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Lichtblicke für die Ewigkeit Fotografieren in der kalten Jahreszeit

Wenn die Sonne am Horizont verschwindet, entfaltet die Blaue Stunde ihre volle Magie. Für Fotograf Tobias Ackermann kein Grund zur Traurigkeit, sondern genau der Moment, in dem er zur Kamera greift. Worauf es sonst noch beim Fotografieren im Winter ankommt, erzählt er uns im Gespräch.

von Freya Pietsch, 27. Oktober 2017

WINTER
BLUES
Winterblues
Winterblues - © Tobias Raphael Ackermann

Herr Ackermann, Sie nennen sich „Lichtemotionist“. Was bedeutet das?

Ich bin immer auf der Suche nach emotionalen Lichtmomenten. Eine Landschaft zum Beispiel wirkt bei Mittagslicht ganz anders als am Spätnachmittag, wenn es mehr Schatten gibt. Vielleicht nicht so hart, eher weicher, traumhafter – und transportiert dann eine ganz andere Emotion. Deshalb warte ich auf genau auf den Moment, in dem das Licht passend ist. 

Eine Landschaft wirkt bei Mittagslicht ganz anders als am Spätnachmittag, wenn es mehr Schatten gibt.
Eine Landschaft wirkt bei Mittagslicht ganz anders als am Spätnachmittag, wenn es mehr Schatten gibt.  - © Tobias Raphael Ackermann

Thema Winter: Sie gehen auch bei klirrender Kälte oder Nebel hinaus. Was reizt Sie daran?

Kälte, besonders die trockene, macht mir nichts aus. Mich motiviert die Aussicht auf eine einzigartige vom Licht geprägte Stimmung. Und die bekomme ich im Winter zum Beispiel, wenn leichter Nebel bei Inversionslage vorhergesagt ist. Das gibt super Bilder auf der Nebelgrenze und ich freue mich schon richtig darauf. Aber auch der glitzernde Schnee oder ein kristallklarer Himmel mit farbigen Sonnenauf- oder -untergängen liefern besondere Lichtmomente.

Wie bereite ich mich am besten vor?

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Zunächst sollte man Wetter und den Sonnenstand am Aufnahmeort prüfen, also den Wetterbericht verfolgen

" Tobias Raphael Ackermann

Ich informiere mich auch über Google Earth: Wo sind Hügel, wo sind Schluchten? Und wie komme ich hin? Gerne gehe ich in etwas abgelegenere Gegenden, weil es davon weniger Bilder gibt. Aufnahmen gelingen besser, wenn man früh da ist und verschiedene Perspektiven und Bildkompositionen vorab testet. 

So entsteht Achtsamkeit für die Dinge, aber auch für besondere Strukturen oder Perspektiven.
So entsteht Achtsamkeit für die Dinge, aber auch für besondere Strukturen oder Perspektiven.  - © Tobias Raphael Ackermann

Was ist sonst noch wichtig?

Das eigene Wohlbefinden, das heißt, tragen Sie atmungsaktive Funktionskleidung in mehreren Schichten und warmes Schuhwerk. Akkus und Batterien sollten voll aufgeladen sein und am besten nahe am Körper getragen werden, also in der Jacken- oder Hosentasche, da sie kälteempfindlich sind. Langzeitaufnahmen erfordern ein Stativ, das man fest in den Schnee drückt, damit es nicht wackelt. Wenn man im Winter Sonnenauf- oder -untergänge fotografiert, wird man eine gewisse Zeit auch im Dämmerlicht zubringen. Dafür finde ich eine Stirnlampe sehr nützlich. 

Nach welchen Motiven sollte ich Ausschau halten?

Das Schöne am Hochschwarzwald ist die abwechslungsreiche Landschaft. In der Höhe, zum Beispiel auf dem Feldberg oder beim Zweiseenblick, kann ich Panoramabilder machen. Das Hügelige bringt Schattierung und Tiefe. Ich kann aber auch in den Wald hineingehen, Tannen, Pilze, Flechten und Moose, junge Pflänzchen und – mit etwas Geduld – Tiere fotografieren. Und das aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Zugefrorene Teiche, Bäche und Wasserfälle sind ebenfalls reizvoll – oder ein Hof mit alten Gerätschaften. Motive zu finden ist im Hochschwarzwald kein Problem.

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Die Kunst ist, sie zu wahrzunehmen – sonst helfen alle Tipps nicht

" Tobias Raphael Ackermann
Mich motiviert die Aussicht auf eine einzigartige vom Licht geprägte Stimmung.
Mich motiviert die Aussicht auf eine einzigartige vom Licht geprägte Stimmung.  - © Tobias Raphael Ackermann

Kann man so einen Blick trainieren?

Ja, der Trainingseffekt entsteht, wenn jemand dabei ist, der die Aufmerksamkeit lenkt. So entsteht Achtsamkeit für die Dinge, aber auch für besondere Strukturen oder Perspektiven. 

Stichwort Panoramabild. Wie gehe ich da vor?

Aussichtspunkte wie Hügel oder Berge sind gut für weitläufige Landschaftsaufnahmen geeignet. Entscheidend ist immer, welche Bildidee ich im Kopf habe: Möchte ich nur einen „Überblick”“ der Landschaft zeigen oder auch den Charakter der Landschaft wahrnehmbar machen. Dann ist die Wettersituation und der Sonnenstand wichtig, um die gewünschte Lichtemotion zu bekommen. Mit einem gut gewählten Vordergrund wirkt die Tiefe der Landschaft noch plastischer. 

Halten Sie zunächst Ausschau nach sich wiederholenden Formen, Mustern oder Texturen wie Frost an Blättern oder Beeren oder in Eiszapfen.
Halten Sie zunächst Ausschau nach sich wiederholenden Formen, Mustern oder Texturen wie Frost an Blättern oder Beeren oder in Eiszapfen. - © Tobias Raphael Ackermann

Ich entdecke ein tolles Motiv, zum Beispiel eine verschneite Tanne – wie fotografiere ich das?

Nicht unbedingt mittig, denn dann wirkt das Foto schnell statisch und langweilig. Eine Möglichkeit, es interessanter darzustellen, ist die „Drittel-Teilung“: Das Winterbild wird beim Fotografieren sowohl horizontal als auch vertikal in Drittel aufgeteilt. In den Kreuzungspunkten sollte das Hauptmotiv platziert werden. 

Haben Sie Tipps für Detail-Aufnahmen?

Halten Sie zunächst Ausschau nach sich wiederholenden Formen, Mustern oder Texturen wie Frost an Blättern oder Beeren oder in Eiszapfen. Und vernachlässigen Sie nicht den Hintergrund: Er sollte zum Motiv passen, darf aber gerne unscharf sein, um nicht abzulenken.

Vernachlässigen Sie nicht den Hintergrund.
Vernachlässigen Sie nicht den Hintergrund. - © Tobias Raphael Ackermann

Wie gelingen Schneefall-Bilder?

Die Schneeflocken können mit einer „längeren“ Belichtungszeit als Streifen abgelichtet werden, was dann wie Schneegestöber aussieht. Dazu ist ein Stativ nötig, um Bewegungsunschärfe durch Verwackeln zu vermeiden. Was die genaue Belichtungszeit angeht, muss man ein wenig ausprobieren, da das von der Fallgeschwindigkeit abhängt. Mit einer kurzen Belichtungszeit bekommt man „runde Schneeflocken“ hin, das sieht dann eher aus wie „leise rieselt der Schnee“. 

Gibt es optimale Tageszeiten, um Winterlandschaften zu fotografieren?

Das hängt immer davon ab, welche Bildidee man im Kopf hat, das heißt, wie man sich das Foto vorab vorstellt. Möchte ich zum Beispiel ein Standard-Postkartenbild mit blauem Himmel und strahlender Sonne, dann ist die Mittagszeit optimal und man braucht schönes Wetter. Möchte ich etwas Eindrucksvolles mit ,seltenen Lichtmomenten‘ sind Sonnenauf- und -untergänge bei leichter Bewölkung und etwas Bodennebel besser. Das heißt, jede Bildidee hat ihre eigene ideale Zeit. Ich persönlich mag es eher dramatischer, dann darf das Bild ruhig auch etwas düsterer sein.  

Das gibt super Bilder auf der Nebelgrenze und ich freue mich schon richtig darauf.
Das gibt super Bilder auf der Nebelgrenze und ich freue mich schon richtig darauf. - © Tobias Raphael Ackermann

Gut zu wissen

Tobias Raphael Ackermann (46) ist Fotograf, Trainer und Autor. Er fotografiert Landschaften, Städte oder Menschen und gibt sein Wissen in Workshops und Fotokursen weiter. 
Kontakt: Tobias Raphael Ackermann, Tel. +49(0)771/20549591, www.lichtemotionist.de

Tobias Raphael Ackermann
Tobias Raphael Ackermann - © Tobias Raphael Ackermann

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