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Einfach dahingleiten Anfänger und Vollprofis gemeinsam auf der Spur

Ein Sport sowohl für gemütliche Natur-Genießer als auch für ambitionierte Langstrecken-Bezwinger: Langlaufen entfaltet seine ganz eigene Magie. Was genau diese Faszination für sie ausmacht, erzählen zwei erfahrene Loipen-Profis und ein skeptischer Anfänger.

von Matthias Maier, 04. Oktober 2017

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BAHN
Autobahn
Autobahn - © Hochschwarzwald Tourismus

Die Loipen-Profis: Allein im stillen Wald

Winter ist nicht gleich Winter. „Der Ausblick und die Stimmung hier oben sind jedes Mal anders“, sagt Tobias Bach. Sein Blick schweift über die tief verschneiten Weiden, Wälder und Höfe zwischen Breitnau und Jostal. An klaren Tagen, wenn der Schnee in der Sonne glitzert, könne man von diesem Loipenabschnitt oberhalb des Thurners die Alpen sehen, fügt Bach an.

An anderen Tagen verwandeln Millionen Flocken den Hochschwarzwald in eine gigantische Schneekugel. Oder Nebelschwaden wabern durch die weiß gepuderten Wälder und schaffen eine geheimnisvoll anmutende Atmosphäre – so wie heute. Tobias Bach aus Breitnau ist auf seinen Langlaufskiern unterwegs, wie fast an jedem Tag, an dem seine Arbeit als Hufschmied und die Schneelage es zulassen. Seit seiner Kindheit dreht sich bei dem 41-Jährigen alles ums Langlaufen. Sowohl im Club Thurnerspur, der die Loipen auf dem Thurner unterhält, als auch in der Skizunft Breitnau, die amtierende Weltmeister wie den Biathleten Benedikt Doll und den Nordischen Kombinierer Fabian Rießle hervorgebracht hat, ist er im Vorstand aktiv.

Nebelschwaden wabern durch die weiß gepuderten Wälder und schaffen eine geheimnisvoll anmutende Atmosphäre
Nebelschwaden wabern durch die weiß gepuderten Wälder und schaffen eine geheimnisvoll anmutende Atmosphäre  - © Matthias Maier

Der Vater lief mit den Kindern einst querfeldein durch den Schnee

Begleitet wird Bach heute von Verena Möst. Die St. Märgenerin gibt am Thurner Langlaufkurse. Auch sie ist mit dem Langlaufen aufgewachsen. „Als ich ein kleines Mädchen war, ist mein Vater mit uns Kindern am Sonntagmorgen immer auf Ski querfeldein durch die Wälder gelaufen“, erinnert sie sich. Die Fortbewegung auf den dünnen Holzlatten gehört für Möst zum Alltag. Anderswo mögen die Menschen an freien Tagen oder nach Feierabend die frische Luft bei einem Spaziergang genießen – im Hochschwarzwald gehen sie im Winter in die Loipe.

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„Sehr oft stehe ich abends noch für eine Stunde auf die Ski“

" Verena Möst

Einfach auf die Ski stehen und loslaufen – das ist es, was auch Tobias Bach am Langlaufen schätzt. „Außerdem gibt es dabei keine Warteschlangen am Lift“, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Ruhe und Einsamkeit statt Gedränge und Après-Ski.

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„Ich mag es, alleine durch einen verschneiten Wald zu laufen“.

" Tobias Bach

Nur die Glocke der Thurner-Kapelle durchbricht die Stille

Bei ihrer Tour sind die beiden Langläufer inzwischen auf einer Anhöhe am Waldrand angelangt. Vollkommene Stille. „Im Winter hört man in der Natur kaum ein Geräusch“, flüstert Möst. Nur die Glocke der Kapelle am Thurner sei jeden Morgen um 11 Uhr durch Wälder und über Berge hinweg zu hören. Dass im Hochschwarzwald das Gesicht der Landschaft und der Charakter der Loipe sich von Tag zu Tag ändern können, macht das Langlaufen für sie so abwechslungsreich. „An manchen Tagen ist der Schnee ganz weich und pulvrig. Dann gleitet man sanft dahin“, schwärmt sie. An anderen sei die Spur hart und eisig. „Das sorgt für mehr Geschwindigkeit und macht auch viel Spaß.“ Mal sanft und weich, mal schnell und eisig. Loipe ist nicht gleich Loipe. Und Winter nicht gleich Winter.

An manchen Tagen ist der Schnee ganz weich und pulvrig.
An manchen Tagen ist der Schnee ganz weich und pulvrig. - © Tobias Bach

Der Anfänger: Erste Schritte auf Holzstäbchen

Essen mit Stäbchen ist nicht jedermanns Sache: zu wacklig, zu ineffizient, zu anstrengend. Und außerdem gibt es ja Gabeln, mit denen sich der Reis auf dem Teller deutlich unfallfreier vertilgen lässt. Mit einer ähnlichen Grundskepsis gehen viele Anfänger das Langlaufen an. Auch hier bekommen sie zwei dünne Holzlatten in die Hand. Diese sollen sie allerdings möglichst nicht zum Mund führen, sondern unter die Füße schnallen und sich darauf fortbewegen. „Da kippe ich doch seitlich um“, denken die Neulinge sich dann.

Und fragen sich, wie in aller Welt sie diese komischen Schuhe in die Bindung ihrer geliehenen Ski bekommen, ohne etwas kaputtzumachen.

Langlauf bei Flutlicht
Langlauf bei Flutlicht - © Matthias Maier

So ergeht es mir jedenfalls vor den ersten Gehversuchen auf Langlaufski. Auf den breiteren Alpin-Brettern einigermaßen souverän einen Hügel hinabzusausen, funktionierte bereits, als ich noch Grundschüler war. Langlauf dagegen war in unserer Familie irgendwie nie angesagt. Und doch: Schon lange gab es diese verlockende Vorstellung, abseits präparierter Pisten gemächlich durch eine unberührte Winterlandlandschaft zu gleiten.

Die Ski finden keinen Halt in der Loipe

Auf die Sprünge – und in die Bindung – helfen mir am Einstieg zur Thurnerspur zwischen Breitnau und St. Märgen mit Verena Möst und Tobias Bach zwei absolute Profis. Möst war Deutsche Meisterin, Bach Schwarzwaldmeister und Dritter beim Deutschlandpokal. Jetzt stehen sie vor der Herausforderung, einem totalen Frischling das Langlaufen im klassischen Stil beizubringen.

Die ersten Schritte auf den ungewohnten Ski sind zaghaft. Will ich mich nach vorne abstoßen, rutschen sie weg, finden keinen Halt in der Loipe. „Bei jedem Schritt mehr Gewicht verlagern“, rät Verena Möst, die als Langlauf-Lehrerin Erfahrung mit Anfängern hat. Das klappt tatsächlich – und allmählich löst sich auch die verkrampfte Anspannung in Hüfte, Knien und Fußgelenken.

Wie auf Schienen
Wie auf Schienen - © Tobias Bach

Bergab fährt es sich wie auf Schienen

Langsam kommen die Ski ins Gleiten. Bergauf wird der Atem schneller, geht im Takt der Schritte. Auf der folgenden Abfahrt ist Zeit zum Durchschnaufen. Denn steuern muss ich die Ski auf diesem Abschnitt nicht, nur darauf stehenbleiben. Wie auf Schienen werden sie um jede Kurve der Spur geleitet.

Auf die Zweige der Fichten um uns herum hat sich unterdessen frischer Schnee gelegt. Es ist Abend geworden, an der Thurnerspur wird das Flutlicht angeschaltet. Dazu zaubert der Flockenwirbel eine märchenhafte Stimmung auf die Loipe. Wir laufen durch ein Waldstück hinauf Richtung Doldenbühl, wo die weitläufigen Weiden vollkommen von Weiß bedeckt sind, genießen die Stille.

Einige Minuten später schnallen wir die Ski ab. Meine erste Langlauftour ist zu Ende – und von der anfänglichen Skepsis nichts mehr zu spüren. Auf diese Holzlatten werde ich mich ganz sicher wieder stellen. Und vielleicht auch mal versuchen, Reis mit Stäbchen zu essen.

 

Gut zu wissen

Die vom Club Thurnerspur gespurten Loipen am Thurner bieten tolle Ausblicke auf den Hochschwarzwald und bis ins Rheintal. Sie sind für Anfänger geeignet, lassen sich aber auch zu anspruchsvolleren Touren kombinieren. Durch ihre Lage auf gut 1.000 Metern Höhe gelten sie als relativ schneesicher. Zudem ist die Thurnerspur sehr gut zu erreichen: Der Parkplatz liegt nur wenige Meter von der B500 entfernt, gegenüber der Abzweigung nach St. Märgen. Weitere Infos unter thurnerspur.de

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