Jahrhundert mit manganmarmorierten Aargauer Kacheln, der aus Mühlingen stammt. Der Ofen in der Wiegenstube stammt aus Stühlingen und ist mit blau-weißen Kacheln verkleidet, die mit Schwarzwaldmotiven verziert sind. 

Auf der warmen Ofenbank Teil I
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Auf der warmen Ofenbank Teil IV
Auf der warmen Ofenbank Teil V
Auf der warmen Ofenbank Teil VI
Auf der warmen Ofenbank Teil VII

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