translate translate

Winterwandern für Sommerfans Alles anders?

Keine Angst vor Eis und Schnee. Wer bisher nur im Sommer wandern war, sollte ein paar Tipps beachten. Dann steht dem Wandervergnügen im verschneiten Hochschwarzwald nichts im Weg!

von Patrick Kunkel, 27. November 2017

FUßGÄNGER
ZONE
© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Alles ist weiß. Es schneit seit Stunden. Spuren im Schnee? Sind längst verweht. Erinnerungen an den letzten Sommer kommen hoch: Wie leicht sich das doch angefühlt hat, im kurzen Hemd und mit luftigen Trekkingsandalen über den Felsenpfad am Feldberg zu stapfen und danach die warme, goldene Abendsonne zu genießen – auf der Decke liegend und ringsum eine summende, brummende Blumenwiese. 

Jetzt faucht der Winterwind über die eingeschneite Waldlichtung und treibt Schneeflocken gegen die Fensterscheibe. Volles Kontrastprogramm zum Sommertraum – aber mindestens genau so schön. Draußen wird es dunkel. Egal: Der Kachelofen bollert im Eck und wohlige, nach Holzrauch duftende Wärme verteilt sich in der schummrigen Stube. Wir drehen noch eine Runde vor der Tür. Es wird eine kurze Tour. Die vom eiskalten Wind beschleunigten Schneekristalle fühlen sich auf der Gesichtshaut an wie Nadelstiche. Lieber wieder rein! Denn drinnen dampft schon ein Topf mit heißer Suppe auf der Küchenhexe: „Und dann in die Koje!“, befindet mein Kumpel Sven, mit dem ich dieses Wochenende auf Tour bin. 

© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

So wird die Winterwanderung zur Traumtour

Am nächsten Morgen strahlt die Winterwelt: Die Tannen rund um unsere Blockhütte sind bizarr bereift und die Morgensonne am blauen Himmel sendet eine deutliche Botschaft: Es gibt - außer natürlich bei Nebel oder Schneesturm – keinen vernünftigen Grund, im Winter nicht zu Wandern. Ok, eingeschneite Wanderschilder sind ein kleines Problem. Und auch wieder nicht. Denn das Wanderwegenetz des Schwarzwaldvereins, das uns im Sommer so viele schöne Traumtouren beschert, begibt sich zwar genauso in Winterruhe wie die Hochschwarzwälder Tierwelt.

Doch stattdessen findet man inzwischen an fast allen Orten spezielle Winterwanderwege und Schneeschuhtrails – und die sind nicht nur meist bestens beschildert, sodass es auch im Winter mit der Orientierung gut klappt, sondern sie leiten auch um ganz besonders sensible Bereiche des Winterwaldes herum, in denen die Tierwelt in der kalten Jahreszeit zur Ruhe kommen darf.

Draußen beißt uns klirrender Frost in die Nasenspitzen. Doch unter mehreren Schichten aus Daunenjacke, Wollpulli und Thermowäsche konservieren wir erst die Wärme der warmen Stube – und danach hält uns die Bewegung warm. Eine Winterwanderung will sorgfältig geplant sein.

Die Höhenmeter und die Strecke sinnvoll abzuschätzen – das ist schon im Sommer nicht ohne. Wer im Winter loszieht und dabei auch mal mit Schneeschuhen die ausgeschilderten Strecken verlässt, sollte jedenfalls zu Beginn mit kürzeren Runden beginnen, und sich erst nach und nach steigern.

© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Was tun bei Tiefschnee?

Klar: Im Schnee kommen wir Wanderer viel langsamer voran. Die Winterwege sind zwar gut gewalzt, aber direkt nach Schneefällen sinkt man ein und das Gehen wird beschwerlicher. Jenseits der gewalzten Winterwege helfen nur Schneeschuhe, bei geringen Schneehöhen kann man natürlich auch auf ganz normalen Wegen laufen – aber dann setzen wir jeden Schritt besonders sorgfältig: Denn glitschige Wurzeln, rutschige Blätter und andere Stolperfallen können sich unter der dünnen Schneedecke verbergen.

Sinnvoll sind in jedem Fall Wanderstöcke. Wer seine Sommermodelle benutzt, sollte vorher größere Teller anbringen, damit die Spitzen nicht im tieferen Schnee versinken.

Wichtig bei der Tourenplanung: Die Kälte beansprucht unseren Organismus viel stärker, als im Sommer. Das zehrt an den Kräften. Gut, dass Sven heute eine Thermoskanne mit warmen Tee darin eingepackt hat, der von innen wärmt. „Ganz wichtig!“, grinst er. Mindestens ebenso wichtig ist es, unterwegs Wind zu meiden, denn der Abkühlungsfaktor verstärkt das Kälteempfinden um ein vielfaches. Andererseits soll uns gelegentlich auch mal die Sonne wärmen – also heißt es, die Tour auch mal über freie Flächen zu führen. Das klappt am Feldberg wunderbar! Wir starten in der Nähe des Baldenweger Bucks, kompakter Schnee knarzt unter den Stiefeln.

© Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Kurz darauf passieren wir den Raimartihof, direkt dahinter glitzert der Feldsee in der Sonne und auf dem Feldberggipfel genießen wir später die Sonne und das Panorama.

Dort oben liegt uns ein Meer aus Wolken zu Füßen. Im Tal ist es grau, oben blau. In der Ferne ragt die ganze Alpenkette auf. Sven steht inzwischen im T-Shirt da – auch das gibt es bei einer Winterwanderung!

Zum Glück habe ich an die Sonnencreme gedacht. Die kann man nämlich auch im Winter gut gebrauchen, um Sonnenbrand zu verhindern. Fast so wie im Sommer, denke ich. Nein. Viel besser!  

Gut zu wissen

Auf Winterwanderer warten im Hochschwarzwald 300 km gebahnte und gewalzte Winterwanderwege, die jeden Tag gepflegt werden. Unterwegs laden Ruhebänke und weite Ausblicke sowie die heimische Gastronomie zum Verweilen ein. Wenn im Tal die Wolken aufs Gemüt drücken, dann ist es Zeit, das Nebelmeer mal von oben zu sehen – geht am besten auf dem Panoramaweg am Feldberg, 9,1 km, ab Haus der Natur.

zum nächsten Reisebericht

Hochschwarzwald Tourismus Feedback Feedback geben