Zusammenhalt und Familiensinn Schmidts Märkte setzt auf Regionalität und ein gutes Miteinander

Fast 170 Jahre, sechs Generationen, 14 Lebensmittelmärkte im Süd- und Hochschwarzwald – das ist die Bilanz einer Leidenschaft für Lebensmittel, die sich in der Familie Schmidt/Gugelberger aus Rickenbach von Generation zu Generation fortsetzt. Unter dem Namen Schmidts Märkte GmbH beschäftigt die Familie heute mehr als 800 Mitarbeitende.

von Gabriele Hennicke, 15. Oktober 2020

Die Familie Schmidt ist in der Region sehr erfolgreich.
Die Familie Schmidt ist in der Region sehr erfolgreich. - © Schmidts Märkte

Begonnen hat alles in einem Nebenraum des  Gasthauses Adler in Rickenbach, wo Georg Gugelberger 1852 ein „Handlungsgeschäft“ eröffnete. Offenbar war das Handlungsgeschäft genau das, was die Menschen in und rund um Rickenbach brauchten: 1871, knapp 20 Jahre später, baute Gugelberger ein Wohn- und Geschäftshaus mit Landwirtschaftsgebäude im Dorfkern. „Meine Oma Maria Gugelberger heiratete Philipp Schmidt, seither heißt unser Unternehmen Schmidt. Heute sind wir Schmidts Märkte“, sagt Michael Schmidt (63), der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Matthias und der sechsten Generation – seinen Kindern Claudia und Martin und seinem Neffen Max – führt. Sie sind nicht die einzigen Familienmitglieder, die im Unternehmen mitwirken: Zwölf Schmidts aus drei Generationen arbeiten derzeit in den Märkten der Familie mit.

Expansion ab den 1980ern

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Verkaufsfläche des Rickenbacher Geschäfts mehrmals vergrößert. 1976 baute man im Zentrum des Ortes neu, zusammen mit der Sparkasse, einer Metzgerei und einer Apotheke, ergänzt um ein Elektrogeschäft und ein Restaurant. Aus dem "Kaufhaus Gugelberger" wurde der "Hotzenwaldmarkt". Jetzt hatte man eine Ladenfläche von 850 Quadratmetern und verkaufte etwa 20 000 Artikel. In den Jahren danach entwickelte sich das Unternehmen rasch. 1980 übernahm man ein Geschäft in Schluchsee, 1983 schloss man sich der Edeka an und baute 1984 einen weiteren „Hotzenwaldmarkt“ in Herrischried. Heute betreibt das Unternehmen 14 Märkte, so auch in Todtmoos, Lenzkirch, Häusern, Titisee-Neustadt, St. Blasien, Wehr und Bad Säckingen.

Georg Gugelberger Gründer des Familienunternehmens.
Georg Gugelberger Gründer des Familienunternehmens. - © Schmidts Märkte

„Der familiäre Zusammenhalt ist elementar, ohne den hätte sich unser Unternehmen nicht so entwickeln können“, sagt Michael Schmidt und verweist darauf, dass es wichtig sei, das Miteinander zu pflegen und achtsam miteinander umzugehen. Dies sei durchaus möglich, auch ohne besondere Methoden und Konzepte, betont er. Natürlich gebe es auch mal Meinungsverschiedenheiten. Man spreche dann solange miteinander, bis alle eine Entscheidung mittragen können. „Als Senior hat man noch eine gewisse ausgleichende Funktion“, meint er schmunzelnd, „spannend wird es, wenn ich mich mal mehr zurückziehen werde.“
Wann das sein wird, steht noch nicht fest. Die Mehrheit im Unternehme liegt aber schon länger bei der sechsten Generation, so Michael Schmidt. Eine ganz wichtige Rolle spielen auch die Frauen im Unternehmen, seine Frau Elfriede und Schwägerin Gertrud. Sie arbeiten im Unternehmen mit und hielten gleichzeitig über viele Jahre ihren Männern den Rücken frei – indem sie sich um die Kinder kümmerten, die heute erwachsen sind und das Unternehmen führen.

Nah an den Mitarbeitenden und den Standorten

Einen ganz wichtigen Faktor für den Erfolg des Unternehmens sieht Michael Schmidt in der Verwurzelung in der Region. Fest steht, dass Schmidts Märkte kein Großbetrieb werden soll und nicht in andere Regionen expandieren will. „Das Familiäre ist das Herzstück unseres Betriebs. Wir sind nah an den Mitarbeitenden und nah an den Gemeinden unserer Standorte. Wir wissen, was die Leute beschäftigt“, sagt Michael Schmidt. „Unser Leitspruch ist, jeden Markt so zu führen, als sei er unser einziger.“
Nicht nur die Mitarbeitenden, auch viele Produkte kommen aus der Region. Sie machen das besondere Konzept der Märkte aus. Egal, ob Obst, Gemüse, Kräuter oder Honig, Schnaps, Käse, Konfitüren, Mehl, Bio-Fleisch oder Wild von Jägern aus der Region, alles ist Made in Schwarzwald. „Schon vor 25 Jahren haben wir die Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind mitgegründet mit heute 125 landwirtschaftlichen Betrieben. Der Verkauf regionaler Produkte stärkt unsere Heimat“, davon ist der Unternehmer überzeugt und ergänzt: „Wir greifen die Themen auf, die die Menschen in der Region beschäftigen, beispielsweise die Themen Nachhaltigkeit und Ernährung.“ Wer nachhaltig einkauft, kann Punkte sammeln, das Unternehmen belohnt das Engagement und pflanzt dafür Bäume. Bereits 3000 Stück wurden gepflanzt. Für ernährungsbewusste Kunden gibt es Kochkurse und Telefonberatung, für Schulkinder Marktrallyes.

Der schönste Job der Welt

Michael Schmidt hätte sich durchaus vorstellen können, einen anderen Beruf auszuüben, die Wahl hätte er gehabt. Ein anderer Weg war aber nie eine ernsthafte Option für ihn. Entscheidend sei nicht das Thema, sondern die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet und das Miteinander, davon ist er überzeugt. „Lebensmittelhandel ist einer der schönsten Jobs der Welt“, schwärmt der Unternehmer. „Es macht einfach Freude mit frischen regionalen Lebensmitteln zu arbeiten. Uns allen liegt besonders die Zusammenarbeit mit den Landwirten am Herzen“, fügt er an. „Man kennt sich, wir sind alle vom gleichen Schlag – da kann man schon im Kleinen ganz viel bewegen.“

Schmidts Märkte setzten wert auf Regionalität und ein gutes Miteinander.
Schmidts Märkte setzten wert auf Regionalität und ein gutes Miteinander. - © Schmidts Märkte

Kontakt:

Schmidts Märkte GmbH
Bergstraße 2
79736 Rickenbach

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