Langlaufkurs im Winterwunderland

Wie neu laufen lernen
12.09.2022

von Matthias Maier

Im Winter kann man mit Skiern die Hänge hinuterdonnern - oder auf schmaleren Brettern gelenkschonend durch die Natur gleiten. Wir haben uns das Langlaufen mal richtig beibringen lassen.

Allein für diesen herrlichen Wintermorgen hat sich das Aufstehen gelohnt: Ein tiefblauer Himmel spannt sich über den Hochschwarzwald, die Sonne blinzelt bereits zwischen den Bäumen hindurch. Als wir kurz vor neun Uhr auf dem Parkplatz der Thurner-Loipe die Autotüren öffnen, steigt uns kalte, klare Luft in die Nase, kondensiert beim Ausatmen zu dünnen Nebelwölkchen. Im Tal unten, wo wir vorhin losgefahren sind, verschluckt dicker Nebel alle Farben. Hier oben, auf 1.000 Meter Höhe, stehen wir über dem Wolkenmeer, inmitten einer Winterlandschaft, die im Morgenlicht zu strahlen beginnt. Genau wie wir – und Verena Möst, die uns mit einem Lächeln auf den Lippen begrüßt.

Verena ist eine waschechte Hochschwarzwälderin, mit dunklen Locken und feinen Lachfältchen um die Augen. In St. Märgen geboren und quasi auf Skiern aufgewachsen. Die Thurner-Loipe ist ihr Revier, regelmäßig gibt sie hier Kurse für Einsteiger und Fortgeschrittene. Uns wird sie heute einführen in die Kunst des Langlaufens im klassischen Stil.

Verena erklärt aus voller Leidenschaft, wie man die Langlauftechnik am besten umsetzt

Verena erklärt aus voller Leidenschaft, wie man die Langlauftechnik am besten umsetzt. ©Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Das beginnt, wie es sich für einen Anfängerkurs gehört, mit Trockenübungen. Während die Morgensonne über dem mächtigen Walmdach des benachbarten Schwarzwaldhofs höhersteigt und allmählich die Kälte aus unseren fünf Schichten Kleidern vertreibt, lassen wir die Arme und Beine kreisen, während Skier und Stöcke erstmal neben uns im Schnee liegen. Verena spricht über die richtige Ausrüstung fürs Langlaufen – dünne, aber warme Handschuhe; Kleidung nach dem Zwiebelprinzip; Mütze oder Stirnband – und erklärt, wie wir unfallfrei in die Bindung der Ski steigen und die Stöcke halten sollten.

Die ersten Gehversuche sind wacklig, wie bei Kindern, die zum ersten Mal auf einem Baumstamm balancieren. Doch schnell wird es besser. Schritt für Schritt freunden wir uns mit den langen Latten und dem rutschigen Schnee an. Bewegen uns in einer Schleife erst langsam auf kleinem Raum, dann immer schneller und immer weiter.

Trockenübungen zu Beginn, erleichtern später den Halt auf den Langlaufski

Trockenübungen zu Beginn, erleichtern später den Halt auf den Langlaufski © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Verena beobachtet jede und jeden Einzelnen aus unserer kleinen Vierergruppe aufmerksam und gibt hilfreiche Hinweise. Als ehemalige Deutsche Meisterin im Langlauf weiß sie genau, worauf es ankommt. Zu sagen, sie sei auf Langlauf-Skiern aufgewachsen, wäre noch eine Untertreibung. „Mein Vater ist mit uns Kindern früher immer auf Langlaufski querfeldein durch die verschneite Landschaft gelaufen. Das waren unsere Sonntagsausflüge“, erzählt Verena. Als Förster nutzte ihr Vater die schmalen Holzlatten, um in den Wald und zu den Jägerständen zu kommen. Für ihn waren sie in erster Linie ein Fortbewegungsmittel, das ihm erlaubte, selbst bei tiefem Schnee einigermaßen geschmeidig und kraftsparend voranzukommen. Erst in den 60er- und 70er-Jahren wurden Langlaufskier als Sport- und Freizeitgeräte immer beliebter, Vereine gründeten sich, überall im Schwarzwald wurden Loipen angelegt.

Seit wenigen Jahren gibt es einen neuen Boom. Immer mehr Menschen entdecken das Langlaufen für sich – darunter erstaunlich viele junge Leute. Als Freizeitbeschäftigung an der frischen Luft, die sowohl sportlich-herausfordernd als auch entspannt und entschleunigend angegangen werden kann – je nach Stimmung, je nach Fitness, je nach Gusto. Langlaufen liegt im Trend.

Mit dem perfekten Abdruck gleitet der Langläufer über die schneebedeckten Loipen

Mit dem perfekten Abdruck gleitet der Langläufer über die schneebedeckten Loipen © Hochschwarzwaldtourismus GmbH

Was die Faszination ausmacht, spüren wir bald: das quasi lautlose, beinahe schwerelose Gleiten über den Schnee. „Genießt es“, ruft uns Verena zu, „das ist fast wie fliegen.“ Wir sind inzwischen in der Übungsspur unterwegs. Was anfangs ungelenk aussah, wird zu immer hübscheren Langlaufschritten. Die Loipe ist kompakt und fest an diesem Januarmorgen. Zeitweise fällt es schwer, den Blick und die Konzentration auf die Spur zu richten. Rechts leuchten die Fichten am Waldrand im Morgenlicht – links strecken sich am Horizont die Alpengipfel gen Himmel.

Doch Verena lenkt unseren Fokus zurück auf die Loipe. Die Übungen werden anspruchsvoller. Mal fahren wir nur mit einem Ski in der leicht abschüssigen Spur und versuchen mit dem anderen zu bremsen; dann werfen wir uns Tennisbälle zu, während wir uns in der Loipe vorwärtsbewegen. „Ihr schaltet dabei den Kopf aus, beugt euch nach vorne über und verlagert das Gleichgewicht, ohne dass ihr es merkt“, erklärt Verena den Sinn der Übung.

Der Spaß sollte bei jeder Langlauftour an erster Stelle stehen

Der Spaß sollte bei jeder Langlauftour an erster Stelle stehen © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

"Langlauf ist ein idealer Ausgleich für die Arbeit im Büro“
(Verena Möst)

Inzwischen ist uns ordentlich warm geworden. Die ersten Jacken landen im Schnee. Langlaufen ist Ganzkörpertraining, Arme und Beine sind ständig in Bewegung. Es schult die Koordination und den Gleichgewichtssinn und erfordert eine gewisse Körperspannung. Durch die gleichmäßige, rhythmische Bewegung kommt auch der Geist zur Ruhe. Die volle To-Do-Liste, die zuhause wartet, gerät in Vergessenheit. „Langlauf ist ein idealer Ausgleich für die Arbeit im Büro“, sagt Verena. Oft geht sie nach Feierabend noch für eine Runde auf die Loipe. Sie mag die Abendstimmung, genauso wie das Morgenlicht. Überhaupt sind ihr beim Langlaufen die Emotionen wichtig, die Stimmung, die Natur. „Beim Langlauf ist alles natürlich und echt, ohne große Show“, sagt sie.

Ein besonderes Schmankerl hat sie sich für den Schluss aufgehoben: Wie in alten Zeiten stapfen wir querfeldein durch unberührte Schneefelder, die in der Sonne glitzern. Nach einer kurzen Runde und einer letzten Abfahrt sind wir zurück am Parkplatz. Wir sagen Danke – und müssen doch einmal widersprechen, als wir den Kurs, die Morgenstimmung, die Fernsichten spontan Revue passieren lassen: Das war ganz große Show.

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