Picknick am Schluchsee

HofEis: Die Schwarzwälder Eismanufaktur

Heimat zum Schlecken
23.03.2022

von Philipp Hermann

Was den Hightech-Pionieren im Silicon Valley die Garage, war Matthias Rothacher die Scheune. Genaugenommen war es die alte Schreinerei auf dem Mundenhof, in der alles anfing. Da betrieb Rothacher bereits seit einer Weile die Gastwirtschaft des beliebten Freiburger Tiergeheges. Bei den Speisen legte er großen Wert auf Regionalität. Einzig das Eis bezog er von einem Großproduzenten. Das wurmte ihn – so sehr, dass er eines Tages beschloss, sein eigenes Eis herzustellen.

Hier kam die Scheune ins Spiel. Rothacher erwarb eine Eismaschine und heuerte einen Mann vom Fach an, einen mit italienischen Wurzeln. Schnell stellte Rothacher fest: „Der Silvano versteht sein Handwerk wie kein anderer.“ Von Anfang an wurde genau darauf geachtet, was in die Eismaschine reinkam. Den Unterschied zum Fabrikeis sollte man herausschmecken. Farbstoffe, Gentechnik oder Geschmacksverstärker haben daher in der Rohmasse nichts verloren. Die Milch stammt ausschließlich von im Schwarzwald grasenden Kühen.

Von der Nachfrage wurden die Eismacher überwältigt. Auf dem Mundenhof war die Wochenration jedes Mal nach sechs Tagen komplett weggeschleckt. Auch auf Festivals und auf Weinfesten standen die Leute vor den mobilen Eisdielen Schlange. Schließlich wurde der Handel auf das Erfolgsprodukt aus der Region aufmerksam. Also mussten verschließbare Becher her. Ob Erdbeere, Schoko oder Vanille: „Anfangs waren unsere Becher alle grün“, lacht Rothacher. Inzwischen gibt das Design gut erkennbar an, um welche Sorte es sich handelt. Die Verpackung ist kompostierbar, die Löffel sind aus Holz und der Strom für die Eisherstellung stammt aus erneuerbaren Energien. Ökologisch und regional gehören für Rothacher zusammen.

Hof Eis

Ganze 22 Sorten gibt es mittlerweile vom beliebten HofEis, darunter auch einige in Bio-Qualität. © HofEis

"Wir experimentieren gern“
(Matthias Rothacher)

2018 gründete er seine eigene Firma, die „Schwarzwälder Eismanufaktur“. Klar, dass die große Nachfrage irgendwann nicht mehr in der Scheune gedeckt werden konnte. Heute entsteht das HofEis in Schallstadt. Aus den ursprünglich neun Sorten sind über 22 geworden. Darunter auch immer wieder unkonventionelle Kreationen wie das Lemon-Mint-Sorbet oder das Spekulatius-Eis. „Wir experimentieren gern“, sagt Rothacher.

Das meiste HofEis wird rund um den Schwarzwald verspeist. Aber auch in anderen Bundesländern kommen die Menschen auf den Geschmack, bis hinauf nach Schleswig-Holstein. Das HofEis hat sich als Marke weiterentwickelt, aber die Philosophie und die Rezeptur sind aber immer noch dieselben wie damals in der kleinen Scheune.