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8 Touren zum Wandern mit Kindern "Wandern? Oh nöh!"

Wie man laufmüden Nachwuchs doch noch zum Wandern bekommt und am Ende gemeinsam einen tollen Tag draußen verbringt. Plus: Die besten Touren für kleine Wandermuffel 

von Patrick Kunkel, 14. März 2016

Kraxeln, ein bisschen Abenteuer, spannende Pfade: Der Felsenweg
Kraxeln, ein bisschen Abenteuer, spannende Pfade: Der Felsenweg - © Patrick Kunkel

Mit Wichteln und deren Pfaden brauche ich gar nicht erst anzukommen. Und auch der „Trekking-Trick“ zieht nicht mehr: „Papa, hör doch auf“, nörgelt meine Älteste, die seit neuestem Teenager ist und für elterliche Outdooraktivitäten ähnlich viel Begeisterung aufbringt wie für Badezimmerputzen: „Wandern wird ja auch nicht besser, wenn du es Trekking nennst“, mault Mila. Ansteckend ist das obendrein: „Wandern, och nöh“, quengelt Meret, Tochter Nummer zwei: „Lass' uns lieber ins Schwimmbad, es ist so heiß heute!“ Und meine jüngste Tochter rollt nur mit den Augen und verzieht sich an den Computer: Da wird gerade Fifa dreizehneinhalb gegeben. Viel interessanter als dieser „langweilige Schwarzwald“, findet May, die sonst vor einer Tour immer als erste den Wanderrucksack gepackt, das Taschenmesser gewetzt und eigenhändig die Stiefel geschnürt hatte, wenn alle anderen noch dabei waren halbherzig ihre Sachen zusammenzusuchen.
„Gut, dann eben schwimmen“, sage ich: „Aber im See. Und wir laufen hin!“

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"Wandern wird ja auch nicht besser, wenn du es Trekking nennst."

" Tochter Mila

Überraschenderweise wird mein zugegeben etwas fauler Kompromiss sofort geschluckt, bei der Hitze scheint die Aussicht auf ein kühles Bad im frischen Wasser eines Bergsees wohl ausreichend attraktiv zu sein. Normalerweise muss ich tiefer in der Trickkiste wühlen: Wandern, wenn es sein muss, aber bitteschön mit Abenteuer verknüpft, mit Action, mit „was Richtigem“. Klettern gehen klappt meistens sofort. Oder „was Cooles“ am Ende der Tour, eine Übernachtung im Zelt oder in einer urigen Hütte. Dauerbrenner ist: „Was mit Tieren“!
Ok – die Kommunikationsversuche mit der Rückbank während der Autofahrt in den Hochschwarzwald sollen hier unerwähnt bleiben. Es gibt auch nicht viel zu berichten: Gelangweiltes Schweigen von hinten. Und als sich die Straße immer höher in die Hochschwarzwälder Bergwelt hinauf schraubt, links und rechts ein entzückend wildes Waldmeer, dazu frischer, harziger Duft, der zum offenen Wagenfenster reinweht, da knarzt es launig von der Rückbank: „Wie lange noch?“
Zum Glück sind wir schon da!

1. Ab in den Weiher

Nach steilem Anstieg in die moorig braunen Fluten gleiten - wunderbar!
Nach steilem Anstieg in die moorig braunen Fluten gleiten - wunderbar! - © Patrick Kunkel

Der Badetrick klappt fast immer, vor allem an heißen Sommertagen lockt die Aussicht auf ein kühles Bad – ganz besonders lauschig ist der Mathisleweiher, ein kleiner Moorsee in den Bergen oberhalb von Hinterzarten, der zwischen dichten Wäldern gelegen ist und von Hinterzarten gerade noch so mit Kinder zu Fuß erreichbar. Es ist einfach wunderbar, durchgeschwitzt nach einem Anstieg in der Sommerhitze, in die moorig-braunen Fluten zu gleiten. Motivationshilfe bietet der auf dem Weg liegende Wichtelpfad mit Drahtseilbrücke und Holzstegen und allerlei anderem zu entdecken. Die Wandertour hat es in sich, vor allem an heißen Tagen. Der Pfad steigt steil an, ist schön steinig und wurzelig, eben genau so, wie es Kinder am liebsten mögen. Doch dann geht es ein Stück über offene Weide – mit schönen Ausblicken, aber auch wenig Sonnenschutz. Das braune Moorwasser fühlt sich samtweich an. Die Rundwanderung auf die Oberzartener Höhe ist knapp 10 Kilometer lang und dauert gut zweieinhalb Stunden. Am Mathislehof kann man sich mit allerlei Leckerem Bauernhofprodukten eindecken. Im Naturschutzgebiet laden die dicken Moospolstern zwischen den mächtigen Granitbrocken zum Nickerchen ein. Der Rückweg ist nicht so anstrengend, da er die meiste Zeit im schattigen Wald verläuft.

2. Im Zauberwald der Ravennaschlucht

Der schmale Wanderweg schlängelt sich an der Steilwand entlang
Der schmale Wanderweg schlängelt sich an der Steilwand entlang - © Patrick Kunkel

Direkt hinter dem Eisenbahnviadukt am Hofgut Sternen im Höllental liegt eine verwunschene Welt – die Ravennaschlucht. Kinder lieben diese schmale Furche im Schwarzwälder Felsgestein, der schmale Wanderweg schlängelt sich an der Steilwand entlang und da, wo wuchtige Felsklötze im Weg liegen, führen Holzstege, Brücken und steile Treppen schluchtaufwärts – immer ganz nah an dem wilden Bach entlang, der über viele Kaskaden und Wasserfälle strömt. Hier kann man klettern und spielen, so dass das Wandern gar nicht weiter auffällt!
Meine Kinder genießen es, die Füße ins sprudelnde Wasser zu halten, über umgestürzte Baumstämme zu balancieren und auf rutschigen Felsen zu kraxeln. Schattig und kühl ist es, hier rauscht das Wasser. Moospolster hängen wie lange Bärte von Felsen und von Baumstämmen. Es duftet nach Erde, nach Tannennadeln, nach Feuchtigkeit. Nach weniger als zwei Kilometern endet der erste Abschnitt der Ravennaschlucht beim Gasthaus Ketterer, dort gibt es kalte Getränke und Eis. Die obere Ravenna ist nicht mehr ganz so wild wie der untere Teil, verpassen sollte man sie aber nicht. Die Tour ist eine Einwegstrecke (5,6 km hin- und zurück), man kann sie aber auch zu einer Rundtour über Kaiserwacht (6,4 km) oder Posthaldefelsen (11 km) erweitern.

3. Eseltrekking

Die Kinder genießen die kurzen Ritte, doch meist führen sie die Esel abwechselnd am Strick.
Die Kinder genießen die kurzen Ritte, doch meist führen sie die Esel abwechselnd am Strick. - © Patrick Kunkel

Eine ganz wunderbare Möglichkeit, Kinder jeden Alters zum Wandern zu motivieren, ist das Eseltrekking. Von Oberried aus etwa kann an mit Eseln Richtung Feldberg wandern. Die Tiere tragen Packtaschen und zur Not auch mal ein Kind. Und das Beste daran: Mit Eseln werden selbst langweilige Forstwege zur Abenteuerstrecke: Die Kinder genießen die kurzen Ritte, doch meist führen sie die Esel abwechselnd am Strick. Die Tiere trotten gemächlich daher und geben so ein entspanntes Tempo vor. Und immer wieder der eine Aufreger: Wie motiviert man einen eigensinnigen Esel zum Weiterlaufen? (Vorsingen ist da keine gute Idee . . .)  Am Abend kümmern sich die Kinder um Fellpflege und Eselhufpediküre. Möglich sind Tagestouren, aber auch Mehrtageswanderungen mit Übernachtungen in urigen Schwarzwaldhütten.

4. Wilde Wasser

Eine kurze Pause, um das Panorama zu genießen
Eine kurze Pause, um das Panorama zu genießen - © Patrick Kunkel

Hinein in den Urwald von Morgen!
Klettern, Wasser, Abenteuer! Im Zweribach bei St. Peter haben Eis und Schnee und Wasser jahrhundertelang ihr Werk getan und ein wildes, steiles und urwüchsiges Tal in den Berg genagt. Ein felsiger Steig, der teils mit Geländern und Stahlseilen gesichert ist, führt hinab in den Bannwald am Zweribachwasserfall. Die Kinder lieben die Kletterpartie, sofern sie trittsicher sind: Die Rundwanderung ab dem Plattenhof durch den „Urwald von Morgen“ ist kurz, aber durchaus anspruchsvoll, vor allem bei Nässe. 

Umgestürzte Bäume rotten vor sich hin, riesige, nackte Wurzelteller ragen knorrig in die Luft. Eine große Tanne ist abgeknickt wie ein Streichholz, der tote Wipfel ruht auf moosigen Felsen. Über den mittleren Fall des Zweribachs, wo das Wasser rauscht und spritzt, führt eine eiserne Brücke. Auf einer lieblichen Lichtung mit Schutzhütte und Kapelle stand einst der Brunnenhof. Nach einer Rast läuft man entweder den gleichen Weg zurück oder aber komplettiert die Runde (7,5 km, 260 hm) über den Hirschbachwasserfall und den Hohwartfelsen. Ein zünftiges Vesper zum Abschluss gibt es im Plattenhof.

5. Gipfeltour am Kandel

Ein weiter Blick. Ein bisschen Klettern. Am Ende eine Einkehr mit Charme: Die Kandel-Gipfeltour
Ein weiter Blick. Ein bisschen Klettern. Am Ende eine Einkehr mit Charme: Die Kandel-Gipfeltour - © Patrick Kunkel

Ein weiter Blick. Ein bisschen Klettern. Am Ende eine Einkehr mit Charme: Die Kandel-Gipfeltour steht auf meiner persönlichen „Wandern-mit-Kindern“-Hitliste ganz weit oben: Die reinen Daten versprechen eine nicht allzu anstrengende Runde: 5,6 Kilometer Länge, 260 Meter Anstieg, über die Hälfte auf kleinen Pfaden, der Rest auf breiteren Wegen – so lässt es sich aushalten!
Vor allem die felsigen Serpentinensteige wirken wie reinste Stimmungsaufheller auf Kinder, egal ob Sonnenschein oder Nieselregen. Je schmaler der Pfad, je enger die Serpentine und je wurzeliger die Wurzelteppiche, desto besser gelaunt ist der Nachwuchs.
Wir starten am Parkplatz am Schwarzmoos stapfen über zerzauste Wiesen bergauf zur Kandel-Gipfelpyramide: Die Aussicht ist umwerfend: Alpen, Vogesen, die Rheinebene! Der Felsenpfad bringt uns über Steilhänge erst zum Kandelfelsen – mit weiter Sicht zur Rheinebene und ins 800 Höhenmeter tiefer liegende Waldkirch. Auf halbem Weg rasten wir in der Thomashütte. Tief unten liegt das beschauliche Glottertal, wir schauen der Sonne zu, die hinter den Vogesengipfeln im Westen versinkt und uns rotgoldene Strahlen schickt. In der Dämmerung erreichen wir gerade noch so die Gummenhofhütte, wo der gut gelaunte Fensterliwirt eine üppige Vesperplatte durchs offene Fenster reicht. Kleines Glück kann so einfach sein!

6. Wasserfallsteig Todtnau

Wasser, wohin man blickt!
Wasser, wohin man blickt! - © Patrick Kunkel

Auf dem Wasserfallsteig zwischen Feldberg und Todtnauberg kann man ein perfektes Wanderwochenende mit Kindern verbringen. Mal steil, mal steinig, mal stufig und mal alles zusammen – voller Abwechslung windet sich der Wasserfallsteig vom Feldbergpass in engen Serpentinen die Wolfsschlucht hinab. An vielen Stellen ist der Pfad kaum breiter als ein Handtuch und quert den Bach unzählige Male. Der Wasserfallsteig zwischen Feldberg und Todtnauberg macht seinem Namen alle Ehre: Wasser, wohin man blickt, oder mit anderen Worten: Ein Kinderparadies! Erst sprudelt nur ein kleines Rinnsal aus einer Quelle im Wald, das kurz darauf ein quirliger Bach wird, und immer kommen wir an kleinen, größeren und richtig großen Wasserfälle vorbei. Höhepunkte sind der Fahler Wasserfall und, ganz zum Schluss, der Todtnauer Wasserfall. Dort fällt der Stübenbach 97 Meter tief und in zwei Stufen über ein gewaltiges Granitmassiv in die Tiefe. Ein perfektes Terrain also für entdeckungsfreudige und bewegungslustige Kinder.
Am besten erreicht man Einstieg zum Wasserfallsteig am Feldbergpass (1231 Meter Höhe) mit dem Bus. Gegenüber der Bushaltestelle am Hebelhof verschwindet der schmale Pfad zwischen mächtigen Baumstämmen im schattigen Bergwald. Der Weg ist bestens  ausgeschildert und mit 10,8 Kilometer hat er genau die richtige Streckenlänge für eine Wanderung mit Kind. Für den Rückweg eignet sich ebenfalls der Bus ab Todtnauberg nach Kirchzarten oder Feldberg.

7. Felsenweg am Feldberg

Kraxeln, ein bisschen Abenteuer, spannende Pfade: Der Felsenweg
Kraxeln, ein bisschen Abenteuer, spannende Pfade: Der Felsenweg - © Patrick Kunkel

Der Felsenweg am Feldberg – allein schon der Name ist für meine Kinder fast so verlockend wie ein Schokoladenköder. Felsen! Das verheißt Kraxeln, ein bisschen Abenteuer, spannende Pfade. Und so ist es auch. Praktischerweise liegt der Startpunkt direkt am Haus der Natur, sodass wir per Bus anreisen können und das Auto stehen lassen. Über Wurzel- und andere Treppen geht es erstmal rauf auf den Gipfel des Höchsten: Was für ein Blick! Über meist offene Weiden steigen wir ab Richtung Naturfreundehaus, wo uns – genau auf halber Wegstrecke - der gut gelaunte Hüttenwart Heinz ein feines Vesper vorsetzt. Und dann geht es weiter auf schmalen, verwinkelten Pfade, über knarzende Holzstege und – das volle „enge-Pfade-sind-halt-einfach-besser-als-Forstwege“-Programm wird hier aufgefahren und die Kinder finden es richtig gut. Am Ende sind sie ein bisschen schlapp, 10,6 Kilometer sind ja nicht ohne.

8. Klosterrunde in St. Märgen 

Auf dieser Tour haben wir das Kloster St. Märgen oft im Blick
Auf dieser Tour haben wir das Kloster St. Märgen oft im Blick - © Patrick Kunkel

Klingt ein wenig langweilig für Kinder - Klosterrunde! Ist es aber nicht. Auf dieser Tour haben wir das Kloster St. Märgen oft im Blick, streifen aber über Kuhweiden und durch dichten Wald hinauf zur Kapfenhütte - die Aussicht interessiert Kinder meistens weniger, dafür aber an einem heißen Tag ganz gewiss die Quelle des Ibenbachs. Mitten Wald liegt sie und speist ein Kneipp-Becken - was auch erstmal ziemlich öde in Kinderohren klingt, aber wenn die Kleinen erstmal durch das Wasser tollen, ist von Langeweile keine Spur. Wir erweitern die Runde durch einen Streifzug durch den Pfisterwald, ein struppiger, echter Schwarzwälder Bergmischwald im Kleinformat, gerade mal einen Quadratkilometer groß. Der Pfisterwald ist naturbelassen und ein bisschen wie ein Abenteuerspielplatz. Und das Beste: Am Ende der Tour liegt das Naturschwimmbad St. Märgen - na, wenn das mal keine Motivation ist!

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