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16. Philosophischer Herbst - Kurs 1

Informationen

Seit 2002 finden in Todtnauberg jährlich Anfang November, wenn sich die Ruhe des Spätherbstes ausbreitet, Seminare zum Thema Philosophie und Literatur statt - inspiriert durch die Verbundenheit des bekannten Philosophen Martin Heidegger zu Todtnauberg. Namhafte Dozenten erörtern und diskutieren hier die Werke bekannter Philosophen. 


„Dem Wahnsinn zeigt sich das Goldene, Wahre“
Heidegger...

Seit 2002 finden in Todtnauberg jährlich Anfang November, wenn sich die Ruhe des Spätherbstes ausbreitet, Seminare zum Thema Philosophie und Literatur statt - inspiriert durch die Verbundenheit des bekannten Philosophen Martin Heidegger zu Todtnauberg. Namhafte Dozenten erörtern und diskutieren hier die Werke bekannter Philosophen. 


„Dem Wahnsinn zeigt sich das Goldene, Wahre“
Heidegger und Trakl

Dr. Diego D'Angelo, Katholieke Universiteit Leuven (Belgien)

Martin Heideggers Auseinandersetzung mit der Dichtung Georg Trakls ist auf wenige, kürzere Schriften beschränkt. Aber sie ist aufschlussreich für Heideggers Denken wie für Trakls Dichtung gleichermaßen. Worauf es Heidegger in seiner Trakl-Lektüre ankommt, wird an einem seiner bekanntesten Verse am besten verständlich, in dem es heißt, „das Goldene, Wahre“ werde nicht dem Vernünftigen, sondern dem Wahnsinnigen zugänglich. Heidegger interpretiert in zwei späten Texten aus den 1950er Jahren eine Reihe von Gedichten Trakls eben im Hinblick auf die Frage nach der Wahrheit der Dichtung und auf die „verrückte“ Stellung des Dichters in unserer Gesellschaft und in unserer Kultur. Für Heidegger ist diese Figur des Dichters interessant, weil der Dichter von vornherein mit der Frage nach der Sprache konfrontiert ist. Wer sich einer dichterischen Sprache bedienen möchte, dem stellen sich grundsätzliche Fragen: Was „macht“ die Sprache? Warum gibt es eine „poetische“ Sprache? Was ist das überhaupt, die Sprache? Was ist das „Wesen“ der Sprache? Eine solche Reflexion über die Sprache versetzt den Dichter in Abgeschiedenheit gegenüber den Menschen, die sich in ihrem Alltag der Sprache bedienen, darüber aber nicht reflektieren.
In diesem Seminar werden wir die zwei Aufsätze Heideggers über Trakl (Die Sprache und Die Sprache im Gedicht) und die entsprechenden Gedichte Trakls lesen. Dabei wollen wir im Sinne des sogenannten „close-reading“ verfahren und damit dem Hauptdiktum dieser Texte treu bleiben: dass diese Art des Philosophierens beinhaltet, wie Heidegger mehrmals behauptet, „eine Erfahrung mit der Sprache zu machen“. Manchmal befremdlich, vielleicht sogar unverständlich in manchen Passagen, aber immer lesenswert – diese Texte eröffnen eine Erfahrung der Sprache und der Dichtung, die es sich lohnt, gemeinsam zu machen.

Im Seminar benutze Quellen:
Martin Heidegger, Unterwegs zur Sprache, Neske 1959, hier: Die Sprache und Die Sprache im Gedicht
Die Gedichte Trakls werden zur Verfügung gestellt.
Für Leseratten:
Zur Sprachauffassung im späten Heidegger:
- Einschlägige Kapitel aus M. Flatscher, Logos und Lethe. Zur phänomenologischen Sprachauffassung im Spätwerk von Heidegger und Wittgenstein, Freiburg / München, Alber Verlag 2011.
- Michael Steinmann, Die Offenheit des Sinns. Untersuchungen zu Sprache und Logik bei Martin Heidegger, Tübingen: Mohr Siebeck 2008.
Zu Heidegger und Trakl:
- Diego D'Angelo, „Einheit und Mannigfaltigkeit im dichterischen Wort. Perspektiven auf Heideggers Trakl-Interpretation“, in: G: Thonhauser, Perspektiven mit Heidegger, Freiburg / München, Alber Verlag 2017.
Zur Dichtung Trakls:
- Walther Killy, Über Georg Trakl, Vandenhoeck & Ruprecht: Tübingen 1960.

Der Dozent:
Diego D'Angelo hat Philosophie an der „Statale“ Universität in Mailand studiert. 2015 hat er sein Promotionsstudium an der Universität Freiburg im Breisgau abgeschlossen: Die Dissertation über Semiotik und Wahrnehmung in der Phänomenologie Husserls wird demnächst veröffentlicht. 2014-2016 war er Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg. 2015 bis 2016 war er Stipendiat und Lehrbeauftragter an der Universität Würzburg; ab Herbst 2016 ist er Postdoctoral Fellow an den Husserl Archives der Katholieke Universiteit Leuven.

Seminarzeiten:
1. Tag: 16.00 – 18.00 Uhr, anschließend gemeinsames Abendessen im Hotel Engel
2. Tag: 09.30 – 10.30 und 11.00 – 12.00 Uhr und 16.00 – 18.00 Uhr
3. Tag: 09.30 – 10.30 und 11.00 – 12.00 Uhr und 16.00 – 18.00 Uhr
4. Tag: 09.30 - 10.30 und 11.00 – 12.00 Uhr

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Anmeldung bis 28.10. unter +49(0)7652/1206-30 oder todtnauberg@hochschwarzwald.de

Karte & Anreise

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