Von Fassdauben und Steighilfen Wie der Schneeschuh in den Hochschwarzwald kam

Schneeschuhwandern: Das ist pure Entschleunigung – und als Wintersport seit einigen Jahren immer beliebter. Die Wurzeln des Schneeschuhwanderns reichen allerdings weit in die Geschichte zurück.

von Patrick Kunkel, 30. Oktober 2018

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Berufsverkehr
Berufsverkehr - © RelaxFoto.de

Die Natur und die Stille des Winterwalds genießen? Sanfter Sport abseits der Pisten? Erholung im Schnee? Ein Vergnügen war die kalte Jahreszeit für die Menschen im Hochschwarzwald in früheren Zeiten eher nicht. Im Gegenteil: Die Hochschwarzwälder Winter waren meist hart, kernig und entbehrungsreich. Was macht man, wenn man monatelang mit der ganzen Familie auf engem Raum eingeschneit ist? Wenn der Schnee bis zur Dachtraufe reicht? Und der Weg zum Nachbarn versperrt bleibt?

Seit Jahrtausenden ein beliebtes Fortbewegungsmittel

Ganz einfach: Schnee schippen. Oder man schnallt sich was unter. Was ja naheliegend ist: Schneeschuhe sind schließlich auf der ganzen Welt – jedenfalls in schneereichen Gebieten – schon seit Jahrtausenden ein gutes Mittel gewesen, um auch im tief verschneiten Gelände mobil zu bleiben. Ob in der Mongolei, in Nordamerika, in der Arktis oder den Alpen. Klassiker ist der mit Lederriemen bespannte Holzrahmen, wie ihn etwa die Indianer in Nordamerika schon vor Urzeiten erfanden – das klassische Modell des Schneeschuhs schlechthin, heute besser bekannt als Originals oder Classics.

Das historische Modell des Schneeschuhs besteht aus einem mit Lederriemen bespannten Holzrahmen.
Das historische Modell des Schneeschuhs besteht aus einem mit Lederriemen bespannten Holzrahmen. - © Patrick Kunkel

Die Hochschwarzwälder waren da zunächst weniger erfindungsreich: „Seit wann es im Schwarzwald Schneeschuhe gab, lässt sich nicht genau feststellen“, sagt Alfred Faller vom Skimuseum in Hinterzarten. „Aber als Kinder in den 50er Jahren haben wir zu den Skiern auch Schneeschuhe gesagt“, erinnert er sich. Damals waren Schneeschuhe allerdings noch das wichtigste Fortbewegungsmittel – und weniger ein Sportgerät. 

Wer tiefer in der Vergangenheit bohrt, wird auf einem alten Foto von 1906 fündig, das im Skimuseum hängt: Es zeigt den damaligen Skikeller des Feldberger Hofs mit unterschiedlichen Schneeschuhen. „Aber diese Schneeschuhe stammen vermutlich aus Norwegen, denn norwegische Studenten haben auch die Ski als Erste in den Schwarzwald gebracht.“ Im Skimuseum werden zwar vier unterschiedliche Typen von Schneeschuhen aus früherer Zeit ausgestellt, sagt Faller, die den nordamerikanischen Originals ähneln. Aber keiner davon geht auf das Konto der Schwarzwälder Tüftler. Die haben es sich einfach gemacht: Und genommen, was halt da war. „Früher, als es noch keine Ski gab, haben sich die Einheimischen Fassdauben mit Lederriemen an die Schuhe geschnallt“, erklärt Faller, also die gebogenen Holzbretter zum Bau von Holzfässern. Oder sie bewegten sich auf Pferdeschlitten fort. Und darüber hinaus? Ganz einfach: Die alten Schwarzwälder Bauern ließen sich einschneien. Sie hatten ja keine Wahl.

Zeiten ändern sich

Das ist zum Glück heute im Hochschwarzwald ganz anders: Weil die Straßen geräumt werden, braucht keiner mehr Ski oder Fassdauben, um zum Nachbarn zu kommen. Dafür gibt es Schneeschuhe in allen Formen und Farben, mit denen man den Winterwald erkunden und genießen kann. Neben den Classics oder Originals, die sich eher für einfaches, mäßig geneigtes Gelände eignen und aufgrund ihrer Größe viel Auftrieb geben, schnallen sich die meisten Leute heute vor allem Moderns an die Wanderstiefel. Diese sind kleiner, meist aus Kunststoff gefertigt und verfügen über Steighilfen, die im steilen oder vereisten Gelände Halt geben. Dafür sinken sie im Tief- und Pulverschnee etwas mehr ein.

Die sogenannten Moderns werden meist aus Kunststoff gefertigt und an die Wanderstiefel geschnallt.
Die sogenannten Moderns werden meist aus Kunststoff gefertigt und an die Wanderstiefel geschnallt. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

So viel Auswahl wie heute gab es nie zuvor. Und anders als beim Langlaufen oder Winterwandern ist man nicht auf eine gewalzte Spur oder eine Loipe angewiesen. „Den aktuellen Trend des Schneeschuhwanderns sehe ich durchaus positiv“, findet auch Alfred Faller: „Denn Jung und Alt können sich bei jeder Schneeart in fast jedem Gelände im Winter an der frischen Luft fortbewegen – und das ohne Skilaufen können zu müssen oder eine teure Ausrüstung zu kaufen.“ Na, dann kann es ja losgehen!

Schneeschuhwandern in der verschneiten Winterlandschaft ist pure Entschleunigung.
Schneeschuhwandern in der verschneiten Winterlandschaft ist pure Entschleunigung. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Tipps…

… zum richtigen Verhalten:

Schneeschuhgänger bewegen sich oft in sensiblen Bereichen, in denen bedrohte Tierarten überwintern. Damit diese nicht unnötig aufgeschreckt werden und wertvolle Energiereserven verbrauchen, sollten bei der Tourenwahl folgende Regeln beachtet werden:

  • Nicht kreuz und quer durch den Gebirgswald laufen
  • Auf Forst- und Wanderwegen bleiben.
  • Leise sein, Schutzgebiete und Ruhezonen respektieren.
  • Am besten ausgewiesene Schneeschuhtrails nutzen – mit Hilfe der pinken Schilder, die zum Leitsystem des Naturparks Südschwarzwald gehören, können sich Schneeschuhgänger gut zurechtfinden und stören gleichzeitig gefährdete Tierarten nicht.
Wichtig beim Schneeschuhwandern ist die Nutzung der ausgewiesenen Schneeschuhtrails.
Wichtig beim Schneeschuhwandern ist die Nutzung der ausgewiesenen Schneeschuhtrails. - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

… zur Ausrüstung:

Besonders wichtig: Warme, wetterfeste Kleidung, am besten nach dem Zwiebelprinzip, dazu robuste Wanderstiefel und Gamaschen, damit kein Schnee in die Schuhe eindringt. Wer sich über steile, freie Flächen bewegt, sollte ein LVS-Gerät und eine Lawinensonde im Gepäck haben. In den Rucksack gehören auch ein warmer Tee und ein Vesper sowie eine erste Hilfe-Tasche, falls mal etwas passiert.

… zu Kauf und Ausleihe:

Gute Stöcke, solide Schneeschuhe – dann kann es losgehen. Wer noch keine Schneeschuhe hat, kann diese auch leihen. Vor einem Kauf empfiehlt es sich, die Ausrüstung zu testen: Viele Sportgeschäfte verrechnen die Leihgebühr mit dem Kaufpreis. Auf jeden Fall lohnt sich die kompetente Beratung eines Schneeschuh-Spezialisten.

Warme, wetterfeste Kleidung, dazu gute Stöcke und solide Schneeschuhe empfehlen sich als ideale Ausrüstung.
Warme, wetterfeste Kleidung, dazu gute Stöcke und solide Schneeschuhe empfehlen sich als ideale Ausrüstung.  - © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

… zu geführten Touren:

Schneeschuhwandern kann, wer gehen kann – das hört man oft. Und es stimmt auch. Doch gerade Anfänger tun sich schwer mit der Wahl der richtigen Route. Und selbst im Schwarzwald lauern im Winter alpine Gefahren. Wer sich nicht auskennt, geht am besten mit kenntnisreichen Führern auf den ersten Ausflug – in der Gruppe macht eine geführte Tour noch mehr Spaß!

Gut zu wissen

Von den ersten Skiläufern bis zu heutigen Olympiasiegern: Die Geschichte des Wintersports im Schwarzwald wird erlebbar im

Schwarzwälder Skimuseum im Hugenhof
Erlenbrucker Str. 35 
79856 Hinterzarten
Geöffnet: Di, Mi und Fr 14 - 17 Uhr, Sa, So und Feiertag 12 – 17 Uhr

schwarzwaelder-skimuseum.de

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