Die Entstehung des Domsteig St. Blasien
Viele Hände schaffen einen neuen Premiumwanderweg im Hochschwarzwald
In St. Blasien haben 50 Engagierte über die vergangenen acht Jahre einen neuen Wanderweg geschaffen: mit Hürden und Umwegen, am Ende aber mit einem beeindruckenden Ergebnis. Der 11,5 Kilometer lange Domsteig, frisch als Premiumwanderweg zertifiziert, soll Einheimische begeistern und Besucher anziehen. Hier erzählen wir seine Entstehungsgeschichte.
Nachdem der erste Kilometer hinauf geschafft ist, geht es ein paar Schritte auf einem Forstweg entlang, bevor links ein Trampelpfad wieder ein Stück Richtung Tal abzweigt. Bis vor kurzem war dieser schmale Abgang kaum mehr zu erkennen, geschweige denn in der Bevölkerung bekannt: von allen Seiten zugewachsen, aufgrund umgefallener Bäume unbegehbar. Bis eine engagierte Gruppe ehrenamtlicher Bürgerinnen und Bürger auftrat, mit Schaufeln, Hacken und Sägen im Gepäck, Äste zurückschnitt, Geröll wegrollte, umgekippte Bäume kleinmachte, den Weg ebnete.
Der Wanderweg entsteht durch das Engagement von Vielen
Neben diesem einst dschungelartig verwachsenen Trampelpfad haben zahlreiche engagierte Menschen aus St. Blasien und der Umgebung in den vergangenen acht Jahren noch viele weitere Wege rund um die Stadt wiederentdeckt, freigelegt, aufgepäppelt, um aus all diesen Teilstücken das große Ganze zusammenzusetzen: den Domsteig, einen 11,5 Kilometer langen Rundwanderweg. Der Weg zum neuen Weg war ein langer, manchmal ähnlich mühevoll wie das Freilegen von Trampelpfaden: von Dornen gesäumt, mit schweren Brocken gepflastert. Letztlich aber zeigt sich im Domsteig-Projekt vor allem dies: dass Großartiges entstehen kann, wenn sich unterschiedliche Menschen zusammentun, um sich gemeinsam auf den Weg zu machen.
Eine Vereinswanderung ließ die Idee zum Domsteig entstehen
2018 lud der Skiclub St. Blasien zur alljährlichen Wanderung der erweiterten Vorstandschaft ein. In den Jahren zuvor war man meist ausgewandert, um den Tag andernorts zu verbringen. In jenem Jahr aber entschloss sich Vorstandsmitglied Joachim Bockstaller dazu, seine Vereinsmitglieder auf eine Tour rund um St. Blasien mitzunehmen. Und als sie dort stiefelten, wurde der Gruppe – besonders Bockstaller und seinen Vorstandskollegen Fabian Schmidt und Rainer Böhler – wieder mal so richtig bewusst, wie schön es doch auch in den Wäldern und Hügeln rund um die Heimatstadt war. Und noch wichtiger, dass hier etwas hergehörte, was es an vielen anderen Orten im Hochschwarzwald schon gab: ein Premiumwanderweg.
Das Ziel: Premiumwanderweg für St. Blasien
Der Wasserfallsteig in der Bergwelt Todtnau, der Jägersteig am Schluchsee und knapp ein Dutzend weitere zertifizierte Premiumwanderwege, die auch als Hochschwarzwälder Genießerpfade bekannt sind, zieren heute die Region. In St. Blasien, setzte sich der Skiclub-Vorstand damals in den Kopf, sollte der nächste entstehen: weil man landschaftlich viel zu bieten hat, auch weil man einen Mehrwert für Einheimische und Gäste sowie – damit verbunden – für die Gastronomie und den Einzelhandel schaffen wollte. Mit einem berühmten Dom im Ortskern war das Thema für den geplanten Premiumwanderweg auch schnell gefunden.
Immer im Blick: Der Namensgeber des Domsteigs taucht während der gesamten Route immer wieder auf. ©Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Im Mittelpunkt des Weges steht der Dom
Der Dom sollte im wahrsten Sinne des Wortes im Mittelpunkt des Wanderweges stehen. Also suchte das Initiatoren-Trio vom Skiclub – zum Teil auf alten Wanderkarten – nach geeigneten Wegen, die sich zu einem Rundweg zusammenlegen ließen, damit Wanderer das Monument mit seiner bis in 62 Meter Höhe aufragenden Kuppel möglichst immer im Blick haben könnten. Mit einem groben Plan in der Tasche machte sich das Vorstandsgespann auf zur Gemeindeverwaltung, um das Rathaus von der Idee zu überzeugen. Als dieses grünes Licht gab, nahm der Weg seinen Lauf – und weitere Unterstützer kamen hinzu.
"Wir wollen der Stadt und der Region eine weitere Attraktion schenken, die sowohl von Einheimischen als auch Touristen genutzt werden kann."
Das Projekt "Premiumwanderweg" wird vorangetrieben
Neben vielen Helfern des Skiclubs schaltete sich unter anderem Bernhard Link ein, der Mitglied im Schwarzwaldverein ist und die Altersabteilung der Freiwilligen Feuerwehr von St. Blasien leitet. Deren Mitglieder kümmern sich derzeit übergangsweise um die Pflege der Wanderwege rund um die Domstadt. Aber auch als Bürger St. Blasiens wollte Link sich engagieren, „um der Stadt und der Region eine weitere Attraktion zu schenken, die sowohl von Einheimischen als auch Touristen genutzt werden kann“. Das Forstamt wurde mit ins Boot geholt, der städtische Bauhof, der Naturpark Südschwarzwald e.V., und auch die Hochschwarzwald Tourismus GmbH war bald involviert, die sich vor allem um die Koordinierung der verschiedenen Beteiligten und um die Antragstellung für Zuschüsse kümmerte. Auf rund 50 Helferinnen und Helfer wuchs das Projekt in den Jahren an. Darunter Wolfgang Endres.
Wolfgang Endres mit Enkelin Valerie Herr haben die Geschichten des Domgeistes und Domspatzes vertont. Während der Wanderung gibt es mehrere Stationen, an denen man den Figuren begegnet. ©Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Wissen wird im Vorbeigehen vermittelt
Endres ist nicht nur Mitbegründer der Domfestspiele in St. Blasien und Ehrenbürger der Stadt, sondern vor allem dies: ein begeisterter Spurensucher und Geschichtensammler. Dieses Wissen, speziell zum Dom, sollte auch in den neuen Domsteig einfließen. So nahm sich Wolfgang Endres der Aufgabe an, den Wanderweg mit Hinweisschildern zu garnieren. Aber nicht mit solchen, die meterhoch aufragen und Texte für ein halbes Buch beinhalten, sondern – wie Rainer Böhler vom Skiclub anregte – modernere, schlichtere, die auch für jüngere Zielgruppen attraktiv sind, die Wissen am liebsten in Häppchen und im Vorbeigehen konsumieren. Sechs Hinweistafeln konzipierte Endres daraufhin, jeweils mit zwei QR-Codes versehen, die per Smartphone zu kurzen Audiodateien weiterleiten. Darin spricht zu den Erwachsenen der Domgeist, von Wolfgang Endres selbst eingesprochen, zu Kindern und Jugendlichen der Domspatz mit der Stimme von Endres' Enkelin Valerie Herr.
Domgeist und Domspatz erzählen an 6 Hinweistafeln aus der Vergangenheit von St. Blasien © Hochschwarzwald Tourismus GmbH
Was es mit der Groll-und-Schmoll-Bank auf sich hat
In den Audio-Beiträgen erfahren Wanderer viel Wissenswertes über den Dom und die Stadt, beispielsweise über die Geschichte der Groll-und-Schmoll-Bank, die laut Endres „seit Urzeiten in einer eigenwilligen Position hier gestanden haben soll“. Zu den Bänken auf dieser Anhöhe mit Blick auf den Dom sind Menschen seit jeher gepilgert, wenn ihnen etwas auf dem Herzen lag, wenn sie sich mit jemandem aussprechen wollten, um sich anschließend – im besten Fall – wieder anzunähern. Wie der eingangs erwähnte Trampelpfad war auch die Groll-und-Schmoll-Bank in den vergangenen Jahrzehnten in die Jahre gekommen und wurde erst durch das Domsteig-Projekt wiederentdeckt und zu neuem Leben erweckt, nun mit einer Bank statt zuvor zweien.
Ganz St. Blasien macht mit: Tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden
Die größtenteils ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden der vielen Helferinnen und Helfer kann Fabian Schmidt vom Skiclub nur grob überschlagen: „1.500 dürften es locker sein.“ Wie oft sie Teilstücke des Weges gegangen sind, um Wegweiser aufzustellen und Schilder anzubringen, um Bänke herbeizuschleppen und Wege überhaupt begehbar zu machen, dazu hat auch Bernhard Link keine Statistik geführt: „Würde man die Abschnitte zusammenzählen, wäre ich die Runde schon 25-mal gegangen.“ Wenngleich die genauen Zahlen unbekannt sind: Das Ergebnis stimmt.
Entstanden ist über die acht Jahre ein Weg, der nicht nur die meiste Zeit einen Blick auf den Dom, sondern vor allem einmalige Naturerlebnisse bietet. Der Aufstieg durch die Windbergschlucht etwa – ein Wanderparadies. Der Ausblick von der Groll-und-Schmoll-Bank hinab ins Albtal und auf den Dom – ein Hochgenuss. Der Abstecher zum Wildgehege und Waldspielplatz – ein Traum für Familien. Für alle ist etwas dabei auf den 11,5 Kilometern mit ihren machbaren 450 Höhenmetern. Und für alle, die weniger oder in Etappen laufen wollen, bietet sich mehrmals die Möglichkeit, die Runde abzukürzen.
"Man erkennt die Mühen der vielen Ehrenamtlichen, die wirklich Großartiges geleistet haben"
Der Zertifizierer ist zufrieden, der Domsteig wird Premiumwanderweg
Das Naturerlebnis, die bestens präparierte Strecke, die Markierung der Wege mit ausreichend Schildern, die Highlights während der Runde – all das hat auch Klaus Erber vom Deutschen Wanderinstitut überzeugt. Nach den Mühen der letzten acht Jahre fehlte noch die letzte Weihe des Zertifizierers. Nach einer rund siebenstündigen Begehung und anschließenden Bewertung ließ Erber weißen Rauch aufsteigen. Der schöne und abwechslungsreiche Weg habe ihm sehr gefallen, sagt der Vorsitzende des Deutschen Wanderinstituts: „Man erkennt die Mühen der vielen Ehrenamtlichen, die wirklich Großartiges geleistet haben.“
Nach acht Jahren Arbeit, nach Tausenden von ehrenamtlichen Stunden, nach unzähligen Kilometern Streckenpräparierung ist der Domsteig nun bereit für begeisterte Wanderer. Was lange währt, wird eben gut. Oder anders gesagt: Manches muss vielleicht auch mal länger gehen, damit man danach lange gehen kann.
Der Domsteig wurde als Vorhaben des Landes Baden-Württemberg im Rahmen des GAP-Strategieplans Deutschland 2023 – 2027 mit Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) und mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg finanziert.