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Tütensuppe und Gesindel Mit Kocher, Kaffeekanne, Topf und Tasse in die Rötenbachschlucht

Einmal durch den Hochschwarzwald, von West nach Ost: Moritz hat sich auf einen Roadtrip begeben. Auf allen Sorten Skiern, im Kanu, zu Fuß. Heute: Wilde Schluchten, wilde Gesellen und wildes Camping (ohne Schlafen).

von Moritz Baumstieger, 16. Mai 2013

Das darf alles auf keinen Fall fehlen bei der Tour durch die Rötenbachschlucht.
Das darf alles auf keinen Fall fehlen bei der Tour durch die Rötenbachschlucht. - © Moritz Baumstieger

Wo es hoch hinauf geht, geht es auch tief hinunter. Logisch, hängt ja eigentlich nur davon ab, aus welcher Richtung man die Steigungen betrachtet. Dass es im Hochschwarzwald hoch hinaufgeht, muss nicht diskutiert werden, steckt ja schon im Namen. Also, ebenso logisch, geht es hier auch tief hinunter. In die Rötenbachschlucht zum Beispiel, die sich der Rötenbach (auch irgendwie logisch) von Rötenbach (schon wieder?) aus in den Berg gegraben hat, bis er in die Wutach mündet. Eine tolle Wandertour im Sommer: Immer, wenn man sich die Füße heiß gelaufen hat, kann man sie ins Wasser stecken und schon ist alles wieder in Ordnung. Im Winter ist die Tour aber auch toll, abenteuerlich vor allem. Nur dass mit dem Füße abkühlen, das sollte man sich gut überlegen.

Von Rötenbach fließt der Rötenbach durch die was? Rötenbachschlucht, genau.
Von Rötenbach fließt der Rötenbach durch die was? Rötenbachschlucht, genau. - © Moritz Baumstieger

Linseneintopf schmeckt immer

Um möglichst viel Outdoor in einen Tag zu packen, packe ich mir Kocher, Kaffeekanne, Topf und Tasse in den Rucksack. Und eine Tütensuppe, die ich mir in einem tollen Laden in Rötenbach gekauft habe. „Der Linseneintopf schmeckt immer“, sagte die bestimmt 80-jährige Besitzerin. Das glaubte ich ihr, zur Sicherheit hatte ich vorher aber das Ablaufdatum gecheckt. Außer Tütensuppen verkaufte die Frau nämlich auch originalverpackte Unterhemden aus den Fünfziger Jahren, Knöpfe aus dem letzten Jahrhundert und, unglaublich: Computer-Disketten.

Kunst in der Natur I: Das esoterische Energie-Rohr.
Kunst in der Natur I: Das esoterische Energie-Rohr. - © Moritz Baumstieger

Auf den ersten Metern in Richtung Rötenbachschlucht gibt es Interessantes zu bestaunen. Erst verblüfft mich ein erstaunlich kompliziert verlegtes Rohr. Anstatt einfach unter der Straße durchfließen zu dürfen, muss das Wasser erst senkrecht in die Luft, dann waagrecht über die Straße, dann wieder senkrecht runter. Aber soll ja gut sein, meinen nicht nur Esoterik-Tanten, wenn das Wasser energetisch aufgeladen wird. Kurz danach bin ich mir sicher, nach dem Kuckucks-Uhren-Klang das nächste Schwarzwaldrätsel gelöst zu haben. Vor mir auf der Straße liegt ein grünes, aus mehreren Kugeln bestehendes Etwas. Eine Bollenhut-Pflanze, da bin ich mir aus der Entfernung sicher, die noch nicht ganz reif ist. Wenn sie rot wird, dann wird sie geerntet und getrocknet und kommt auf die Hüte. Falsch, merke ich, als ich näher komme. Sind nur große Pferdeäpfel.

Blinder Fliegenpilz-Moritz. Notiz an mich: Erfindung vor Patentierung nochmal überdenken.
Blinder Fliegenpilz-Moritz. Notiz an mich: Erfindung vor Patentierung nochmal überdenken. - © Moritz Baumstieger

Allmählich beginnt sich der Rötenbach in den Berg zu graben, das Wasser wird sprudeliger – und mir wird klar, woher der Bach seinen Namen hat. Erde und Felsen links und rechts sind nämlich recht rötlich, das Wasser deshalb auch ein bisschen. Ganz im Gegenteil zu dem Wasser, das inzwischen von oben kommt. Das ist nur nass und heißt Regen. Meine hervorragende Erfindung, den Fliegenpilz-Regenschutz, muss ich bald abbauen und mich nur auf die Kapuze verlassen. Zwar hält mein roter, mit dem Stil zwischen Rücken und Rucksack gesteckter Regenschirm super das Wasser ab – aber leider sehe ich so nichts. Und das ist bei einer Schluchtenwanderung nicht nur schade, weil man die tollen Stromschnellen verpasst, sondern auch ein bisschen gefährlich. Wer vom Weg abkommt, schaut sich die Stromschnellen nämlich vielleicht ganz schnell aus allernächster Nähe an – und wird dabei noch nasser als die heißen Füße der Wanderer im Sommer.

© Moritz Baumstieger

Obacht vor den Brücken!

Vor allem bei den Brücken heißt es: Obacht! Von denen gibt es viele, der Weg geht mal rechts des Rötenbachs lang, mal links. Die erste war noch ganz normal, die zweite hatte nur noch ein Geländer, die dritte? War ein umgestürzter Baum, auf dem man über den Bach balancieren musste. Dachte ich zumindest, dann entdeckte ich, dass der Weg einfach auf der selben Flussseite weitergeht.

© Moritz Baumstieger

Kurz, nachdem ich an der Stelle mit dem wildesten Rötenbach-Wildwasser dem einzigen anderen Wanderer des Tages begegnet bin, kommt die letzte Brücke. Hinter der mündet der Rötenbach in die größere Wutach, ein paar Bäume stehen nett um einen Baumstumpf herum. Ein perfekter Lagerplatz, um trocken auf dem Baumstamm sitzend Kaffee und Linsensuppe zu kochen. Schmeckt beides super, nur verbrennt man sich die Zunge daran, wenn man zu gierig ist. Jetzt würde ich mich gern für einen Mittagsschlaf ins Zelt verkriechen, leider habe ich keines dabei. Also weiter, die Wutach lang.

Kunst in der Natur II: Das mystische Moos-Mobile.
Kunst in der Natur II: Das mystische Moos-Mobile. - © Moritz Baumstieger

Es gibt zu bestaunen:

  1. Die dickste Tanne der Welt
  2. Ein unheimliches Wasserkraftwerk
  3. Einen riesigen Ameisenhaufen am Wegesrand. Weil solche Ameisenmetropolen große Ausfallstraßen brauchen, haben die netten Schwarzwälder sogar den Forstweg für die Insekten untertunnelt. Oder ist das Rohr etwa für Wasser?
  4. Bevor es wieder hoch nach Rötenbach geht: Das Räuberschlössle. Hier stand einmal eine Burg, die in den Bauernkriegen zerstört wurde. Behauptet ein Holzschild. Dann „diente die Ruine Gesindel als Unterschlupf, daher der Name“. Ich habe zwar durchaus sehr große Symphatien für Gesindel, aber inzwischen bin ich zu nass zum Lagern
Dazu ist es aber zu nass. Sieht man, oder?
Dazu ist es aber zu nass. Sieht man, oder? - © Moritz Baumstieger

Deshalb:
Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm,
und vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran.
Hacke, Spitze – hoch zum Auto.
Denn wo es tief hinunter geht, geht es auch wieder hinauf. Ist doch logisch, oder?

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