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Manche mögen's kalt Die schönsten Outdoor-Winterübernachtungen im Hochschwarzwald

Draußen schlafen ist immer ein kleines Abenteuer, umso mehr bei Minustemperaturen. Die einen ziehen lieber ins vorgeheizte Tipi am Schluchsee. Doch andere wagen die winterliche Outdoorübernachtung sogar ganz ohne Zelt: Ein ganz besonderes Erlebnis – vor allem, wenn man unsere Expertentipps für Draußenschläfer gelesen hat...

von Patrick Kunkel, 09. Dezember 2014

Beim Winter-Glamping am Schluchsee kann man kuschelige Winterabende in den beheizbaren Tipis
Beim Winter-Glamping am Schluchsee kann man kuschelige Winterabende in den beheizbaren Tipis "Alfons", "Annele" und "Paul" verbringen - © Schwarzwald-Camp

Mein Freund Sven macht das gerne: Draußen in den Bergen eine Nacht verbringen. Im Schlafsack. Im Winter. Und bei Frost. Er rollt sich dann in einer Schutzhütte ein oder im eigenen Zelt:

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„Das ist gar kein Problem und wenn du morgens aufwachst und um dich herum ist alles ruhig und still, die Luft ist kalt und frisch. Dann geht die Sonne auf – das ist traumhaft.“

" Sven

Man muss jedoch einiges beachten. "Die Ausrüstung muss perfekt auf die Wetterbedingungen abgestimmt sein, sonst geht die Sache nach hinten los", sagt Sven. Das klingt selbstverständlich, sei es aber mitnichten. Der Schlafsack muss - natürlich - warm genug sein, ebenso die Klamotten, und bei Wind und Schneetreiben sollte man sich auch nicht unbedingt draußen herumtreiben. Ins Gepäck gehört eine gute Isomatte ebenso wie eine Thermoskanne mit einem heißem Getränk oder eine Notfalldecke. Minutiöse Ausrüstungstipps findet man im Internet, hier etwa. Oder man fragt einfach mal Freunde, die sich mit der Materie auskennen.

Darf man das überhaupt? Und wenn ja, wo?

Hat man das richtige Equipment beisammen, bleibt noch die Gretchenfrage: Macht es überhaupt Sinn und Spaß, sich Nachts ordentlich auszukühlen, nur um am nächsten Morgen vielleicht noch mehr auszukühlen? „Wer das noch nicht gemacht hat, sollte vielleicht erstmal im Herbst damit anfangen, Erfahrung mit kühlen Nächten zu sammeln.“

Ist das geklärt, dann bleibt die Frage: Darf ich das überhaupt machen? Und wenn ja, wo?

Legal wintercampen kann man auf jedem Schwarzwälder Campingplatz, der zu dieser Zeit geöffnet hat
Legal wintercampen kann man auf jedem Schwarzwälder Campingplatz, der zu dieser Zeit geöffnet hat - © Patrick Kunkel

Sven meint: „In Schutzhütten hatte ich noch nie Probleme, dafür sind sie ja da. Und man spart sich obendrein das Gewicht des Zelts.“ Über die rechtlichen Aspekte gibt Andreas Schäfer vom Forstamt Freiburg Auskunft: „Zelten ist im Wald grundsätzlich nicht zulässig“, sagt der Forstmann – außer der Waldbesitzer oder die Forstbehörde genehmigt dies ausnahmsweise: „Denkbar wäre das beispielsweise für Wissenschaftler, die wald- oder wildökologische Forschung betreiben und vor Ort nächtigen.“

Biwakieren „irgendwo“ im Wald sei nicht zulässig, meint Andreas Schäfer: „Toleriert wird dies in der Regel, wenn offene, frei zugängliche Schutzhütten oder Grillstellen genutzt werden, die der Waldbesitzer angelegt und kenntlich gemacht hat, beispielsweise entlang des Westwegs des Schwarzwaldvereins. In jedem Fall muss der Waldbesitzer zustimmen“

Wer im Winter warm haben will und dazu beispielsweise ein Feuer im Wald entzündet, der darf das aber ebenso so wenig wie im Sommer: „Ausnahme sind Feuer an offiziell eingerichteten Grillstellen.“

Wutachranger Martin Schwenninger, der bei jedem Wetter draußen unterwegs ist, meint zu dem Thema Outdoor-Übernachtungen: „In Naturschutzgebieten ist das ohnehin verboten. Sonst gibt es natürlich selten Stress, wenn mal so jemand zeltet“, auch wenn es nicht erlaubt ist. „Jedoch sind auch die Förster und Jäger nicht darauf scharf, dass in den langen Winternächten auch noch gezeltet wird und 'Unruhe' im Busch herrscht.“ Denn auch darauf sollte man achten beim Winterabenteuer: Wildtiere leben gerade in den strengen Wintermonaten ohnehin schon auf Sparflamme. Werden sie auch noch Nachts aufgescheucht, kann das für die Tiere im Zweifel das Ende bedeuten.

Outdoorabenteuer light: Ab in die Jurte!

Anstelle des puristischen Schneeabenteuers mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen, hält der Hochschwarzwald eine Reihe von Übernachtungsmöglichkeiten bereit, bei denen jedenfalls keine forstrechtlichen Probleme auftreten und keine Unterkühlung droht: Outdoorabenteuer light sozusagen.

Die Erlenbacher Hütte etwa ist ein ganz bezaubernder Ort auf immerhin 1100 Metern Höhe. Und wenn im Winter die Almweiden um das Gasthaus tief verschneit sind, findet man in dem geräumigen, runden Zelt aus Filz mit Holzboden ein paar gemütliche Betten – und in der Zeltmitte bollert ein eiserner Kanonenofen. In der Erlenbacher Hütte kann man auch im Strohlager schlafen.

Übernachten in der Jurte im Hochschwarzwald!
Übernachten in der Jurte im Hochschwarzwald! - © Erlenbacher Hütte

Beim Winter-Glamping am Schluchsee kann man kuschelige Winterabende in den beheizbaren Tipis "Alfons", "Annele" und "Paul" verbringen.

Legales Wintercamping kann man natürlich auf jedem Schwarzwälder Campingplatz, der zu dieser Zeit geöffnet hat. Wohnmobilisten kennen und schätzen den Stellplatz in Eisenbach mit Alpensicht und Loipenanschluss.

Wer einen Bus oder ein Wohnmobil besitzt, aber keine konfektionierten Plätze mag, stellt seine mobile Hütte ganz einfach irgendwo auf einem einsamen, verschneiten Schwarzwaldpass ab und verbringt dort eine Nacht. Das ist ganz legal und immerhin: Ein bisschen Outdoor. Doch wild, frei und draußen: „Das ist natürlich viel aufregender, als in einer Hütte oder in einem Wohnmobil zu übernachten,“ sagt Sven.

Gut zu wissen

Zelten im Winter – Ausrüstungstipps von outdoorseite.de

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